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Tierspuren im Schnee: So erkennen Sie, welches Tier bei Ihnen im Garten war

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Von: Anna Katharina Küsters

Zu sehen ist die Spur eines Birkhuhns im Schnee. Sie zeichnet sich durch den Abdruck von vier Zehen aus.
Im Winter hinterlassen viele Tiere eine interessante Spur im Schnee (Symbolbild). © imago images / blickwinkel

Tierspuren verraten viel über ihre Verursacher. Nicht nur die Tierart, sondern auch ihr Geschlecht und ihr Gemütszustand. Mit etwas Übung erkennen Sie schnell, welches Tier sie im Garten besucht hat.

Freising – Besonders zur Winterzeit macht es große Freude, sich den Spuren der Tiere genauer zu widmen. Denn im Schnee erkennen sie Gartenfreunde viel besser und so manch ein Experte kann mit geschultem Auge sogar noch viel mehr aus den Spuren herauslesen. Denn je nach Art der Spur erzählt diese eine ganz eigene Geschichte.

Tierspuren im Schnee: Welche Fußabdrücke zu welchem Tier gehören

Im Winter erscheint uns unser Garten oder gar der Wald oft ausgestorben. Doch wer sich etwas Zeit und Muße nimmt und etwa entsprechende Futterstellen aufstellt, kann im Handumdrehen Eichhörnchen, Blaumeisen und andere Vogelarten beobachten. Denn auch im Winter sind noch jede Menge Tiere aktiv. Sie hinterlassen auch in ihrer etwas zurückgezogenen Lebensweise viele Spuren, aus denen Gartenfreunde viel über sie lernen können. So ist der Begriff Tierspuren zum Beispiel eine Sammelbezeichnung nicht nur der Fußspuren der Tiere, sondern auch ihrer Fraßspuren und Exkremente*.

Dieser Text konzentriert sich auf die Fußspuren der Tiere, denn diese sind im Winter meist am präsentesten. Der Fachbegriff für die Fußspuren der Tiere lautet Trittsiegel. Die Trittsiegel von beispielsweise Rehen, Hirschen und Wildschweinen nennen sich Fährte, bei anderen Tieren wie Eichhörnchen, Marder, Fuchs oder Dachs hingegen tragen die Trittsiegel den Namen Spur. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft unterscheiden Experten bei der Art und Weise, wie sich Tiere fortbewegen zwischen:

Zudem ist noch das Federwild zu bedenken. Denn ein Laufvogel wie der Fasan, die im Winter gerne über unsere Felder laufen, zeigt ein anderes Trittbild als ein Schwimmvogel wie die Ente.

Tierspuren im Schnee: Das verstehen Experten unter Sohlengängern

Betrachten wir zunächst die typischen Sohlengänger im Winter. Der Begriff Sohlengänger beschreibt die Art und Weise der Tiere, sich fortzubewegen sehr genau. Beim Auftreten rollen sie den kompletten Fuß ab. Typische Sohlengänger, deren Spur Gartenfreunde im Winter entdecken können, sind beispielsweise:

Auch wenn der Dachs Winterruhe hält, kriecht er doch teils aus seinem Bau und hinterlässt die eine oder andere Spur im Schnee. Merkmale seines Pfotenabdrucks des Dachses sind ein Hauptballen, fünf Zehenballen und fünf Krallen. Der Abdruck fächert sich also nach oben hin etwas auf. In der Regel ist er zwischen fünf und sieben Zentimeter lang und bis zu fünf Zentimeter breit.

Zu sehen ist eine Dachsspur im Schnee. Sie zeichnet sich durch einen Hauptballen, fünf Zehenballen und fünf Krallenabdrücke aus.
Der Dachs gehört zu den Sohlengängern (Symbolbild). © imago images / blickwinkel

Das Eichhörnchen hat wesentlich längere Hinterbeine als Vorderbeine. Um sich fortzubewegen, setzt es bei jedem Sprung seine längeren Hinterbeine paarweise vor die kürzeren Vorderläufe. Davon ist auch das Trittsiegel bestimmt. Bei einer Eichhörnchenspur sind zwei längliche Ballen mit fünf Krallenabdrücken vor zwei kleineren, ebenfalls länglichen Ballenabdrücken mit fünf Krallenabdrücken zu sehen. Wer seinen Rasen schont und nicht mehr darüber läuft, kann bei Schnee sicherlich schnell solche Abdrücke im eigenen Garten entdecken.

