Harmlose Fledertiere

Fledermaus im Portrait: Diese Arten gibt es und so leben die Flattertiere

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Fledermäuse werden oft mit Dracula oder Gruselgeschichten in Verbindung gebracht. Dabei sind die Tiere eigentlich harmlos, stehen unter Schutz und haben viele interessante Eigenschaften.

Hamburg – Fledermäuse als Blutsauger? Ja, aber nicht bei uns in Deutschland. Und selbst die berüchtigten Vampirfledermäuse saugen zwar auch an anderen Säugetieren, jedoch nur winzige Mengen Blut. Die in Deutschland heimischen Arten dagegen sind vorwiegend sehr klein, nicht vor der Dämmerung anzutreffen und überaus schützenswert.

Fledermaus im Portrait: Diese Arten gibt es und so leben sie

Die gute Nachricht vorab: In Deutschland gibt es keine Vampirfledermäuse. Heimisch sind hier insgesamt 25 Arten, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und das sind folgende:

  • Alpenfledermaus
  • Bechsteinfledermaus
  • Braunes Langohr
  • Breitflügelfledermaus
  • Fransenfledermaus
  • Graues Langohr
  • Große Bartfledermaus
  • Große Hufeisennase
  • Großer Abendsegler
  • Großes Mausohr
  • Kleine Bartfledermaus
  • Kleine Hufeisennase
  • Kleiner Abendsegler
  • Mopsfledermaus
  • Langflügelfledermaus
  • Mückenfledermaus
  • Nordfledermaus
  • Nymphenfledermaus
  • Rauhautfledermaus
  • Teichfledermaus
  • Wasserfledermaus
  • Weißrandfledermaus
  • Wimperfledermaus
  • Zweifarbfledermaus
  • Zwergfledermaus

Die Bechsteinfledermaus ist die häufigste. 25 Fledermausarten mag erst mal nach viel klingen, jedoch stehen laut der Deutschen Wildtier Stiftung alle Arten auf der Roten Liste, darüber berichtet auch Merkur.de*. Teils sind sie sogar vom Aussterben bedroht.

Fledermaus im Portrait: Fakten über die Fledertiere

Bevor wir uns dem Fledermaus-Schutz widmen, ein paar Fakten zu den Winzlingen. Denn Fledermäuse können vieles, was kein anderes Tier kann. Wer sich mit den Tieren näher befasst, findet sie vielleicht auch bald faszinierend, anstatt angsteinflößend.

Fledermaus im Portrait: Echolot zur Orientierung

Fledermäuse benutzen zur Orientierung Echolot, ebenso bei der Jagd. Die Tiere stoßen laut Wildtier Stiftung dabei Ultraschallwellen aus, die dann von Objekten zurückgeworfen werden. Auch ihr Flug ist überaus komplex und hat mit dem der Vögel nur auf den ersten Blick viel gemeinsam. Da Fledermäuse nicht nur auf uns große Faszination ausüben, gab es früher auch Tierversuche dazu.

Besonders grausam, aber auch aufschlussreich, muten die Versuche von Lazzaro Spallazani (1729 - 1799) an. Es wurde ein sechster Sinn vermutet, schließlich fanden die Tiere sich auf scheinbar mysteriöse Weise im Dunkeln zurecht. Spallanzani blendete daher die Tiere und beobachtete anschließend, ob sie sich dennoch zurecht fanden. Aufschluss über den wahren Grund hinter der Orientierung in der Nacht brachte erst Hamilton Hartridge über hundert Jahre später.

Heute können wir die Geräusche von Fledermäusen sogar hörbar machen, wie bei der alljährlichen Fledermausnacht demonstriert wird. Wobei ihre normalen Laute auch mit bloßem Gehör wahrnehmbar sind, die Tiere klingen ein Bisschen wie Mäuse und sind besonders vor dem Abflug abends sehr redselig. Zur Nahrung der (in Deutschland vorkommenden) Fledermäuse gehören ausschließlich Insekten, darunter auch Mücken. Feinde sind Eulen, andere Greifvögel, Marder aber auch Katzen, so die Wildtier Stiftung.

Fledermaus im Portrait: Körperbau und Lebensraum

In Deutschland vorkommende Fledermäuse sind vorwiegend ziemlich klein, fünf Zentimeter sind es im Schnitt maximal, während Fledermäuse anderer Länder deutlich größer werden und teils auch Blut saugen. Fledermäuse haben vor allem spitze Eckzähne, mit denen sie den Panzer von Beutetieren aufbrechen. Eigentlich fliegen die Tiere mit ihren Händen und sind außerdem die einzigen fliegenden Säugetiere. Während der Ruhephase tagsüber hängen sie kopfüber, so können sie sich bei Gefahr fallen lassen und sofort losfliegen. Wie die Wildtier Stiftung anmerkt, weisen Fledermaus-Füße nach hinten, das erleichtere das Hängen an Wänden und anderen Untergründen. So bleiben Fledermäuse auch im Winterschlaf und sogar nach dem Tod einfach hängen.

