Eine Totholzhecke auf einer Wiese.
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Eine Totholzhecke ist schnell aufgeschichtet und bietet vielen Tieren Schutz (Symbolbild).

Neue Zäune aus alten Ästen

Totholzhecke/Benjeshecke: So legen Sie die Hecke an und begrünen sie

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Beim Baum- und Heckenschnitt fällt einiges an Gartenabfällen an. Größere Zweige und Äste können Gartenfreunde einfach wiederverwenden: Daraus entstehen sogenannte Benjes- oder Totholzhecken.

Berlin – Vermeintlich „totes“ Holz kann noch voller Leben stecken. Insekten, Igel und Vögel profitieren von wilderen Ecken im Garten. Damit diese nicht unordentlich aussehen, werden alte Zweige oder Äste zu Hecken aufgeschichtet. Totholz- oder Benjeshecken lassen sich auch gut begrünen, so wird dem alten Holz noch mehr neues Leben eingehaucht.

Totholzhecke/Benjeshecke: Ursprung und Vorteile

Unter einer Benjeshecke wird eine Hecke aus Totholz verstanden. Der Begriff geht auf den Landschaftsgärtner, Schriftsteller und Fotografen Hermann Benjes (70, † 2007) zurück. Die Hecken waren ursprünglich Teil eines Flurbelebungskonzepts, das mittels der Feldhecken umgesetzt wurde. Benjeshecken bestehen aus Totholz, also Gehölzschnitt. Die Äste und Zweige sind meist dünn, das Anlegen einer Benjeshecke funktioniert aber auch mit dickeren Ästen. Ihre Form bekommen die Hecken durch Stützpfähle, die paarig in den Boden gesteckt (dünne Äste) oder eingeschlagen werden (dicke Äste).

Ein entscheidender Vorteil der Benjeshecke: Grünschnitt und Reste vom Obstbaumschnitt bekommen eine sinnvolle neue Aufgabe und kommen nicht in den Müll. Die selbstgebaute Hecke spart zudem Kosten. Nützlich ist die Benjeshecke auch für zahlreiche Tiere, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Daher findet man sie häufig in naturnahen Gärten. Das Totholz bietet Nahrung, Unterschlupf und Lebensraum für:

  • Vögel wie Rotkehlchen, Amseln oder Zaunkönig
  • Insekten
  • Säugetiere wie Siebenschläfer und Igel
  • Erdkröten
  • Reptilien wie Zauneidechsen

Solch eine Hecke lockt also auch Nützlinge an, Gartenfans leisten so einen kleinen Beitrag zum Arten- und Naturschutz und gestalten ihren Garten zugleich individuell. Wenn es nicht nur totes Holz sein soll, begrünen Gärtner die Hecke im Anschluss noch mit passenden Pflanzen. (Igel im Garten: So fühlt sich das nützliche Stacheltier im Garten wohl)

Totholzhecke/Benjeshecke: So legen Sie die Hecke richtig an

Das Anlegen einer Totholzhecke ist nicht schwer und kann auch im Kleinen als Totholzhaufen oder niedrige Begrenzung realisiert werden. Folgende Schritte führen Gärtner beim Neuanlegen einer größeren Benjeshecke aus:

  • Materialien wie Zaunpfähle, Schnittgut, Scheren und Gummihammer bereitlegen
  • Bestimmen, wo genau die Hecke stehen soll
  • Bereitlegen und Einschlagen der Pfähle: Damit die Hecke stabil bleibt und nicht auseinanderfällt, werden in bestimmten Abständen je zwei Pfähle eingeschlagen
  • Hecke aufschichten: Zwischen die Pfähle schichten Gärtner nun Äste und Zweige, große Lücken können hinterher mit kleinerem Schnittgut aufgefüllt werden. Grünschnitt darf laut Norddeutschem Rundfunk ebenfalls hinein
  • Überstehende Zweige und Äste abschneiden und gegebenenfalls flechten: Durch das Flechten einiger Zweige sieht die Hecke ordentlicher aus und wird zudem stabiler
  • Eventuell Pfähle mit einflechten: Das verleiht der Hecke vor allem bei großen Varianten noch mehr Stabilität
  • Nachfüllen: Die Pflanzenteile verrotten mit der Zeit und setzen sich. Wird die Hecke niedriger, kann neues Material oben drauf

Totholzhecke/Benjeshecke: So können Sie sie begrünen

Benjeshecken werden durch Samenflug oder im Material enthaltene Samen oft natürlich begrünt, ohne Zutun des Gärtners. Etwas nachhelfen können Gartenfreunde mit Pflanzen, die sie in oder vor die Hecke setzen. Dafür sind einheimische Gehölze gut geeignet, zum Beispiel Mispel, Schlehe oder Kornelkirsche. Bunter wird es mit Kletterpflanzen wie Efeu oder Clematis.

Im Naturgarten stört eine Totholzhecke sicherlich nicht, in Ziergärten kann sie aber etwas deplatziert wirken. Hier helfen Übergänge, zum Beispiel Stauden, vor der Gärtner vor die Hecke setzt.

Ist die Hecke einmal angelegt und gegebenenfalls begrünt, überlässt der Gärtner sie sich selbst. Ab sofort gilt Zutrittsverbot für die Hecke, denn diverse Lebewesen machen sich nun an die Zersetzung des Pflanzenmaterials. Säugetiere, Reptilien, Vögel und Insekten ziehen ein oder suchen in der Hecke Schutz.

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