Bei Gemüse gefürchtet

Weiße Fliege: So wurde sie zum Superschädling durch „Genklau“

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Die Weiße Fliege ist ein Pflanzenschädling und vor allem beim Gemüse gefürchtet. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sie ein Pflanzen-Gen „geklaut“ hat. Das bedeutet das für ihre Bekämpfung.

Massachusetts (USA) – Die Weiße Fliege, konkreter Bemisia tabaci, wird auch Tabakmottenschildlaus genannt und stand nun im Mittelpunkt einer Studie. Die erschien im März dieses Jahres im Magazin Cell. Das erstaunliche Ergebnis: Die Fliege hat ein Pflanzengen „geklaut“ und wird dadurch resistenter gegen bestimmte Giftstoffe in Pflanzen.

Weiße Fliege: Durch „Genklau“ zum Superschädling

Die Weiße Fliege ist eigentlich keine Fliege, sondern gehört zu den Mottenschildläusen, also zu den Pflanzenläusen. Konkret als Weiße Fliege bezeichnen wir dabei meist die Baumwoll-Mottenschildlaus/Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) sowie die Gewächshaus-Mottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum). In Mitteleuropa sind etwa 17 Arten der Weißen Fliege verbreitet und gelten als Pflanzenschädlinge, die vorwiegend in Gewächshäusern ihr Unwesen treiben. Sie können aber auch im Freiland Schaden anrichten, sofern es sich um geschützte Stellen handelt. Denn die Tiere mögen es etwas feucht und vor allem warm. Bei uns kamen sie übrigens nicht immer vor, wie die Lebensweise schon andeutet, sondern wurden irgendwann eingeschleppt.

Weiße Fliegen befallen liebend gern Gurken oder Tomaten, Kohl und Bohnen beim Gemüse, aber auch Blumen wie Geranien. Wobei jede Fliegen-Art ihre eigenen Vorlieben hat, teils werden auch Zimmerpflanzen befallen. Die in der Studie untersuchte Bemisia tabaci mag ihrem Namen entsprechend vor allem Tabakpflanzen und macht vor Zierpflanzen auch nicht Halt.

Allgemein erkennt man Schäden durch Weiße Fliegen an:

  • verwelkende und vertrockneten Blättern
  • Vergilben
  • klebrige Früchten
  • abfallenden Blättern

Sowohl erwachsene Tiere als auch die Larven verursachen Schäden. Dabei können Viren übertragen werden. Geschwächte Pflanzen haben ein höheres Risiko, von Krankheiten befallen zu werden, etwa vom Rußtaupilz.

Weiße Fliege: Die Studie und ihre Ergebnisse

Pflanzen haben normalerweise eigene Abwehrmechanismen gegen Schädlinge, darunter toxische (giftige) Phenolglykoside. Die Pflanze selbst hat eine Art Antigen, sodass sie keinen Schaden nimmt. Bei der Tabakmottenschildlaus funktioniert das Gift aber nicht. Den Grund dafür liefert nun die Studie und der ist erstaunlich.

Denn die Weiße Fliege besitzt das Gen BtPMaT1, das es ihr laut der Studie ermöglicht, die Phenolglykoside zu neutralisieren. Das Gen selbst stammt aber eigentlich von einer Pflanze, darauf lässt die Struktur schließen. Konkret wurde das Ganze durch veränderte Tomatenpflanzen getestet, an der die Insekten fressen sollten. Diese Tomaten bilden RNA-Moleküle, die das betroffene Gen (BtPMaT1) der Fliegen (konkreter dessen Funktion) blockieren. Es hilft also nicht mehr gegen die giftigen Stoffe. Das Ergebnis: Die Schädlinge starben. Das bedeutet also, dass die Weiße Fliege ohne BtPMaT1 durchaus anfällig für die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen wäre. Das könnte in Zukunft Vorteile bringen, denn Weiße Fliegen sind schon gegen einige Insektizide resistent.

Den Prozess, dass ein Gen von einem Organismus auf einen anderen übertragen wird, nennt man horizontalen Gentransfer. Bei der betreffenden Weißen Fliege hat der wahrscheinlich bereits vor einigen Millionen Jahren stattgefunden. Angenommen wird, dass Viren daran beteiligt waren und das Gen so von Pflanze auf Insekt übertragen wurde. Damit hätte die Weiße Fliege das Gen natürlich nicht absichtlich „geklaut“, sondern eher zufällig erhalten.

Weiße Fliege: So können Sie sie bekämpfen

Was die Ergebnisse der Studie nun für die Schädlingsbekämpfung bedeutet, bleibt abzuwarten. Sie erklärt aber immerhin, wieso die Weiße Fliege so viele Pflanzen befallen kann, ohne Schaden zu nehmen. Unverwundbar ist aber auch das Insekt nicht, das aktuell gerne als „Superschädling“ betitelt wird.

Effektiv gegen die Weiße Fliege helfen beispielsweise Nützlinge wie Schlupfwespen. Die Methode ist zwar nicht nett, wirkt aber. Konkret legen die weiblichen Schlupfwespen Eier in die Larven der Weißen Fliege und töten sie dadurch ab. Zudem dienen dem Weibchen einige Larven beziehungsweise deren Saft als Nahrung. Damit ist die Schlupfwespe nicht nur eine äußerst effektive, sondern auch harmlose Bekämpfungsmethode, die Sie überall bestellen können.

Daneben wirken auch andere Mittel wie Neemöl, das jedoch nicht auf die Weiße Fliege beschränkt ist. Auch Rapsöl kann sich eignen. Achten Sie beim Einsatz immer darauf, keine Nützlinge zu schädigen. Raubwanzen sind eine weitere Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung, von chemischen Mitteln raten wir grundsätzlich ab.

Die Weiße Fliege ist außerdem nicht gegen alle Pflanzen und deren Gift resistent. Die Blaue Lampionblume wirkt tödlich, wenn sie sie ansaugen und kann ebenfalls gepflanzt werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Design Pics

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