Vorsicht: Nicht essen!

Giftpflanzen im Garten: Das sind die gefährlichsten Arten

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Der Garten dient oft als erholsame Oase und wird geschmückt mit farbenprächtigen Blumen, Büschen und Bäumen. Doch Vorsicht: Nicht alle davon sind ungefährlich und einige Arten sogar extrem giftig.

Hamburg – Vor allem Gärtner, die den Garten vom Vorbesitzer übernommen haben, kennen die Pflanzen anfangs nicht so gut. Doch auch wenn Sie den Garten neu anlegen: Kaufen Sie die Pflanzen nicht nur nach Optik, sondern informieren Sie sich. Denn einige Bäume, Blumen und andere Pflanzen in unseren Gärten sind stark giftig und können nach dem Verzehr schlimmstenfalls zum Tod führen.

Giftpflanzen im Garten: Das sind die gefährlichsten

Damit es erst gar nicht zur Verwechslung mit harmlosen Pflanzen kommt oder Gärtner beim Rückschnitt erst feststellen, dass der hübsche Baum eigentlich giftig ist, sollte bei unbekannten Pflanzen immer ein Fachmann zurate gezogen werden. Essen Sie keine unbekannten Pflanzen und tragen Sie beim Schneiden vorsichtshalber Handschuhe. Kinder und Haustiere sollten von Giftpflanzen ohnehin ferngehalten werden. (Duftgehölze: Diese Sträucher verströmen im Winter einen betörenden Geruch)

Aber welche giftige Pflanzen gibt es im Garten eigentlich? Im Folgenden finden Sie einige häufig vorkommende Giftpflanzen, auf die wir im Anschluss näher eingehen:

  • 1. Goldregen und Blauregen
  • 2. Herbstzeitlose und Maiglöckchen
  • 3. Tollkirsche und Schwarzes Bilsenkraut
  • 4. Risenbärenklau
  • 5. Seidelbast
  • 6. Blauer Eisenhut und Fingerhut
  • 7. Engelstrompete
  • 8. Gefleckter Schierling
  • 9. Stechapfel

Egal welche der Pflanzen Sie oder Ihr Kind gegessen haben: Wenden Sie sich unverzüglich an den Giftnotruf oder begeben Sie sich zum Arzt. Bestenfalls mit einem Stück der Pflanze zur Identifizierung.

Giftpflanzen im Garten: 1. Goldregen und Blauregen

Goldregen und Blauregen machen ihrem Namen alle Ehre: An den Zweigen hängen die gelben oder blauen Blüten dekorativ zu Boden und wirken wie ein eleganter Vorhang im Garten. Beide Pflanzen sind jedoch giftig.

Goldregen: Vor allem für Kinder kann das schnell gefährlich werden, denn die Hülsen des Goldregens sehen essbaren Pflanzen wie Bohnen oder Erbsen ähnlich. Zu den enthaltenen Alkaloiden zählt zum Beispiel Cytisin. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die Samen. Tödlich sind die Samen für Kinder ab etwa zehn bis 15 Stück (oder ab vier Hülsen). 15 Minuten nach der oralen Aufnahme können Symptome auftreten. Dazu zählt glücklicherweise auch starkes Erbrechen. Zunächst wirkt der Goldregen jedoch anregend auf das zentrale Nervensystem, am Ende lähmend bis hin zu Atemlähmung und Tod. Magenkrämpfe und Delirium/Halluzinationen zählen ebenfalls zu den Symptomen.

Blauregen: Auch der Blauregen ist giftig und produziert Hülsen und Samen, die zum Beispiel Lektin enthalten. Neben Erbrechen, Übelkeit und mehr zählen auch geweitete Pupillen zu den Symptomen bei einer Vergiftung. Auch Kreislaufprobleme gehören dazu. (Beeren-Arten: Diese dürfen Sie im Herbst verzehren, und diese sind giftig)

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Giftpflanzen im Garten: 2. Herbstzeitlose und Maiglöckchen

Dabei gilt vor allem Verwechslungsgefahr mit dem essbaren Bärlauch, der gerne in der Nähe von Herbstzeitlosen und Maiglöckchen wächst. Auch die Blätter der Herbstzeitlose tauchen im Frühjahr auf, und es droht ebenfalls Verwechslungsgefahr. Sowohl Maiglöckchen als auch Herbstzeitlose sind in allen Teilen giftig.

