Es muss nicht immer die Chemiekeule sein

Natürliche Schädlingsbekämpfung: Mit Planung und Nützlingen gegen Blattläuse und Co.

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Schädlingsbekämpfung ist Thema in jedem Garten und das immer wieder. Bei der Schädlingsbekämpfung mit allem, was die Natur hergibt, helfen Nützlinge sowie gute Gartenplanung.

München – Ein Garten ohne Schädlinge ist kaum möglich. Damit die nervigen Tierchen aber zumindest nicht die Ernte ruinieren, hilft Schädlingsbekämpfung mit allem, was die Natur zu bieten hat. Die beginnt bei der Planung und beinhaltet nützliche Insekten.

Natürliche Schädlingsbekämpfung: Mit Planung und Nützlingen gegen Läuse und Co.

Gerade beim Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern sind Spritzmittel wie Pestizide problematisch. Denn die Pflanze nimmt die Mittel auf, wir essen sie dann mit den Früchten. Auch für Tiere im Garten können viele chemische Mittel gefährlich werden. Schädlinge wollen aber auch Biogärtner nicht an ihren Pflanzen. Die Lösung: Natürliche Schädlingsbekämpfung und die Vorteile der Natur nutzen. Die eignet sich natürlich für jeden Gartentyp vom Naturgarten über den Bauerngarten bis hin zum Ziergarten. Machen Sie sich hilfreiche Insekten zunutze, wählen Sie die richtigen Pflanzen und planen Sie vorab. Dann steht der erfolgreichen Ernte nichts im Weg.

Tipps für die natürliche Schädlingsbekämpfung im Garten:

