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Tote Hummeln unter Linden: Das steckt hinter dem Hummelsterben im Sommer

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Von: Franziska Irrgeher

Jeden Hochsommer kommt es zum scheinbar grundlosen Massensterben von Hummeln unter Linden-Bäumen. Wir erklären, was hinter dem Hummelsterben steckt.

Berlin – Jedes Jahr etwa im Hochsommer sind Menschen entsetzt, wenn sie die ersten toten Hummeln unter Linden finden. Das Massensterben sorgt für Fassungslosigkeit, Wut und vor allem oft Ratlosigkeit. Sind Pestizide Schuld? War es der Klimawandel oder gar die Flächenversiegelung? Wir erklären, weshalb die Hummeln gerade dann und an diesem Ort sterben und wie jeder helfen kann.

Tote Hummeln unter Linden: Das steckt hinter dem Phänomen Hummelsterben

Um das Hummelsterben im Hochsommer ranken sich viele Gerüchte, Halbwahrheiten werden verbreitet und lange war nicht einmal klar, ob es wirklich ein so seltsames Phänomen ist oder doch einfach ein natürlicher Vorgang. Die Rede ist davon, dass Naturfans ab dem Hochsommer immer wieder ganze Massen toter Hummeln finden, vorwiegend unter Linden-Bäumen. Einmal in den Medien gelandet, entfachten sich zahlreiche Diskussionen um das Thema, Erklärungen wurden geliefert und widerlegt. Wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) berichtet, sei inzwischen beispielsweise widerlegt, dass Hummeln an anderen Orten genauso häufig sterben.

Zu sehen sind tote Hummeln in Nahaufnahme (Symbolbild).
Das Hummelsterben im Herbst macht Tierfreunde oft traurig (Symbolbild). © blickwinkel / Imago

Tote Hummeln unter Linden: Theorien und Beweise

Es scheint also tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Linden und toten Hummeln zu geben. Nur warum? Frühere Theorien gingen beispielsweise von Giftstoffen in den Linden aus, andere von zufälliger Korrelation von natürlichem Hummelsterben und dem Blühen bestimmter Linden. Laut NABU zeigten Untersuchungen der Universität Münster in den 1990er Jahren jedoch, dass die gefundenen Tiere keineswegs alt, sondern im besten Alter waren.

Auch zur Theorie mit dem giftigen Nektar gibt der NABU Entwarnung, es konnte weder giftiger Zucker noch Mannose im Nektar gefunden werden. Doch woran sterben die kleinen, dicken Flauschbällchen nun und vor allem warum?

Tote Hummeln unter Linden: Deshalb sterben sie

Die Erkenntnisse, die der NABU auf diese Frage liefert, machen traurig. Denn die Hummeln verhungern schlichtweg unter den Bäumen. Forschende aus Münster maßen laut NABU die Zuckerreserve der Tiere und erkannten, dass kaum mehr Energiereserven vorhanden waren. Königinnen bilden dabei die Ausnahme, schließlich sorgen sie für das Fortbestehen der Hummeln im nächsten Jahr. Normale Hummeln legen aber keine größeren Vorräte an und haben dann irgendwann ein Problem.

Hummeln sterben meist unter Krimlinden oder Silberlinden. Um den Zusammenhang mit Hummeln zu verstehen, muss man das Ganze einordnen können:

Wer nun Ende Juli die Landschaft und den eigenen Garten betrachtet, stellt fest, dass Obstbäume und Gemüsepflanzen in der Regel längst nicht mehr blühen. Mit Ausnahme von Hibiskus und wenigen anderen stehen auch keine Blüten bei Sträuchern mehr an. Das Nahrungsangebot schwindet also trotz bestem Sommerwetter rapide.

Die Theorie laut NABU also: die durch das geringere Nahrungsangebot ohnehin geschwächten Tiere finden zwar an den Linden Nahrung, sind aber oft zu schwach, diese noch aufzunehmen. Hinzu komme laut NABU zudem ein gewisser Konkurrenzdruck mit anderen Hummelvölkern. Und genau da können Tierfans helfen, denn die Lösung ist denkbar einfach!

Tote Hummeln unter Linden: So können Sie helfen

Wir sind also quasi wieder am Anfang angelangt und damit bei der Frage: ist Flächenversiegelung schuld? Ja, auch. Wer in grüneren Gegenden mit genügend Wildwuchs lebt, der wird sicherlich viele Pflanzen entdecken, die auch im Hochsommer Hummeln und andere Insekten anlocken. Gerade in Neubaugebieten und Großstädten herrscht aber oft Beton vor, Gärten werden immer kleiner, selbst wenn sich viele Naturfans redlich um Ausgleich bemühen. Wenn die Bemühungen aber zunehmen, wächst so langsam auch das Nahrungsangebot für Insekten im Spätsommer wieder. Das geht auch auf dem Balkon.

Daher gilt in diesem Fall: Hoch lebe das Beikraut! Blühwiesen werden manchmal zu früh gemäht, um die Samenreife zu verhindern. Gerade diese Blumen wären aber wichtig. Auch im Garten sollten Sie Wildblumenwiesen daher nicht zu früh abmähen.

Im Grunde kann jeder etwas für die Hummeln tun:

Derzeit übrigens im Garten der Autorin am beliebtesten: Zaunwicke und Borretsch, dicht gefolgt von Zierlauch.

Ein Garten für Hummeln und andere Tiere muss keineswegs zugewuchert und unordentlich sein. Gerade die höheren Stauden sind ein toller Blickfang und lassen sich sehr geordnet ansäen. Blumen wie die Ringelblume blühen zudem fast durchgehend ab Mai. Ein netter Nebeneffekt: Während die Nachbargärten dann nach der Ernte langsam kahl und trist werden, blüht Ihr Garten noch lange.

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