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Pestizid verbreitet sich: Umstrittenes Mittel im Boden und Wasser nachweisbar

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Von: Anna Katharina Küsters

Agrarministerin Julia Klöckner erlaubte mithilfe einer Notfallzulassung für bestimmte Bereiche in der Landwirtschaft ein umstrittenes und eigentlich verbotenes Pflanzenschutzmittel.

Ochsenfurt – Für viele Umweltschützerinnen und Umweltschützer ist die Notzulassung eines Pestizids durch Agrarministerin Julia Klöckner eine Katastrophe. Denn mehrere Bodenproben von Imkern und Naturschützenden zeigen nun, dass sich das verteilte Pestizid auch in Bodenschichten und im Wasser in Feldnähe nachweisen lässt. Das kann mitunter für Bienen und andere Insekten tödlich enden. Der Rübenanbauerverband wehrt die Kritik an der Notfallzulassung ab.

Pestizid verbreitet sich: Agrarministerin erlaubt für Bienen gefährliches Pflanzenschutzmittel

Das per Notfallzulassen erlaubte Pestizid namens „Cruiser 600 FS“ ist in der Europäischen Union eigentlich seit dem Jahr 2018 verboten. Grund für das Verbot ist der Inhaltsstoff Thiamethoxam und dessen Abbauprodukt Clothianidin. Problem bei diesen Stoffen ist, dass sie in höherer Dosierung wie folgt auf Insekten wirken können:

Je nach Konzentration des Pestizids leiden also viele wichtige Insekten darunter, wenn sie es bei ihrer Nektarsuche oder ihrem kurzen Aufenthalt auf der Pflanze aufnehmen.

Zu sehen ist eine Zuckerrübe in Nahaufnahme, dahinter liegt ein weites Zuckerrübenfeld (Symbolbild).
Die Zuckerrüben-Ernte war von Läusen bedroht (Symbolbild). © Imago

Dieses Verbot umging Julia Klöckner nun aber, da besonders die Produzierenden von Zuckerrüben Alarm geschlagen hatten. Eine Blattlaus hatte sich in den vergangenen Jahren rasant ausgebreitet und die Zuckerrübenernte bedroht. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) könne diese Laus mit anderen Pflanzenschutzmitteln nicht mehr bekämpft werden, es müssen andere Mittel zum Einsatz kommen. So war die Notfallzulassung für das Pestizid geboren. Laut dem BVL würden Insekten und andere Tiere unter dem ausgebrachten Pestizid nicht leiden, da die behandelten Pflanzen im ersten Jahr nicht blühen und somit auch beispielsweise keine Bienen anlocken würden.

Pestizid verbreitet sich: Die Auswirkungen

Die Realität sieht vielerorts laut der Tageszeitung (TAZ) jedoch anders aus. So gelten zwar strenge Vorlagen für die Produzierenden von Zuckerrüben, jedoch lassen sich die nicht überall umsetzen. Erosion durch starke Regenfälle führen dann beispielsweise dazu, dass das mit dem Pestizid ummantelte Saatgut der Zuckerrüben teilweise aus den Feldern in die umlegende Gegend gespült wird.

Das ausgeschwemmte Wasser habe bei Proben in Franken laut Professor Matthias Liess, Ökotoxikologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, eine hohe Konzentration an Thiamethoxam und Clothianidin enthalten, die auch für Insekten gefährlich sei. Die TAZ berichtet, dass Imker auch auf benachbarten Feldern Proben nahmen und selbst dort, wo kein Saatgut mit dem Pestizid ausgebracht wurde, Neonikotinoide nachweisbar waren. Dort blühen jedoch die Pflanzen und werden von Insekten direkt angeflogen, die dann mit dem Pestizid in Kontakt kommen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) forderte vor Kurzem eine bundesweite Offenlegung der Daten zu eingesetzten Pestiziden*.

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Pestizid verbreitet sich: Die Gegenposition

Die Vorwürfe der Imker und Umweltschützenden wehrt beispielsweise der Rübenanbauverband entschieden ab. So argumentieren sie, dass durch den Einsatz des Pflanzenschutzmittels die Fläche deutlich geschützt würde, da sie bis zu 90 Prozent Pflanzenschutzmittel sparen würden. Zudem verweist der Verband darauf, dass Zuckerrüben nicht blühen und somit auch für Insekten uninteressant seien.

Die im Boden enthaltenen Rückstände des Stoffes Thiamethoxam bauten sich außerdem schnell ab, sodass die Konzentration schon nach einem Jahr selbst bei schlechten Bedingungen nur noch bei acht Prozent des Ausgangswertes liege. Hinzu komme, dass die Bäuerinnen und Bauern im folgenden Jahr keine Blühpflanzen kultivieren würden und die Aussaat des ummantelten Saatgutes geschehe mit äußerster Sorgfalt, sodass sich das Pestizid nur in sehr geringen Mengen von der Hülle des Saatkorns löse. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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