Herbstzeitlose: Beim Gift handelt es sich um Colchicin, schon geringe Mengen sind tödlich. Ähnlich wie beim Goldregen zählen zu den anfänglichen Symptomen neben Schluckbeschwerden auch Durchfall und Erbrechen. Schlimmstenfalls kommt es am Ende zu Atemlähmung und Tod.

Maiglöckchen: Auch dabei sind alle Pflanzenteile giftig, vor allem die Beeren sind gefährlich. Die gesamte Pflanze enthält giftige Glykoside. Mögliche Folge des Konsums sind zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.

Im Zweifel sollten Pflanzenfreunde an den Blättern reiben, Bärlauch riecht stark nach Knoblauch. Handelt es sich um Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen gilt: Gründlich Händewaschen! (Blühende Herbstzeitlose: Extrem giftig – und doch jetzt im Garten gerade so wichtig)

Giftpflanzen im Garten: 3. Tollkirsche und Bilsenkraut

Tollkirsche: Die Tollkirsche ist bekannt für ihr Gift, wurde früher aber auch von Frauen verwendet, um die Pupillen zu vergrößern. Das Gift enthält unter anderem Atropin, alle Pflanzenteile sind giftig. Besonders für Kinder kann die Pflanze gefährlich werden, denn die Beeren schmecken süß, sind ab etwa drei Stück aber bereits tödlich. Erwachsene müssten etwa zehn Stück verspeisen, um an den Folgen zu sterben. Trockene Schleimhäute und erweiterte Pupillen sind erste Symptome, Halluzinationen und Verwirrtheit bis hin zum Tod durch Atemlähmung können später auftreten.

Schwarzes Bilsenkraut: Es ist auch als Tollkraut bekannt, denn seine Gifte ähneln denen der Tollkirsche. Auch bei dieser Pflanze sind alle Teile giftig, vor allem die Samen. Ab etwa 15 Samen kann der Konsum für Kinder tödlich enden. Die Pflanze hat eine narkotische Wirkung, auch Bewusstlosigkeit und Tobsucht können zu den Symptomen zählen.

Giftpflanzen im Garten: 4. Risenbärenklau

Diese Pflanze kommt seltener im Garten, sondern eher auf Wiesen oder am Wegrand vor, darf aber unter keinen Umständen berührt oder mit ihren harmlosen Verwandten verwechselt werden. Die Pflanze kann bis zu vier Meter hoch werden. Eine Vergiftung damit endet nicht tödlich, jedoch verursacht der Bärenklau in Kombination mit Sonnenlicht starke Hautreizungen. Diese ähneln Verbrennungen, es kann zu Blasen kommen und die Wunden heilen nur langsam ab.

Giftpflanzen im Garten: 5. Seidelbast

Der Echte Seidelbast hat rosa Blüten und später rote Beeren, die etwas an Johannisbeeren erinnern und das Gift Mezerin enthalten. Giftig sind vor allem Samen, Rinde und Beeren. Ähnlich wie bei anderen Giftpflanzen kommt es zu einem Brennen im Mund, Erbrechen und Magenbeschwerden, die Körpertemperatur steigt und es kommt zu Kreislaufproblemen. Für Erwachsene sind bereits zehn Beeren tödlich.

Giftpflanzen im Garten: 6. Blauer Eisenhut und Fingerhut

Hübsche Pflanzen mit nachhaltiger Wirkung sind auch Fingerhut und Eisenhut.

