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Spiegelfechter: Deswegen bekämpfen Vögel ihr Spiegelbild im Frühjahr

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Anna Katharina Küsters

Ein Schwarzkehlchen hämmert mit seinem Schnabel gegen eine Fensterscheibe (Symbolbild).
Im Frühjahr kämpfen männliche Vögel oft gegen ihr eigenes Spiegelbild (Symbolbild). © IMAGO / blickwinkel

Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Frühjahr männliche Vögel auf Fensterbänken sitzen und mit viel Kraft auf die Fensterscheibe einhacken. Denn sie haben einen Grund, ihr Spiegelbild zu bekämpfen.

Hilpoltstein – Im Frühjahr lassen sich viele Vögel sehr gut beim Nestbau beobachten. Sobald die Temperaturen nach oben wandern, sammeln Elstern, Amseln und Meisen fleißig kleine Äste und Moos und fliegen diese zu ihrem auserkorenen Brutplatz. Ab und an zeigt sich dann in dieser Jahreszeit das sogenannte Spiegelfechter-Phänomen. Männliche Vögel setzen sich auf eine Fensterbank und hacken mit dem Schnabel gegen die Scheibe. Und das über Wochen. Das hat einen einfachen Grund.

Spiegelfechter: Darum greift der Vogel sein eigenes Spiegelbild an

Meist schon ab Ende Februar begeben sich die meisten Vögel auf Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Je nach Vogelart kann der in unterschiedlicher Höhe sein und auch unterschiedlich aussehen. Am Boden brüten beispielsweise:

Wohingegen Elstern, Amseln und Blaumeisen weiter oben brüten. Haben die Tiere einen geeigneten Platz gefunden, beginnt der große Nestbau.

Wer die Tiere dabei etwas unterstützen möchte, kann auch geeignete Nistkästen aufhängen. Auch die gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, sodass Gartenfreunde für jede Vogelart die passende Behausung finden. Ob Gärtnerinnen und Gärtner die Tiere dann auch das ganze Jahr über mit Vogelfutter versorgen müssen, ist bis jetzt umstritten. Im Winter lohnt es sich jedoch allemal. Wenn dann noch die richtigen Vogelschutzgehölze im Garten wachsen, steht einem regen Treiben im Frühjahr, Sommer und Herbst und sogar im Winter nichts mehr im Weg.

Bei so intensiver Vogelpflege ist es wahrscheinlich, dass viele Vogelarten ihren Weg in den Garten finden. Doch statt friedlich ihre Nester zu bauen, kann es im Frühjahr teils zu einem merkwürdig anmutenden Phänomen kommen: dem sogenannten Spiegelfechten.

Spiegelfechter: Das ist der Grund für die Aggressivität der Vögel

Es kling fast, als klopfe jemand an der Fensterscheibe und wolle reingelassen werden. Nicht selten mehrfach am Tag und mit ordentlicher Wucht. Gartenfreunde, die dann zum Fenster eilen, erschrecken sich meistens. Denn kein Gast will herein. Der Grund des Klopfens ist ein Vogel, der auf der Fensterbank sitzt und mit ordentlich Kraft mit seinem Schnabel gegen die Scheibe hämmert. Laut dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) nennt sich dieses Phänomen Spiegelfechter.

Dabei landen männliche Vögel auf der Fensterbank und erkennen in ihrem Spiegelbild einen Feind und Ruhestörer. Da sie ihren Brutplatz und ihre potenziellen Küken schützen wollen, greifen sie das Spiegelbild an. Sie fühlen sich von dem Rivalen bedroht und wollen ihn möglichst schnell los werden. Dass das Spiegelbild leider nicht verschwindet, verstehen die Vögel nicht. Und so suchen sie den Platz immer wieder auf und versuchen, den Feind los zu werden. Grundsätzlich schadet das den Vögeln nicht, jedoch kann es bei größeren Vögeln wie Elstern oder Raben nicht nur etwas beängstigend wirken und an Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ erinnern, auch zerstören die Tiere dabei teilweise die Dichtungen an Fensterrahmen und zerkratzen das Glas.

Es hilft laut dem LBV Fliegengitter, Dekorationen oder Stoffbänder an das Fenster zu hängen. Nicht empfehlenswert seien hingegen Greifvogelsilhouetten. Die zerstören nicht das Spiegelbild, da sie meistens zu klein sind. Ende Juni hat das Schauspiel meist ein Ende, denn dann sind die Jungvögel geschlüpft und die männlichen Vögel müssen ihr Revier nicht mehr verteidigen.

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