Beete hoch hinaus

Urban Gardening: Das steckt hinter dem Trend – und wie auch Sie sich einen Stadtgarten anlegen können

  • Jasmin Pospiech
    vonJasmin Pospiech
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Kartoffeln, Paprika und Tomaten kommen aus dem Supermarkt – falsch gedacht: Dank Urban Gardening wächst leckeres Obst und Gemüse nun direkt auf dem Balkon.

  • Urban Gardening hat eine lange Geschichte und erfreut sich in jüngster Zeit wachsender Beliebtheit
  • Gemeinschaftsgärten auf freien Flächen bieten jedem die Möglichkeit, sich einzubringen
  • Private urbane Gärten können auf dem Balkon, dem Dach oder auch in Innenräumen angelegt werden

Berlin – Urban Gardening, zu Deutsch städtisches Gärtnern, erfreut sich in immer mehr (Groß-)Städten wachsender Beliebtheit. Besonders verderbliche Produkte wie empfindliches Obst und Gemüse sind aufgrund der langen Transportwege oft nicht klimafreundlich. Für nachhaltigeren Konsum und zum Ausgleich schrumpfender Anbauflächen gewinnt der Anbau in der Stadt daher immer mehr an Bedeutung.

Urban Gardening: Definition und Einordnung der Form des Gartenbaus

Urban Gardening bezeichnet ganz allgemein die Nutzung von städtischen Flächen zum Gärtnern. Prinzipiell ist es egal, ob dabei Zier- oder Nutzpflanzen kultiviert werden. Die meisten Anhänger dieser Gartenform bevorzugen jedoch den Anbau von Obst oder Gemüse. Dabei stehen Nachhaltigkeit und eine unabhängige Versorgung im Vordergrund. Urban Gardening wird außerdem oft auch betrieben, weil Menschen in der Stadt wieder Nähe zur Natur finden wollen.

Urban Gardening kann sowohl auf städtischen als auch auf privaten Flächen stattfinden. Viele große Städte fördern mittlerweile entsprechende Projekte. Häufig bilden urbane Gärtner Vereine und erwerben Grundstücke, um dort Lebensmittel anzubauen und Pflanzen zu kultivieren.

Urban Gardening auf dem Balkon oder in Innenräumen bietet aber auch einzelnen Privatpersonen die Möglichkeit, Pflanzen und Nahrungsmittel zu erzeugen. Urban Gardening bedeutet für Großstadtbewohner, Gemüse anbauen zu können, ohne einen eigenen Garten besitzen zu müssen.

Gemeinschaftsgärten mitten in der Stadt sind zum Beispiel in Berlin auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof zu finden.

Urban Gardening – eine neue Entwicklung?

Auch wenn Urban Gardening häufig als neuer Trend bezeichnet wird, ist das Anbauen von Lebensmitteln in der Stadt keine innovative Erfindung. Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es in größeren Siedlungen ein oder sogar mehrere Stadtviertel, in denen Obst und Gemüse gepflanzt wurde.

Diese sogenannten Marktgärten finden sich heute noch in Straßen- und Bezirksnamen wieder. Erst mit dem technischen Fortschritt war es möglich, verderbliche Produkte außerhalb der Stadt zu produzieren und zum Verzehr ins Zentrum zu bringen.

Große Bedeutung hatte Urban Gardening auch in den beiden Weltkriegen. Von der Versorgung abgeschnitten und allgemein unter Mangel leidend, rief die Regierung ihre Bevölkerung auf, jede Fläche zum Anbau von Lebensmitteln zu nutzen. Nach Kriegsende und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung verschwand diese vielseitige Nutzung städtischer Flächen wieder.

Versorgungsengpässe aufgrund von Streiks und Naturkatastrophen rückten urbanes Gärtnern auch in jüngster Zeit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Zusätzlich bietet der Anbau von Gemüse, Kräutern und Obst vielen Verbrauchern Transparenz und Nachhaltigkeit für ihre Versorgung.

Urban Gardening: Die Vorteile des Gärtnerns in der Stadt

Sowohl für die Gärtner selbst als auch für die städtische Gemeinschaft bringt Urban Gardening zahlreiche Vorteile mit sich. Dazu gehören:

  • Klimafreundliche Nahrungsproduktion mit kurzen Transportwegen
  • Natürliche Möglichkeit zum Recycling von Bioabfällen
  • Vorbeugung von Versorgungsengpässen und Überbrückung
  • Gärtnern entspannt und ist eine wertschaffende Freizeitaktivität
  • Gemeinschaftsgärten stärken den sozialen Zusammenhalt
  • Kinder und Jugendliche erleben die Schritte der Nahrungsmittelproduktion hautnah
  • Grünpflanzen verbessern das städtische Mikroklima

Gemeinschaften und Vereine, die sich im Bereich Urban Gardening engagieren, leisten oft auch einen wichtigen sozialen Beitrag. So gibt es zum Beispiel Projekte, die die Eingliederung von Flüchtlingen oder Bildung für finanziell schwache Kinder fördern. Durch gemeinschaftliches Gärtnern und die Pflege von Flächen im jeweiligen Stadtteil entsteht aber auch Gemeinschaft, wie sie in der heutigen Anonymität der Städte selten geworden ist.