Blauer Eisenhut: Hübsche blaue Blüten machen ihn zum gern gesehenen Gast im Garten. Aber Vorsicht: Er ist eine der giftigsten Pflanzen Europas. Unter den Giftstoffen sticht vor allem das Gift Aconitin heraus. Berühren Gärtner Pflanze oder Knolle mit bloßen Händen, kann es zu leichten Reaktionen wie Taubheitsgefühlen kommen. Auch dabei ist der Tod bedingt durch Atemlähmung oder einen Herzversagen.

Fingerhut: Auch er ist eine hübsche und eindrucksvolle Pflanze und ebenso giftig. Schon zwei der Blätter zu verzehren, kann tödlich für Erwachsene enden, so der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Auch bei dieser Pflanze kommt es zu Problemen im Magen-Darmtrakt und Herzrhythmusstörungen. (Mit diesen fünf Tipps machen Sie Ihren Garten jetzt absolut kindersicher)

Giftpflanzen im Garten: 7. Engelstrompete

Engelstrompeten sind beliebte Kübelpflanzen und leider auch giftig. Auch darin steckt das Gift vor allem in den Samen und Wurzeln, auch wenn alle Teile der Pflanze giftig sind. Enthalten ist unter anderem Atropin. Zu den Symptomen gehören Erbrechen, Unruhe, teils Halluzinationen aber auch eine lähmende Wirkung ist möglich.

Giftpflanzen im Garten: 8. Gefleckter Schierling

Gefleckter Schierling wurde früher bei Hinrichtungen verabreicht. Über die Giftigkeit sagt das schon alles. Unaufmerksame Pflanzenfreunde oder Laien können den Schierling schnell mit Schafgarbe, Petersilie oder Wiesen-Kerbel verwechseln. Alle Pflanzenteile enthalten Coniin und sind stark giftig. Schluckbeschwerden, Erbrechen und eine tödlich verlaufende Lähmung des Körpers können die Folge der Aufnahme sein.

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Nicht seine Grösse oder seine unauffälligen Blüten machen den Gefleckten Schierling (Conium maculatum) berühmt – sondern seine enorme Giftigkeit. Er gehört zu den giftigsten einheimischen Pflanzen, schon kleinste Mengen seines Giftes können tödlich sein. Bereits im Altertum war die Giftigkeit des Gefleckten Schierlings bekannt und wurde für viele Giftmorde, aber auch zur Vollstreckung von Todesurteilen verwendet. Der wohl bekannteste Mann, der mit Hilfe des «Schierlingsbechers» hingerichtet wurde, ist der griechische Philosoph Sokrates. #gefleckterschierling #coniummaculatum #heilpflanzengarten #giftpflanze #schierlingsbecher #sokrates #giftmord #doldenblüte #weiss #blüte #bogabern #botanischergartenbern #ortobotanico #botanicalgarden #jardinbotanique #bern #bärn #unibern #museenbern #ilovebern #bärn #wunderdernatur #biodiversität #biodiversity #biodiversité #stadtoase #oaseinderstadt

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Giftpflanzen im Garten: 9. Stechapfel

Ebenfalls ein harmlos aussehender Gartenbewohner ist der Stechapfel. Gärtner sind von den Blüten begeistert. Gerade die und die Samen können aber vor allem Kindern schnell schaden, wobei alle Pflanzenteile giftig sind. Schon eine geringe Dosis führt unter anderem zu Unruhe, Erbrechen, Krämpfen, Tobsucht und letztendlich je nach Menge unbehandelt zum Atemstillstand.

Giftpflanzen im Garten: Weitere Giftpflanzen

Viele der oben genannten Pflanzen zählen zu den giftigsten und zudem häufigen Gartenpflanzen oder kommen in der Natur vor. Daneben sind aber auch weitere Pflanzen giftig, zum Beispiel: Rizinus, Eibe, Buchs, Kirschlorbeer, Pfaffenhütchen, Wunderbaum und Oleander.

Der NDR rät aber grundsätzlich von Panik ab, denn auch (ältere) Kinder können lernen, welche Pflanzen giftig sind und dass sie keine unbekannten Pflanzen essen sollten.

Rubriklistenbild: © Matthias Schrader/dpa

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