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Gehäuseschnecken nicht bekämpfen: Bei manchen Tieren drohen sonst hohe Strafen

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Von: Franziska Irrgeher

Nicht alle Schnecken sind so unbeliebt wie Nacktschnecken. Wer die falsche Schnecke bekämpft, muss zudem mit Bußgeldern rechnen.

Berlin – Schnecken im Garten haben oft einen schlechten Ruf, dabei wird gerne alles über einen Kamm geschoren. Doch man sollte grundsätzlich zwischen Nacktschnecken und Gehäuseschnecken unterscheiden. Selbst dann gibt es sogar bei den Nacktschnecken noch hilfreiche Vertreter. Doch bei Gehäuseschnecken wird es schnell teuer, wenn man die falsche tötet.

Gehäuseschnecken nicht bekämpfen: Deshalb drohen dann hohe Strafen

Schnecken sind auf den ersten Blick schleimig und fressen alles an Gemüseblättern, was nicht ausreichend geschützt wurde. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn es gibt einerseits nützliche Nacktschnecken und andererseits geschützte Gehäuseschnecken. Tötet oder verletzt man geschützte Tiere, wird es unter Umständen teuer.

Zu sehen ist eine Weinbergschnecke, die nach rechts über Moos mit Totholz darunter kriecht (Symbolbild).
Die Weinbergschnecke ist geschützt (Symbolbild). © Farina Graßmann/Imago

Gehäuseschnecken nicht bekämpfen: Nacktschnecken und Schnecken mit Haus

Insgesamt lassen sich Schnecken in solche mit Haus und in Nacktschnecken einteilen. Es gibt unglaublich viele Schneckenarten, sie alle gehören zu den Weichtieren, allein an Land sollen rund 25.000 verschiedene Arten leben, wobei die Zahlen nur geschätzt sind. Schnecken, die dauerhaft an Land leben, heißen auch Landlungenschnecken, zu ihnen gehören also auch die typischen Vertreter aus Park oder Gemüsegarten.

Begegnet man einer Schnecke und ist kein Experte, wird die Bestimmung schwer. Gehäuseschnecken sind noch etwas leichter zu unterscheiden als Nacktschnecken. Bei den Nacktschnecken ist beispielsweise die Spanische Wegschnecke recht bekannt. Ebenfalls eine Nacktschnecke, aber gerne als Nützling angesehen ist dagegen der Tigerschnegel. Bei richtigen Bedingungen ist der gar nicht so selten, wie es den Anschein hat, ihn zu entdecken, ist aber Glückssache.

Übrigens herrscht oft der Irrglaube vor, dass nur Tigerschnegel andre Schnecken fressen. Tatsächlich sind Nacktschnecken allgemein Kannibalen. Eine falsch verwendete Bierfalle kann also auch durch die toten Tiere noch viel mehr Schnecken anlocken. Interessanter wird es aber bei den Gehäuseschnecken, denn die sind teils geschützt und dürfen dann nicht geschädigt werden.

Gehäuseschnecken nicht bekämpfen: Diese Exemplare sind geschützt

Tigerschnegel sind zwar seltener anzutreffen, aber nicht gefährdet, ebenso viele andere Nacktschnecken. Eine vom Aussterben bedrohte Nacktschnecke wäre aber beispielsweise der sehr seltene Bierschnegel. Anders sieht es da mit einigen Gehäuseschnecken aus und das stellt Gartenfans vor ein Problem. Denn wer beispielsweise mit Schneckenkorn arbeitet, – das wir aufgrund der Giftigkeit für andere Tiere oder Kinder ohnehin nicht empfehlen – gefährdet womöglich auch geschützte Tiere.

Gefährdete Gehäuseschnecken sind beispielsweise:

Das sind nur zwei Beispiele, die aber zeigen, dass es in der Schneckenbekämpfung schwierig werden kann. Vor allem die Weinbergschnecke hat zusätzlich das Problem, dass sie als Delikatesse gilt. Dafür gibt es jedoch spezielle Zuchten. Im Garten frisst die Weinbergschnecke sogar die Eier von Nacktschnecken und ist damit ein hilfreicher Nützling. Alle geschützten Tiere dürfen weder aus der Natur entnommen noch verletzt oder getötet werden. Laut dem Bußgeldkatalog kann je nach Bundesland ansonsten ein Bußgeld von bis zu 65.000 Euro drohen. Sämtliche Schnecken und ihren Schutzstatus finden Sie in der Roten Liste, teils kann sich der Schutzstatus sogar je nach Bundesland unterscheiden.

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Gehäuseschnecken nicht bekämpfen: Schnecken abhalten, ohne ihnen zu schaden

Schneckenkorn sollte also tabu sein. Besser wären Schneckenzäune, schneckenresistente Pflanzen oder andere Methoden zur Schneckenabwehr, die die Tiere abhalten, aber nicht töten. Natürlich können Sie bei Nacktschnecken gezielt die Eier sammeln oder sich Tiere wie Laufenten anschaffen. Auch Gartenbesucher wie Erdkröten halten Nacktschnecken fern. Gehäuseschnecken fallen als Schädlinge laut NABU zudem kaum ins Gewicht.

Wer dagegen eine der gefährdeten Schnecken in freier Wildbahn oder gar im Garten sieht, sollte sich freuen. Sogar der seltene Bierschnegel sorgte im Jahr 2016 für Schlagzeilen, obwohl er eine Nacktschnecke ist. Das Tier ist inzwischen so selten, dass Sichtungen des Bierschnegels beispielsweise dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gemeldet werden können*. Gartenfans sollten daher die Augen offen halten und sich nicht immer nur über den Tigerschnegel freuen. Übrigens sind beispielsweise auch Maulwürfe geschützt, ebenso einige der giftigsten Gartentiere. *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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