Zu sehen ist die Spur eines Eichhörnchens im Schnee. Sie zeichnet sich durch zwei größere und zwei kleinere Tritte aus.
Eichhörnchen setzen bei der Fortbewegung ihre Hinterläufer vor ihre Vorderläufer (Symbolbild). © imago images / blickwinkel

Ein Feldhase hat zwei Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Entweder hoppelnd oder flüchtend. Beim Hoppeln setzt er ebenfalls wie das Eichhörnchen seine längeren Hinterbeine vor die kürzeren Vorderbeine. Die Hinterbeine setzt er dabei nebeneinander auf, die Vorderbeine hintereinander und leicht versetzt. Ist er auf der Flucht, sind die einzelnen Spuren immer weiter auseinander. Der Feldhase hat zwar Krallen, diese drücken sich beim Laufen jedoch nicht ab. Alle vier Abdrücke bestehen jeweils aus einem Hauptballen, der nach hinten hin schmaler zuläuft.

Zu sehen ist die charakteristische Spur im Schnee eines Feldhasens. Dabei sind vorne zwei Pfotenabdrücke nebeneinander zu sehen, hinten zwei versetzte und kleinere Abdrücke.
Die Spur eines gemütlich hoppelnden Feldhasens (Symbolbild). © imago images / Harald Lange

Tierspuren im Schnee: Diese Tiere zählen zu den Zehengängern

Unter Zehengänger fallen die Tiere, die bei der Fortbewegung nur mit den Zehen den Boden berühren. Auch von ihnen gibt es im Winter oft Spuren zu finden, denn zu den Zehengängern gehören beispielsweise auch unsere Hauskatzen und Hunde. Daneben sind aber auch Füchse, Fasane, Mäuse und Amseln.

Die Amsel gehört wohl zu den bekanntesten Vögeln in unseren Breitengraden. Ob im Sommer oder im Winter, in unseren Gärten ist sie ein ständiger Besucher. Im Winter lässt sich ihre Anwesenheit oftmals auch auf dem Rasen nachweisen. Denn die Spuren des Vogels sind meistens gut zu erkennen. Sie hat vier schmale Zehen, wobei der vierte Zeh nach hinten ausgerichtet ist. Bei der Fortbewegung hüpft sie entweder auf beiden Beinen gleichzeitig nach vorne oder setzt abwechselnd einen Fuß vor den anderen. Bei einer gut erhaltenen Spur lässt sich beispielsweise auch erkennen, ob der Vogel gerade gelandet ist oder sich auf einen Flug vorbereitet hat. Beim Anlauf nehmen zum Abheben in die Lüfte lassen sich dann rechts und links der Trittsiegel noch Flügelspuren im Schnee erkennen.

Zu sehen sind zwei Trittsiegel von Amseln im Schnee.
Zwei Amsel-Spuren im Schnee (Symbolbild). © imago images / blickwinkel

Die Spuren einer Hauskatze im Schnee sind leicht zu erkennen. Sie hat einen Hauptballen und vier Zehenballen an jeder Pfote. Es gibt keine Krallenabdrücke zu entdecken. Obwohl die Hauskatze an den Vorderpfoten sogar fünf Zehenballen hat, berührt der fünfte beim Laufen nicht den Boden. Der Pfotenabdruck ist etwa drei Zentimeter lang und die Tritte zeigen sich regelmäßig versetzt im Schnee.

Zu sehen ist die Spur einer Hauskatze im Schnee.
Der fünfte Zehenballen bei den beiden vorderen Pfoten der Katze hinterlässt keinen Abdruck beim Laufen (Symbolbild). © imago images / Photocase

Die leckere Beute der Hauskatze ist auch im Winter aktiv. Mäuse hinterlassen in unseren Gärten oder Parks gerne sehr kleine Trittsiegel. An den Vorderfüßen haben sie vier Zehen, an den Hinterfüßen fünf. Die vorderen Füße sind etwa zehn Millimeter lang, die hinteren rund 20 Millimeter. Die einzelnen Zehen zu erkennen, ist also gar nicht so einfach. Liegt sehr tiefer Schnee, bewegen sich Mäuse hüpfend fort. Dabei sind ihre Trittsiegel nebeneinander angeordnet. Ist der Schnee nicht ganz so tief, sind die einzelnen Trittsiegel versetzt zu sehen.

