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Pflanzensamen-Bunker: An diesem Ort lagert das Backup der Pflanzenwelt

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Von: Anna Katharina Küsters

Zu sehen ist der Svalbard Global Seed Vault, ein Betonbunker in Norwegen, in dem Tausende Pflanzensamen aus aller Welt lagern. Der Eingang ist umgeben von Schnee.
In diesem Bunker lagern Pflanzensamen aus aller Welt. © Ingo Arndt / Imago

In Norwegen eröffnete vor zwei Jahrzehnten ein riesiger Bunker inmitten von Eis und Schnee. In ihm lagert von fast jeder Pflanze weltweit Saatgut.

Bonn – Ein Bunker aus Beton, der die wichtigsten Pflanzensamen der Welt beinhaltet, steht in Norwegen. Er heißt „Svalbard Global Seed Vault“ und schützt seit über einem Jahrzehnt das pflanzliche Erbe der Menschheit. Im Bunker in Spitzbergen sind optimale Bedingungen geschaffen, um die Samen über lange Zeit zu konservieren. Grund für den Bau war eine erschreckende Erkenntnis der Wissenschaft.

Pflanzensamen-Bunker: So sichert Norwegen das Überleben der Pflanzenwelt

Betreiber des 2008 eröffneten „Svalbard Global Seed Vault“ ist der Welttreuhandfond für Kulturpflanzenvielfalt, der Global Crop Diversity Trust. In dem Betonbunker, der nur 1,3 Kilometer vom Nordpol entfernt steht, lagern die wichtigsten Pflanzenschätze für die heutige und nachfolgenden Generationen. Der Bunker fungiert als eine Art Backup für die Pflanzendatenbanken in anderen Ländern. So gibt es immer eine Probe der Samen in den Pflanzendatenbanken einzelner Länder, eine in einer Genbank und eine im Bunker in Norwegen.

Mit dieser Absicherung sammeln die Wissenschaftler Samen von:

Daneben lagern dort auch noch Samen anderer Nutzpflanzen. Im Fokus stehen vor allem Pflanzensamen, die eher selten vorkommen. Denn viele Nutzpflanzen-Arten züchteten Bauern über Jahrhunderte mühsam heran, doch heute finden sie kaum noch Beachtung in der Lebensmittelindustrie. So verschwindet mit und mit die Artenvielfalt, die die Samen im Bunker erhalten wollen.

Pflanzensamen-Bunker: Sicherung für Katastrophenfälle

Damit die Samen auch möglichst lange haltbar bleiben, lagern sie in Spitzbergen bei minus 18 Grad Celsius tief in der Erde in einem langen Gang voller Regale. Lange Zeit gingen die Betreiber davon aus, dass die dicke Steinschicht und der den Ort umgebende Permafrost das Saatgut schützten würde. Doch 2017 bekam auch der Pflanzensamen-Bunker den Klimawandel zu spüren. Ungewöhnlich warme Temperaturen brachten das als sicher geglaubte Eis zum schmelzen und Wasser lief in den Eingang des Bunkers hinein. Glücklicherweise waren die Lagerräume nicht betroffen, sodass kein Saatgut Schaden davon trug. Umbauarbeiten der Saatgutdatenbank für schlappe 20 Millionen Euro sicherten das Gebäude gegen Wasser besser ab*.

Eine ähnliche Katastrophe, in der der Pflanzensamen-Bunker in Norwegen helfen konnte, geschah 2012 in Aleppo. Dort erlitt das internationale Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten schweren Schaden und viele fürchteten um die dort gelagerten Samenproben. Noch gerade rechtzeitig brachten jedoch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Proben nach Spitzbergen und retteten die Samen so vor der Zerstörung.

Die Pflanzensamenbank ist also weniger gedacht für internationale Katastrophenfälle wie einen dritten Weltkrieg oder einen Atomangriff, sondern zum Schutz seltener Samen im Hier und Jetzt. Wer möchte, kann den Bunker sogar besuchen. Ein Anruf beim Crop-Trust reicht aus, um sich eine Besichtigung zu buchen. Die Telefonnummer finden Interessierte hier auf der Homepage des Fonds. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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