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Haareis an Totholz: So kommt es zu dem seltenen Naturphänomen

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Von: Joana Lück

Haareis oder Eiswolle an einem Ast, der inmitten von braunem Laub liegt. (Symbolbild)
Die Eishaare bilden sich an Ästen innerhalb von wenigen Stunden. (Symbolbild) © Manngold/Imago

Vielleicht haben Sie es beim Spaziergang schon einmal entdeckt: Haareis, das sich an abgestorbenen Ästen ausbildet und wie ein Pilz oder Zuckerwatte aussieht.

München – Schön und bizarr zugleich: Haareis, oder auch Eiswolle genannt, fasziniert seit Jahrhunderten Astronomen, Meteorologen und Biologen zugleich. Aber das Phänomen, was verblüffende Ähnlichkeit mit einem Pilz hat, ist rein chemischer Natur und kann jetzt wieder in vielen Teilen Deutschlands bestaunt werden.

Haareis an Totholz: So kommt es zu dem seltenen Naturphänomen

Laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) bilden sich bei diesem Naturphänomen an abgestorbenen Ästen von Laubholz Haare aus Eis, die 30 – 100 Millimeter lang und zum Teil nur 0,02 Millimeter dick sind. Die Besonderheit dieser Eisform sei, so die LWG, dass sie nicht wie ein Eiszapfen an den Enden, sondern von ihrer Basis her wachse. Die Eishaare bilden sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit von 5 bis 10 Millimetern pro Stunde, solange genügend Wasser aus dem Holz nachgeliefert werde.

Aber das heißt nicht, dass Sie die „Zuckerwatte“ im Winter so einfach zu Gesicht bekommen. Es müssen nämlich noch ein paar Bedingungen erfüllt sein:

Einerseits sorge laut dem LWG die größere Ausdehnung von Eis gegenüber Wasser für das Herausdrücken des Eises aus dem Holz. Andererseits die Tatsache, dass sich das Wasser bei zunehmender Abkühlung unterhalb von 4 Grad Celsius wieder ausdehne, so die LWG. Diese Ausdehnung finde den geringsten Widerstand an der Oberfläche, weshalb das Wasser vor allem nach oben drücke und die feinen watteartigen Strukturen durch die verholzten Gefäße in den toten Ästen entstünden. Haareis kann sich also nur bilden, wenn die Luft sehr feucht ist und die Temperatur um den Gefrierpunkt sind. Fotografen und Naturliebhaber müssen schnell sein: Haareis verschwindet so schnell, wie es gekommen ist: Ist die Temperatur wieder einige Stunden über null Grad, so löst sich das Phänomen in Wasser auf.

Haareis an Totholz: Andere Phänomene

Haareis wird oft mit Bandeis, Frostblumen oder Kammeis verwechselt. Letztere Eisnadeln sprießen allerdings direkt aus der Erde und benötigen einen vegetationslosen, beziehungsweise -armen Boden. Sie können bis zu 30 Zentimeter lang werden und überragen damit das feinere Haareis, das meist nur eine Länge von drei bis zehn Zentimetern erreicht.

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