Zu sehen sind Trittsiegel von einer Maus im Schnee.
Ist der Schnee zu tief, bewegen sich Mäuse hüpfend in ihm fort (Symbolbild). © imago images / imagebroker

Beim Rotfuchs hingegen sind die Krallenabdrücke an jeder Pfote deutlich zu erkennen. Sein Fußabdruck zeichnet sich durch einen Hauptballen, vier Zehenballen und vier Krallenabdrücke aus. Sie bewegen sich so fort, dass ihre Fußabdrücke alle hintereinander in einer geraden Linie sichtbar sind. Mit einer Länge von etwa fünf Zentimetern und einer Breite von maximal viereinhalb Zentimetern pro Pfote lässt sich das Trittsiegel des Zehengängers im Winter häufiger finden. Vor allem wenn sich die Tiere bei Kälte und Hunger in die verschneiten Städte hinein wagen.

Zu sehen ist die Spur eines Rotfuchses im Schnee.
Der Rotfuchs hinterlässt eine gerade Lauflinie (Symbolbild). © imago images / blickwinkel

Ein beliebtes Tier zum Beobachten ist im Winter auch der Fasan. Er gehört ebenfalls zu den Zehengängern und sein Trittsiegel zeichnet sich durch den Abdruck von vier schmalen Zehen aus. Der Jagdfasan kann eine Fußgröße von bis zu siebeneinhalb Zentimetern erreichen. Seine Spur ist schnurgerade. Je nach Qualität lässt sich auch ein Unterschied zwischen männlichem und weiblichen Fasan erkennen, denn die Spur des männlichen Fasans weist teilweise noch Schleifspuren des sogenannten langen Stoßes zu erkennen. Der lange Stoß ist das hintere Steuergefieder bei Vögeln.

Zu sehen ist die Spur eines Fasans im Schnee.
Das Trittsiegel des Fasans zeichnet sich durch den Abdruck der vier Zehen aus (Symbolbild). © imago images / alimdi

Tierspuren im Schnee: So machen Gartenfreunde Zehenspitzengänger ausfindig

Zu den Zehenspitzengängern gehören all jene Tiere, die beim Laufen lediglich mit den Zehenspitzen den Boden berühren. Damit das möglich ist und die Tiere nicht ihr Gleichgewicht verlieren, hat sich bei vielen Tieren eine dicke Hornschicht um die Zehen gebildet. Im Winter lassen sich beispielsweise gut die Fährten von Rehen und Wildschweinen ausmachen.

An der Fährte im Schnee erkennen Tierfreunde besonders bei Reh sehr gut, weswegen die Tiere zu den Paarhufern zählen. Der Abdruck zeichnet sich durch zwei längliche Abdrücke aus, die sich vorne zueinander neigen und schmal zulaufen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich beim Reh die dritte und vierte Zehe zu diesen zwei verhornten Klauen umgebildet und die erste und vierte Zehe sind rückwärts angeordnet. Dies nennen Experten die Afterzehe. Im Schnee erkennen Gartenfreunde diese nur, wenn das Reh auf der Flucht war. Denn lediglich dann drücken sie auch die Afterzehe auf beim Laufen.

Zu sehen ist das Trittsiegel eines Rehs, das sich durch zwei zueinander geneigte Klauenabdrücke auszeichnet.
Das Trittsiegel eines Rehs (Symbolbild). © imago images / blickwinkel

Der Abdruck eines Wildschweinhufes ist etwas doppelt so groß wie der des Rehs. Ist es ausgewachsen, erreicht der Abdruck eine Länge von etwa zwölf Zentimetern. Charakteristisch für das Trittsiegel des Wildschweins ist die klar erkennbare Afterklaue bei jedem Abdruck. Afterklaue nennen sich Zehen, die oberhalb des Fußes sind. Sie befinden sich Ende des Trittsiegels. Läuft ein Wildschwein im gemächlichen Tempo durch die Landschaft, ist das Trittsiegel regelmäßig: Jeweils ein leicht nach außen gesetzter Abdruck der einen Seite folgt dem der anderen Seite. Ist das Wildschwein hingegen auf der Flucht, setzt es die Füße nicht mehr schräg auf, sondern gerade. Das Trittsiegel hat dann vorne zwei leicht versetzte Abdrücke des linken und des rechten Vorderbeins und hinten zwei Abdrücke auf einer Seite.

Zu sehen ist eine Wildschweinfährte im Schnee.
Eine Wildschweinfährte im Schnee (Symbolbild). © imago images / Manfred Ruckszio

Dieser kurze Überblick über einige der bekanntesten Spuren im Schnee zeigt, dass das Trittsiegel nicht nur Informationen über das jeweilige Tier gibt, sondern auch zeigt, ob dieses gerade auf der Flucht war, welches Geschlecht es hat und auch ob es noch ein Jungtier oder bereits ein ausgewachsenes Exemplar war. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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