Noch ein tolles Merkmal der Tiere sind ihre überaus sensiblen Ohren und die Echoortung. Über Maul und Nase werden dabei Hochfrequenztöne ausgestoßen, die auf Hindernisse oder Beutetiere treffen und zurück ins Ohr der Tiere gelangen. Auf Beutesuche sind es laut Wildtier Stiftung zwischen fünf und 20 solcher Rufe in der Sekunde. Dafür sehen Fledermäuse aber schlechter.

Im Winter zieht es die Fledertiere in andere Quartiere als im Sommer. Während der Sommermonate schlafen sie in Höhlen oder Spalten, aber auch mal in Siedlungen am Haus, etwa hinter Fensterläden oder unter Dachziegeln und in Dachböden. Je nach Art leben Fledermäuse übrigens alleine oder in Gruppen.

Fledermaus im Portrait: So helfen Sie den Tieren

Vorab: Fledermäuse hinter Fensterläden oder anderswo am Haus sind friedliche Zeitgenossen. Außer es sind Jungtiere dabei. Aus eigener Erfahrung raten wir von der nahen Beobachtung von Fledermäusen am Haus ab, die Tiere beschweren sich, wenn man zu nahe kommt. Der Flug am Abend lässt sich auch aus der Entfernung beobachten. Recht niedlich ist übrigens die abendliche Körperpflege und das Strecken vor dem Flug anzusehen.

Wenn Sie Fledermäuse in der Nähe haben oder vermuten, können Sie die Tiere folgendermaßen unterstützen:

  • Fledermausquartiere keinesfalls zerstören: Das gilt auch für die Nacht, wenn die Tiere ausgeflogen sind. Fledermäuse dürfen nicht einfach vertrieben werden. Der NABU Brandenburg gibt an, dass bekannte Quartiere nur nach Rücksprache mit dem Landesumweltamt saniert, umgebaut oder renoviert werden dürfen. Da Fledermäuse standorttreu sind, wäre ein Wegfall des Quartiers fatal.
  • Fledermäuse in der Wohnung nicht verscheuchen: Wenn sich vor allem Jungtiere mal in die Wohnung verirren, sollten Sie einfach die Fenster offen lassen. Bitte nicht verscheuchen oder einfangen. Wie der NABU Brandenburg berichtet, finden die Tiere dann bei hereinbrechender Dunkelheit von selbst raus. Sollten Katzen oder Frettchen im Haus sein, fragen Sie lieber bei Naturschützern nach, bevor das Flattertier vom Haustier erlegt wird.
  • Kranke und tote Fledermäuse: Der NABU rät, kranke Tiere in eine Tierklinik zu bringen. Tote Fledermäuse sollten Sie melden. Unbedingt ist das Tragen von (dickeren) Handschuhen nötig, denn auch wenn Tollwut allgemein bei uns als ausgerottet gilt, gibt es nach wie vor die Fledermaustollwut.
  • Jungtiere schützen: Wer junge Fledermäuse findet, sollte diese laut NABU Brandenburg vor Feinden schützen und warm halten, Wasser ist in Ordnung, keinesfalls darf Milch gefüttert werden. Setzen Sie das Jungtier bestenfalls wieder ans Quartier. Eine flache Plastikschüssel könne ansonsten als Behältnis dienen, kurz vor Sonnenuntergang stellen Sie das Jungtier samt Schüssel raus, die Mutter findet es dann bestenfalls. Falls nicht, kontaktieren Sie die nächste Tierschutzorganisation oder das Landesumweltamt.
  • Fledermauskästen aufhängen: Im Handel gibt es zahlreiche verschiedene Modelle aus Holz oder Holzbeton. Die sind meist gut an die Bedürfnisse der Tiere angepasst. Es kann aber Monate oder Jahre dauern, ehe ein Haus entdeckt und akzeptiert wird.
  • Pflanzenschutzmittel vermeiden: Das gilt auch für Holzschutzmittel und andere chemische Stoffe im Garten. Die Fledermäuse nehmen diese Mittel mit den Insekten oder direkt in den Schlafplätzen auf und können Schaden nehmen.
  • Insekten im Garten fördern: Insektenschutz im Garten bedeutet auch oft Fledermausschutz. Fördern Sie nicht nur Nützlinge, Fledermäuse fressen vor allem auch Nachtfalter. Nachtkerze und andere Pflanzen locken diese an. Auch Gartenteiche mit Mücken können überaus hilfreich sein.
  • Gartenbeleuchtung nachts vermeiden: Auch Fledermäuse meiden teils Bereiche mit starker Lichtverschmutzung. Während einige Tiere mit Licht kein Problem haben, deuten aktuellere Studien aber darauf hin, dass diese Fledermäuse dann gezielt Jagd auf vom Licht angelockte Insekten machen und den Bestand so stark dezimieren.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Fledermäuse durch Patenschaften und Spenden zu unterstützen. Wir möchten ausdrücklich noch einmal darauf hinweisen, dass von Fledermäusen keine Gefahr ausgeht, solange Sie die Tiere nicht ohne Handschuhe anfassen oder aufscheuchten. Selbst dann wäre die Übertragung von Tollwut unwahrscheinlich. Auch Covid-19  übertragen einheimische Fledermäuse nach Erkenntnissen aus dem Jahr 2020 nicht. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / blickwinkel

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