Von wegen „Ratten der Lüfte“

Stadttauben: Diese interessanten Fakten kannten Sie sicherlich noch nicht

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Stadttauben haben zu Unrecht einen oft ziemlich schlechten Ruf. Oft als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet, sind sie oft unbeliebt. Dabei fehlt meist einfach das Wissen über die Straßentaube.

Berlin – Stadttauben kommen in jeder Stadt in kleineren oder größeren Scharen vor. Oft werden die Tiere dabei von Fußgängern verscheucht, picken zwischen Passanten auf dem Boden und besuchen das ein oder andere Restaurant. Ihr Ruf ist nicht der beste, dabei hat uns die Stadttaube eigentlich nichts getan. Früher hatten diese Tauben sogar eine wichtige Aufgabe.

Stadttauben: So gelingt das Zusammenleben von Mensch und Taube

Von der Haus- und Brieftaube zur „Ratte der Lüfte“. So könnte man die Geschichte der Stadttaube zusammenfassen. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) stammen unsere Stadttauben von der Felsentaube ab und wurden früher gerne als Brieftauben eingesetzt. Die Tiere hatten also eine für den Menschen wichtige Aufgabe. Doch wie es oft bei Tieren in menschlicher Obhut vorkommt, sind auch einige Brieftauben ausgebüxt oder haben nicht mehr nach Hause gefunden.

Die Taube ist inzwischen wie auch viele Gartenvögel ein Kulturfolger und hat sich unsere Städte als Revier auserkoren. In Dörfern kommen Stadttauben (Columba livia f. domestica), auch Straßentauben genannt, natürlich auch vor, aber meist in viel geringerer Zahl. Übrigens steht die Stadttaube aktuell zur Wahl für den Vogel des Jahres.

Stadttauben: Vorurteile und Gefahrenquellen

Und damit zu den Vorurteilen, die sich hartnäckig halten. Tauben gelten als dreckig, werden vor allem von Kindern und Hunden gerne gejagt und müssen tagtäglich Hunderten von Beinpaaren ausweichen, auf der Suche nach Nahrung. Das Problem: Tauben sind recht standorttreu, vor allem wenn es um Nistplätze geht. Dabei entsteht einiges an Dreck, sodass die meisten Bahnhöfe inzwischen Abwehrvorrichtungen angebracht haben. Doch längst brüten die Tiere sogar unter den Netzen oder zwischen den Spießen. Viele Tauben fallen auch Methoden der Schädlingsbekämpfung zum Opfer oder verheddern sich in Schnüren, Haaren und Netzen, die herumliegen. Den Menschen stört vor allem der Kot.

Normalerweise gehören Hülsenfrüchte zur vegetarischen Nahrung der Stadttaube, so der NABU. Doch in den Städten fressen sie vorwiegend Essensreste. Gerade jetzt während der Pandemie verhungern teils Stadttauben aufgrund der fehlenden Menschen in den Innenstädten*.

Ganz unproblematisch sind große Taubenpopulationen aber nicht. Der NABU berichtet, dass hohe Zahlen der Tiere zu Stress, Krankheiten und auch Parasiten führen, die Sterblichkeit der Jungtiere im ersten Jahr liege dann bei bis zu 90 Prozent. Jedoch, das wird ebenfalls betont, gehe von Tauben keine größere Gefahr für die menschliche Gesundheit aus, als von anderen Vögeln.

Stadttauben: Fakten über unsere gefiederten Mitbewohner

Damit das Zusammenleben von Mensch und Taube funktioniert, muss man sich kennenlernen. Das geht im Fall der Stadttaube gut über Fakten, denn die Tiere haben auch viele gute Eigenschaften.

Diese Fakten über Stadttauben kannten Sie vielleicht noch nicht:

  • Stadttauben übertragen nicht mehr Krankheiten als andere Vögel, das berichtet auch der WDR.
  • Tauben sind sehr treu und bilden lebenslange Partnerschaften.
  • Straßentauben können verschiedene Augenfarben haben: Bei Tauben reicht das Spektrum von hellem Gelb bis beinahe Rot. Wie der WDR berichtet, unterschieden sich Tauben-Augen in Form und Farbe voneinander.
  • Weiße Tauben sind entflogene Hochzeitstauben: Nicht jede Taube findet nach de Freilassung bei einer Hochzeit zurück nach Hause. Somit sind weiße Stadttauben eigentlich Hochzeitstauben oder deren Nachkommen, so der WDR.
  • Tauben-Abwehr schädigt auch andere Vögel: Man kennt Netze und Spikes von Bahnhöfen oder Gebäuden. Auch Klebepasten sollen laut WDR gelegentlich zum Einsatz kommen, und all das schädigt auch andere Vögel oder verletzt sie.
  • Taubenkot sieht eigentlich anders aus: Laut WDR ist der weiße, eher flüssige Kot der Stadttaube ein Zeichen falschen Futters, normalerweise sollte Taubenkot dunkler und fester sein. Gebäude zerstört der Kot nach neueren Erkenntnissen übrigens auch nicht.
  • Auch Stadttauben hungern: Zumindest wenn nicht genug Körnerfutter zur Verfügung steht. Dann fressen sie auch Essensreste. Einige Städte haben daher gezielt Taubenschläge und Futterstellen eingerichtet.
  • Weniger Futter bedeutet nicht weniger Nachkommen: Ein häufiger Trugschluss ist, dass das Einstellen der Fütterung den Bestand dezimiert. Laut WDR paaren sich Stadttaube bis sieben Mal pro Jahr, es gibt also auch ohne viel Nahrung Nachkommen, diese verhungern dann aber schneller.
  • Taubenschläge als Lösung: Einige Städte machen es vor. Taubenhäuser oder Taubenschläge bieten Nistplatz und Futterstelle für die Tiere. Damit wird die Verunreinigung durch Nester an öffentlichen Orten eingedämmt und die Tauben bekommen besseres Futter. Zudem bestehe laut WDR auch die Möglichkeit, Taubeneier gegen Gipseier zu tauschen. Das verringert langfristig den Bestand. Eine gute Lösung für alle also, zu der auch der Tierschutzbund rät.

Der Landestierschutzverband Niedersachsen hat die Frage nach Tauben als Krankheitsübeträgern auch noch ein mal in einem Video aufgegriffen:

In vielen Städten gibt es ohnehin ein Fütterungsverbot für Tauben. Mit Taubenhäusern als Lösung für alle Beteiligten würden also wahrscheinlich Mensch und Tier glücklich werden. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Gottfried Czepluch

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