In ärmeren Ländern spielt Urban Gardening außerdem eine wichtige Rolle zur Versorgung der Bevölkerung in Städten. Gerade einkommensschwache Familien können sich oft nicht genug Lebensmittel leisten. Indem sie diese selbst anbauen, können sie zumindest ihre Grundversorgung sichern. Auch der Anbau und Verkauf von Lebensmitteln als zusätzliche Einkommensquelle ist in vielen Ländern weit verbreitet.

Urban Gardening im eigenen Zuhause

In den meisten großen Städten gibt es mittlerweile zahlreiche Gartenprojekte, an denen sich jeder beteiligen kann. Dadurch ist Urban Gardening in New York, Hamburg, Berlin oder Bremen für jeden verfügbar. Aber auch wenn keine Gemeinschaftsprojekte existieren, kann sich jeder Einzelne mit den richtigen Urban Gardening-Ideen seinen eigenen Großstadtgarten anlegen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Wohnraum als Anbaufläche genutzt werden kann. Infrage kommen:

  • Urban Gardening auf dem Balkon
  • Urban Gardening mit Dachgarten oder auf der Terrasse
  • Anlegen eines Indoor Gardens

Dabei lässt sich mit dem entsprechenden Urban Gardening-Zubehör viel Platz sparen und auch auf einer kleinen Fläche ein guter Ertrag erwirtschaften. Wer das Anlegen eines urbanen Gartens plant, sollte sich aber bewusst sein, dass es sich um eine zeitintensive Tätigkeit handelt. Vor allem in den heißen Sommermonaten ist tägliches Gießen und regelmäßiges Düngen nötig, um die Pflanzen gut zu versorgen. Wer hier eher nachlässig oder unzuverlässig ist, sollte in spezielle Bewässerungssysteme investieren, um nicht die ganze Ernte zu gefährden.

Urban Gardening in Töpfen oder Kübelpflanzen auf dem Balkon

Wer einen Balkon oder eine Terrasse hat, kann auch in der eigenen Wohnung relativ viel Anbaufläche anlegen. Dabei muss der grüne Stadtgarten natürlich nicht zu Lasten der eigenen Entspannung gehen. Geschickt angeordnet entsteht zwischen den Pflanzen eine wahre Wohlfühloase. Anstatt den Sitzplatz gänzlich einzusparen, wertet man ihn besser mit den Pflanzen auf. Mit Hilfe von Kübeln und speziellen Urban Gardening-Sets kann Gemüse sehr platzsparend angebaut werden. In Frage kommen vor allem:

  • Kübel: für Paprika, Tomaten, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Wurzelgemüse, Zucchini, Gurken, Kohl, Beerensträucher, Lauch
  • Blumenkästen: für Erdbeeren, Kräuter aller Art, Sprossen, Radieschen, Salate, Spinat

Hängende Blumenampeln verbrauchen überhaupt keinen Platz auf dem Boden, bieten aber Platz für mehrere Gemüsepflanzen oder Salate. In sogenannten Kartoffeltürmen finden mehrere Pflanzen mitsamt den leckeren Knollen Platz auf engstem Raum.

Beim Urban Gardening ist also vor allem Kreativität gefragt, um die vorhandene Fläche so effektiv wie möglich zu nutzen. Je beliebter das Gärtnern in der Stadt wird, desto mehr darauf zugeschnittene Lösungen bieten aber auch Hersteller von Gartenzubehör an.

Vertical Gardening: Platzsparend mit Hilfe von Regalen, Hochbeeten & Co.

Größtes Problem beim Urban Gardening ist in der Regel die begrenzte Fläche. Die meisten Balkone in der Stadt sind eher klein. Findige Köpfe haben sich deshalb das Vertical Gardening ausgedacht. Hier verteilt man die Pflanzen nicht in der Breite, sondern in der Höhe. Am besten gelingt das mit Urban Gardening-Regalen. Dabei muss immer darauf geachtet werden, dass jede Pflanze genug Licht bekommt.

Da Pflanzen im Blumenkübel und anderen Pflanzgefäßen nur eine begrenzte Menge an Wasser und Nährstoffen speichern können, sind diese vergleichsweise aufwendig in der Pflege. Leichter haben es Anhänger des Urban Gardening mit Hochbeeten. Diese versorgen den Inhalt nicht nur mit allen nötigen Mineralien, die Zersetzungsprozesse im Urban Gardening Hochbeet erzeugen auch Wärme. Dadurch steigt der Ertrag zusätzlich.

Urban Gardening: Smart Garden für die eigenen vier Wände

Natürlich ist nicht jeder Stadtbewohner mit einem Balkon, einem Dach für einen Dachgarten oder einer Terrasse gesegnet. Falls keine passenden Außenflächen vorhanden sind, bleibt aber immer noch das Anlegen eines Indoor Gardens. Das heißt keinesfalls, dass man sich mit Erde und schmutzigem Gießwasser Dreck in die Wohnung holt. Vielmehr bieten verschiedene Firmen sogenannte Smart Gardens an. Diese besonders ausgeklügelten Systeme versorgen Pflanzen ideal, ohne dass diese viel Platz benötigen. Wer nicht gerne im Dreck wühlt, greift am besten auf diese saubere Methode des Urban Gardenings zurück.

Auch im Innenbereich greift man besser auf Vertical Gardening und Urban Gardening in Regalen zurück, um Platz zu sparen. Pflanzen im Kinderzimmer sind außerdem eine wundervolle Möglichkeit, dem Nachwuchs die Natur und deren Wachsen und Gedeihen näher zu bringen. Urban Gardening mit Kindern sollte aber immer altersgerecht gestaltet und aufbereitet werden.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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