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Grünspecht: Darum hat der Vogel eine außergewöhnlich lange Zunge

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Von: Anna Katharina Küsters

Grünspechte fallen auf, denn ihr Kopf ist rot gefärbt. Im Sommer sind sie im Garten oft gut zu beobachten. Besonders Ameisen stehen bei ihm hoch im Kurs.

Hilpoltstein – Einen Grünspecht zu entdecken ist gar nicht so einfach. Der bunt gefärbte Vogel ist zwar mit seinem roten Scheitel und seiner schwarzen Maske um die Augen recht auffällig, doch finden interessierte Gartenfreunde den Grünspecht meist schneller, wenn sie die Ohren spitzen. Denn der Vogel hat einen unverwechselbaren Gesang, den einige sogar mit dem Lachen eines Menschen verwechseln. Insektenschutz ist für den Grünspecht ebenfalls lebenswichtig, denn ohne Ameisen würde er schnell aussterben.

Grünspecht: So erkennen Sie den Vogel an seinem außergewöhnlichen Gesang

Der Grünspecht braucht nur ein paar dicke, alte Bäume, dann fühlt er sich direkt wie Zuhause. Der Vogel nistet am liebsten in Baumhöhlen, wo ein Grünspecht-Paar sein Nest baut und den Nachwuchs großzieht. Solche Bäume findet der Vogel beispielsweise in alten Parks, in lichten Wäldern, aber auch auf brachen Industrieflächen oder an Ortsausgängen und auf Streuobstwiesen. Laut dem Landesbund Vogelschutz Bayern (LBV) ist er vor allem in Europa verbreitet, wo sich 90 Prozent seines Bestandes nachweisen lassen.

Beim Höhlenbau ist eine weiche Rinde für den Grünspecht wichtig. Nur so kann der Vogel mit der Zeit immer tiefer in das Holz eindringen und ein Nest bauen. Deswegen ist es auch nicht ungewöhnlich, dass der Grünspecht mit dem Bau mehrerer Höhlen beginnt. So kann in der Zwischenzeit das angehackte Holz faulen und weicher werden, wodurch der Specht später einen leichteren Zugang hat. Am liebsten baut er seine Nester in folgenden Bäumen:

Die nicht fertig ausgebauten oder verlassenen Nester des Grünspechtes dienen später auch anderen Tieren als Unterschlupf. So ist der Gartenrotschwanz beispielsweise zu großen Teilen auf die Baukünste des Grünspechtes angewiesen. Die zunehmende Rodung von Wäldern und die Abschaffung von Obstbaumwiesen stellen den Grünspecht vor eine echte Herausforderung, denn sein Lebensraum schrumpft kontinuierlich.

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Grünspecht: Ein Paar für eine Saison

Das Nest bauen sowohl Männchen als auch Weibchen gemeinsam, es ist wie ein gemeinsames Projekt zu verstehen, das die Tiere aneinander schweißt. Von April bis Mai ist die offizielle Brutzeit der Grünspechte. Das Weibchen legt dabei fünf bis sechs weiße, kleine Eier ins Nest. Dabei tragen die Vögel vorher kein Nistmaterial in die Höhle, sodass die Eier nur auf einer dünnen Schicht Holzspäne liegen. Männchen und Weibchen wechseln sich beim Ausbrüten ab. Schon nach etwa 16 Tagen schlüpfen die Küken und können nach weiteren 23 bis 27 Tagen fliegen. Sobald sie aus dem Nest sind, unterstützen die Elterntiere ihre Jungen dabei, Nahrung zu finden und füttern zur Not sogar noch. Die kleinen Vögel schlafen dann meist an den Stamm eines Baumes geklammert in der Nähe des Nestes. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) geht die Brutzeit bis August, dann trennt sich das im Frühjahr zusammengefundene Pärchen wieder.

Grünspecht: Ohne Ameisen geht es nicht

Das Wunderbare an alten, weichen Baumstämmen sind die sich oft dort tummelnden Ameisenkolonien. Die macht der Grünspecht sich zunutze. Denn mit seiner ausgesprochen ungewöhnlichen Zunge, die er bis zu zehn Zentimeter nach draußen strecken kann, fängt er sie im Handumdrehen. Damit hat er von allen europäischen Spechten die längste Zunge. Krabbeln Ameisen nicht im Haus von Gartenfreunden herum, lieben sie eher dunkle, feuchte Ecken im Garten*. Besonders in den Morgenstunden und der Dämmerung ist er aktiv und fliegt dabei immer dieselben Orte an. Hat er einen guten Jagd-Ort gefunden, bohrt er mit seinem Schnabel beispielsweise in altes Holz hinein, schnellt dann seine Zunge hervor, an der dann im Ameisengang lebendige Ameisen und ihre Larven kleben bleiben. Am Tag stehen so etwa 2.000 Ameisen auf seinem Speiseplan.

Grünspecht: Schallendes Gelächter im Wald

Neben seinem bunten Federkleid bleibt auch sein lauter Ruf in Erinnerung. Viele, die ihn mal gehört haben, vergleichen ihn mit einem Lachen. Das kann mitunter im Wald für Irritationen sorgen. Er ist das ganze Jahr über zu hören und der Grünspecht singt in der Regel während des Flugs. Dabei hilft ihm sein Gesang, sein Revier abzustecken, zu verteidigen und Weibchen anzulocken. In der Balzzeit ist der Grünspecht deswegen kaum zu stoppen und macht immer nur kurze Pausen zwischen seinen Rufen. Andere Specht-Arten nutzen dafür ihr wohlbekanntes Trommeln, was der Grünspecht aber fast nie anwendet. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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