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Cochenilleschildlaus: So wird aus den Läusen der Farbstoff Karminrot (E 120)

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Von: Franziska Irrgeher

Zu sehen sind Cochenilleschildläuse an einem Kaktus (Symbolbild).
Die Cochenilleschildlaus ist die grundlage für Karmin (Symbolbild). © imageBROKER/Harry Laub/Imago

Haben Sie schon mal von der Cochenilleschildlaus gehört? Das Tier ist die Grundlage für den Farbstoff Karminrot. Wie das funktioniert und welche Alternativen es gibt.

Parma – Man muss kein Veganer sein, um auf bestimmte tierische Produkte verzichten zu wollen. Dazu gehören beispielsweise tierische Bestandteile in Farbstoffen wie Karminrot, denn die zugrundeliegende Cochenilleschildlaus kennen nur wenige. Die Vorstellung, sich mit Läusen zu schminken mag eklig klingen, die Idee ist aber keineswegs neu. Doch inzwischen gibt es genügend vegane Alternativen.

Cochenilleschildlaus: So wird aus den Läusen der Farbstoff Karminrot (E 120)

Karminrot, auch als Farbstoff E 120 bekannt, ist ein beinahe purpurfarbener, satter Rotton. Weitere Namen dafür sind Karmesin und Koschenille beziehungsweise Cochenille. Je nach Dosierung kann er rot oder rötlich färben. Verwendet wird für den Farbstoff ein Tier, die Cochenilleschildlaus, auch Cochenille oder Cochenillelaus, sie kommt ursprünglich aus Süd- und Zentralamerika und lebt dort vorwiegend auf Kakteen. Verwendet werden für den Farbstoff nur weibliche Tiere und das ist ganz und gar keine neue Idee.

Cochenilleschildlaus: Karmin im Laufe der Geschichte

Schon lange haben Menschen ihre Textilien oder gar Haare gefärbt. Dazu eignen sich beispielsweise verschiedenste Pflanzen, mit denen auch heute noch Kleidung gefärbt werden kann. Manche Farbstoffe wie Karmin haben einen tierischen Ursprung und färben oft intensiver als Pflanzen. Die Weibchen der Cochenilleschildlaus beinhalten beispielsweise Karminsäure. Werden sie zerquetscht, dann sind sie leuchtend rot. Damit eignen sie sich gut zur Gewinnung des als Karmin bekannten Farbstoffes. Die Weibchen sind im Nymphenstadium noch mobil, später dann sessil, also können sich nicht mehr fortbewegen. Gefressen werden die Schildläuse beispielsweise von Marienkäfern und diversen anderen Tieren. Die Männchen dagegen sind flugfähig und können sich bewegen.

Beschrieben wurden die Tiere Ende des 18. Jahrhunderts erstmals, allerdings hat man sie schon weit vorher genutzt. Mit Seefahrern kam der Farbstoff dann nach Europa. Schildläuse, die sich für Farbstoffe eignen, gab es in Europa zuvor auch, doch die Cochenilleschildlaus liefert mehr Farbstoff.

Der Vorteil von Karmin: Es ist lichtbeständig und hitzebeständig, stabil gegenüber Fruchtsäuren und recht ergiebig. Benötigt werden für die Farbe die getrockneten, befruchteten Weibchen und davon eine ganze Menge: Für ein Kilogramm Karmin sind rund 100.000 Schildläuse nötig, für 50 Gramm Karmin braucht man rund ein Kilo Läuse. Der Prozess ist aber aufwendig.

Cochenilleschildlaus: Heutige Verwendung und Alternativen

Nun ist diese Menge an Läusen zwar durchaus durch Zucht zu beschaffen, aber sichtlich nicht besonders effizient. Daher gibt es inzwischen viele günstigere synthetische Alternativen wie E 124, echtes Karmin kommt deutlich seltener vor, kann aber grundsätzlich in roten Produkten enthalten sein.

Karmin findet sich beispielsweise gelegentlich in oder an:

Ein Blick auf die Zutatenliste ist also immer ratsam, vor allem aber für Veganer wichtig. Allerdings ist Karmin recht teuer und wird daher oft ersetzt. An sich ist Karmin nicht gefährlich, kann aber allergische Reaktionen auslösen. Die European Food Safety Authority empfiehlt derzeit eine maximale tägliche Aufnahme von fünf Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Karmin kann beispielsweise Hautausschläge auslösen*. Auch zu Asthma kann es beim Einatmen kommen.

Es gibt neben echtem Karmin aus der Cochenilleschildlaus auch unechtes Karmin, das aber keineswegs vegan ist, sondern auch aus anderen Läusen bestehen kann. Cochenillerot A oder E 124 dagegen ist der synthetisch hergestellte Farbstoff und damit vegan. Dennoch gibt es auch an diesem Farbstoff Kritik.

Die beste Alternative ist es daher oft, Lebensmittel wie Marmeladen selbst zu machen und eigenes Obst und Gemüse zu verwenden. So wissen Sie, was drin ist. Besonders langfristig lohnt sich dafür eine Permakultur. *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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