  • Schneckenresistente Pflanzen: Der erste Schritt weg von der Schädlingsbekämpfung mit Schneckenkorn und Co. sind Pflanzen, die unsere Schädlinge einfach nicht mögen. Bei Schnecken sind das beispielsweise viele Pflanzen mit behaarten Pflanzenteilen, wobei auch dabei Jungpflanzen gefressen werden können.
  • Weitere Pflanzen, die Schädlinge meiden: Wir möchten hier vorausschicken, dass einige der folgenden Pflanzen giftig für Menschen und/oder Haustiere sein können. Informieren Sie sich also noch mal über die konkrete Pflanze, ehe sie in den Garten einzieht. Sie können die Pflanzen in Beeten oder neben Zierpflanzen nutzen. Rainfarn beispielsweise soll gegen Spinnmilben und Ameisen helfen. Polei-Minze hilft gegen Schnecken, Ameisen und Milben. Absinth (die Pflanze, nicht der Alkohol) wirkt gegen Blattläuse und Milben. Rizinus soll Maulwürfe vertreiben, wir raten aber dringend zu harmloseren Mitteln. Ebenfalls gegen Nagetiere hilft Wolfsmilch (giftig!) und auch Bohnenkraut und Lavendel sollen Schädlinge abhalten. Die Liste ließe sich fortsetzen, Wermut, Knoblauch und viele andere Pflanzen können Sie ebenfalls nutzen.
  • Nützlinge anlocken: Die andere Option ist das Anlocken nützlicher Insekten wie Florfliegen, Marienkäfer und anderen, die Schädlinge zum Fressen gern haben. Oft sind es die Larven, die Schädlinge verspeisen, töten Sie diese also nicht versehentlich. Insektenhotels gibt es inzwischen fast für jedes Insekt, Totholzhaufen, Steinmauern und ein insgesamt naturnaher Garten mit Rückzugsmöglichkeiten und Futter für die Insekten helfen ebenfalls. Auch Igel und Vögel im Garten können überaus hilfreich gegen Schädlinge sein.
  • Pflanzkübel und Hochbeete nutzen: Das hilft vor allem gegen Schnecken und Insekten, die nicht fliegen können. Hochbeete haben darüber hinaus aber auch einen Vorteil für Senioren oder Gärtner mit Rückenproblemen und Kübel sind schnell bepflanzt.
  • Gemüse, Blumen und Abwechslung: Keine Monokultur. Wenn Insekten erst mal bemerkt haben, wo die Nahrung wächst, machen sie auch vor den anderen Pflanzen nicht Halt. Da kann es helfen, zwischen das Gemüse Kräuter oder Blumen zu setzen und auch beim Gemüse abzuwechseln. Blumen helfen, Nützlinge anzulocken, die Schädlinge dagegen brauchen bei gemischt bepflanzten Beeten länger, bis sie ihre Nahrung finden.
  • Abdeckung nutzen: Wer nicht in einem Gewächshaus oder Frühbeet anpflanzt, kann auch Abdeckungen gegen Schädlinge einsetzen. Für den Sommer ist das Gartenvlies nützlich, das zwar Licht und Wasser, aber keine Schädlinge durchlässt.
  • Abstand einhalten: Zu geringer Abstand beim Anpflanzen des Beets ist auch ein Faktor, der es Insekten leichter macht. Die engstehenden Pflanzen können außerdem durch angestaute Feuchtigkeit anfälliger für Krankheiten sein, Schädlinge haben dann noch leichteres Spiel. Achten Sie unbedingt auf lichtere Reihen, die Pflanzen wachsen ohnehin noch.
  • Genügend Sonnenlicht: Anschließend an den vorherigen Punkt ist auch Sonne wichtig. Die Pflanzen müssen gut abtrocknen können. Bei Rosen etwa können Sie alleine dadurch viele Krankheiten verhindern. Zudem bevorzugen einige Schädlinge feuchte, dunkle Orte, Sonne dagegen behagt eher wenigen. Zu wenig Sonnenlicht (abhängig von der Pflanze natürlich) kann die Pflanze außerdem schwächen und damit ebenfalls anfällig für Krankheiten und Schädlinge machen.
  • Fruchtfolge und Mischkultur: Jedes Jahr dieselbe Sorte am selben Ort zu pflanzen, ist keine gute Idee. Denn viele Schädlinge überwintern im Beet in der Erde oder in Pflanzenresten und hätten im nächsten Jahr das Buffet dann direkt vor der Nase. Besser wäre es also, eine Mischkultur anzulegen und jedes Jahr den Standort der Pflanzen zu wechseln.
  • Gesunder Boden als Grundlage: Allem voran sollte der Boden gesund sein und ideal für die Pflanzen geeignet. Falsche Bedingungen, zu wenig Nährstoffe, zu feuchter Boden oder ähnliches schwächen unsere Pflanzen und machen sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Testen Sie daher den pH-Wert und gleichen ihn aus, wenn nötig. Dünger, Kalk und mehr können eingesetzt werden, um ideale Bedingungen zu schaffen.
  • Wühlmäuse und Maulwürfe fern halten: Ein spezieller Punkt sind grabende Tiere wie Maulwürfe oder Wühlmäuse. Normalerweise mögen die beiden sich nicht, meist findet sich also entweder die Maus oder der Maulwurf im Garten. Um die geschützten Maulwürfe zu vertreiben, haben Sie einige harmlose Möglichkeiten. Bei Wühlmäusen können beispielsweise auch Pflanzen helfen, die die Tiere nicht mögen.
  • Sud und Jauche: Die beste Stärkung und das natürlichste Mittel gegen Schädlinge kommt aus dem eigenen Garten. Wer die gesunde und für Schmetterlinge wichtige Brennnessel wachsen lässt, kann aus ihr einen Sud oder Jauche machen. Je nachdem können Gartenfans das Gebräu dann als Dünger oder Spritzmittel verwenden.
  • Gartenschlauch und Handarbeit: Aufwendiger, aber definitiv eine Option, ist das Einsammeln von Schneckeneiern im Winter. So schlüpfen die Schädlinge gar nicht erst. Der Gartenschlauch kann im Sommer zumindest für einige Stunden Blattläuse und Spinnmilben von den Pflanzen entfernen. Bei regelmäßigem Abspritzen der Pflanze bleiben sie vielleicht auch ganz fern.

Natürliche Schädlingsbekämpfung ist also vor allem eine Zusammenarbeit mit der Natur, Nützlingen und Pflanzen. Wer seinen Garten gut bepflanzt, auf heimische Pflanzen setzt und auf Monokulturen beim Gemüse verzichtet, hat gute Chancen auf eine erfolgreiche Ernte ohne großen Schaden.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Science Photo Library

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