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Insektenschutz im Garten: Nisthilfen, Blumen und wilde Ecken

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Was wäre ein Garten ohne Insekten? Vor allem sehr trostlos, denn die fleißigen Tiere bestäuben unsere Bäume. Insektenschutz im Garten daher nicht beim Bienenhotel auf.

Hamburg – Insekten im Garten gibt es viele. Wo wir Menschen zwischen Nützlingen und Schädlingen unterschieden, sehen Vögel beispielsweise eher ein Gratis-Buffet. Und entgegen unserer Annahme haben die meisten Insekten auch tatsächlich eine sinnvolle Aufgabe, sofern sie sich nicht auf die neuesten Blumen stürzen und diese ruinieren. Denn viele der Tierchen sind für Abfallbeseitigung zuständig, andere Insekten wie Bienen dagegen bestäuben Blüten. Schützen sollten wir sie daher eigentlich alle, dann regulieren Schädlinge und Nützlinge sich auch gegenseitig.

Insektenschutz im Garten: Blumen, Nisthilfen und Co.

Bestenfalls herrscht im Naturgarten ein Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen. So der Idealfall, der selten eintritt. Stattdessen finden wir in Gärten oft betonierte Flächen oder Kies als Zierde, Rasenflächen ohne Blumen und perfekt gestutzte Hecken. Dem gegenüber steht aber auch die zunehmende Anzahl an Naturgärten. Ein gutes Mittelmaß würde schon ausreichen, denn jeder kann einen kleinen Teil zum Insektenschutz beitragen. Nur mit einem Insektenhotel ist es aber nicht getan.

Insektenschutz im Garten: Naturgärten und wilde Ecken

Wer über Nisthilfen für Biene, Florfliege und Co. nachdenkt, sollte an einem anderen Punkt beginnen: Pflanzen. Die Tiere brauchen sowohl Nahrung als auch Orte, um Eier abzulegen. Daher beinhaltet ein insektenfreundlicher Garten vor allem heimische Pflanzen und bestenfalls viele, verschiedene Blühpflanzen für jede Jahreszeit. Totholzhaufen, Benjeshecken und auch Trinkmöglichkeiten für die Tierchen ergänzen das Gesamtbild. Im Winter dürfen dann Stängel als Winterquartier stehen bleiben.

Diese insektenfreundlichen Frühblüher passen in jeden Garten:

  • Frühlingskrokus: Einer der ersten Frühlingsboten ist der Krokus. Crocus vernus wird von der Deutschen Wildtier Stiftung als insektenfreundliche Pflanze empfohlen. Er liefert Nahrung, wenn zwar schon Insekten unterwegs sind, aber teils noch frostige Temperaturen herrschen.
  • Schneeglöckchen: Gleiches gilt fürs Schneeglöckchen. Das kann sogar den Schnee schmelzen, um auszutreiben. Galanthus nivalis sieht zudem toll unter Sträuchern aus.
  • Gewöhnliche Kuhschelle: Auch die empfiehlt die Wildtier Stiftung. Pulsatilla vulgaris kommt eigentlich aus den Bergen und Kiefernwäldern, fühlt sich an einem trockenen, sonnigen Standort aber auch im Garten wohl. Überaus hübsch sind die Blumen zudem.
  • Winterlinge: Auch die kleinen, gelben Blumen sind tolle Nahrungsquellen für Insekten, die auch der NABU empfiehlt.
  • Weiden: Bei den Bäumen sind beispielsweise Kätzchenweiden Frühblüher. Teils sind die Kätzchen schon zu sehen, wenn der Schnee längst noch nicht geschmolzen ist. Die wichtige Nahrungsquelle für Insekten gibt es in verschiedenen Größen unter der Sammelbezeichnung Salix spec. zu kaufen. Hängende Kätzchenweiden beispielsweise bleiben klein.
  • Kornelkirsche: Cornus mas kann hoch werden. Auch als Heckenpflanze ist die Kornelkirsche gut geeignet und liefert sowohl Pollen als auch Nektar. Weiterer Vorteil: Vögel lieben die Früchte.

Das ist natürlich längst nicht alles, der NABU empfiehlt beispielsweise zudem die Wiesen-Schlüsselblume, Huflattich, Gefingerten und Hohlen Lerchensporn, Märzenbecher, Blausterne, Busch-Windröschen, Scharbockskraut und Leberblümchen bei früh blühenden Pflanzen.

Ab Mai geht es weiter mit der Blüte:

  • Löwenzahn: Bei vielen als Unkraut verschrieen, wächst der Löwenzahn nicht nur in jeder (etwas ungepflegten) Wiese, sondern ist auch ein toller Lieferant für Nektar und Pollen. Wir Menschen haben auch etwas davon und können die ganze Pflanze verwenden.
  • Apfelbäume: Der Kulturapfel blüht meist ab Mai und ist, was Pollen und Nektar angeht, kaum zu übertreffen. Wie auch viele andere Obstbäume ist er heiß begehrt bei Insekten.
  • Himbeeren: Knapp hinter dem Apfel liegen Himbeeren mit ihrem Nahrungsangebot. Neben den Blüten sind reife Himbeeren später auch bei Wespen und Vögeln ein beliebter Snack.
  • Johannisbeere: Noch eine Pflanze, von der alle profitieren. Johannisbeeren sind für uns Menschen gesund, bieten Nahrung für Insekten und werden später auch von Amseln abgeerntet, wenn man nicht aufpasst.
  • Kriechender Günsel: Den kennen Sie wahrscheinlich, ohne sich dessen bewusst zu sein. Kriechender Günsel bildet violette, kerzenförmige Blütenstände aus. Die hübschen, kleinen Pflanzen sind meist mitten im Gras zu finden und dort herrscht immer reges Treiben. Lassen Sie solche Flächen beim Rasenmähen stehen, bis sie verblüht sind.
  • Wilde Karde: Sie ist definitiv eine Erscheinung. Die wilde Karde entwickelt große, beeindruckende Blütenstände, die an Disteln erinnern. Samen gibt es in jedem Gartencenter bei den Wildpflanzen. Als zweijährige Pflanze dauert die Entwicklung bei ihr etwas, während der Blütezeit ab Juni sind die Insekten aber begeistert von ihr. Jedoch erreichen nur Insekten wie Schmetterlinge, Hummeln oder auch Schwebfliegen den etwas versteckten Nektar. So schaffen Sie guten Ausgleich zu typischen Bienenpflanzen.
  • Acker-Kratzdistel: Disteln gelten oft eher als Unkraut, sind aber auch bei Schmetterlingen als Nektarquelle beliebt. Wo es in der Nähe kein Waldstück mit wild wachsenden Disteln gibt, können Gartenfans sie auch in einer Ecke des Gartens anpflanzen.
  • Liguster: Als Hecke beliebt, punktet der Liguster mit seinen Blüten auch bei Insekten. Auch Schmetterlinge finden dort Nahrung.
  • Diverse Kräuter: Darunter Thymian, Salbei und Lavendel. Die Pflanzen würden bei uns zwar wild nicht wachsen, stellen aber ebenso eine tolle Nahrungsquelle dar.

Auch hier ist die Auswahl schier endlos. Viele Pflanzen wie Lauch und Schnittlauch würden blühen, wenn man sie lässt. Mädesüß, Schafgarbe, Blutweiderich, Nachtviole, Nachtkerze und viele weitere werden vom NABU empfohlen. Denken Sie auch an Nachtfalter, die beispielsweise an den hübschen, gelben Blüten der Nachtkerze Nahrung finden und somit wieder Fledermäuse anlocken.

Bestenfalls existiert im Garten schon eine etwas ungepflegte Wiese, die Sie einfach wachsen lassen. Mit zwei Schnitten (bestenfalls per Hand) pro Jahr, finden Insekten hier ausreichend Nahrung, die um zusätzlich gepflanzte Blumen und Sträucher ergänzt wird.

Es muss übrigens nicht immer ein Garten sein, auch in der Stadt hilft ein Blumenkasten mit Wildblumen weiter.

Insektenschutz im Garten: Nisthilfen

Wenn die Nahrungsquellen bereit stehen, dürfen auch Nisthilfen nicht fehlen. Viele Gärtner setzen dabei auf selbst gebaute oder gekaufte Nisthöhlen für Florfliege, Marienkäfer, Biene und Co. Wer Kinder hat, kann so mit diesen zusammen etwas Nützliches basteln. Gute Anleitungen gibt es bei Naturschützern, achten Sie auf glatte Kanten, sonst verletzen die Tiere ihre Flügel.

Eine andere Option im Naturgarten sind wilde Ecken mit Totholz- und Laubhaufen oder auch Benjeshecken. Auch Trockenmauern helfen vielen Tiere im Garten. Efeu als eine Pflanze, die spät und lange blüht, kann das Ganze sinnvoll ergänzen und die Hecke oder Mauer beranken.

Auch Brennnesseln sind wichtig für einige Schmetterlinge und deren Raupen und sollten daher stehen bleiben dürfen. Schaffen Sie natürliche Rückzugsorte für die Tiere oder kaufen Sie diese. In dunklen Ecken tummeln sich beispielsweise gerne Kellerasseln. Ein großer Vorteil eines naturnahmen Gartens: Die Tiere finden draußen Unterschlupf und belagern daher im Herbst seltener Ihre Wand und Fenster, wie das bei Marienkäfern und Wanzen gerne passiert.

Insektenschutz im Garten: Keine Chemie

Und nun zu den Vorteilen von Insektenschutz im Garten. Wer viele Insekten anlockt, hat damit auch gleich Nützlinge vor Ort, die sich über Schädlinge hermachen. Spinnmilben, Blattläuse und mehr haben natürliche Feinde. Bestenfalls braucht ein naturnaher Garten also keine Schädlingsbekämpfung mit Chemie. Und wenn doch: Nutzen Sie Hausmittel oder Pflanzenjauche, keinesfalls dürfen im insektenfreundlichen Garten bienengefährliche Mittel verwendet werden.

Chemische Keulen auszupacken, setzt allen Beteiligen ziemlich zu und sollte wirklich nur im Notfall eine Option sein. Denken Sie auch an Tiere wie Igel, die die Insekten später fressen und daran verenden könnten. Im Normalfall müssen also nicht wir uns vor Insekten schützen, sondern die Tierchen sinnvoll unterstützen, dann klappt auch das Zusammenleben.

Rubriklistenbild: © IMAGO / blickwinkel

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