Von Hase bis Eierlauf

Osterbräuche: So unterschiedlich feiert Deutschland Ostern

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Oster steht bald vor der Tür und jede Familie hat ihre ganz eigenen Bräuche für das Fest. Das beginnt beim Essen und geht über die Eiersuche bis hin zum Osterfeuer und mehr.

München – Ostern ist ein Familienfest und steht für viele zugleich für den Frühling. Farbenfrohe Dekoration, grünes Ostergras und bunte Eier machen gute Laune und erinnern uns an Neuanfang und Gläubige an die Auferstehung. Egal wie Sie es feiern, Osterbräuche sind oft von Familie zu Familie verschieden und jeder legt auf andere Dinge Wert. Auch innerhalb von Deutschland gibt es viele unterschiedliche Bräuche und Vorlieben.

Osterbräuche: So feiert Deutschland Ostern

Bei keinem Osterfest dürfen Ostereier fehlen. Hierbei gibt es innerhalb Deutschlands kaum Unterschiede, denn überall wird in den Wochen vor Ostern Ostergras gezogen, Eier werden auf Frische getestet und gefärbt oder ausgeblasen und bemalt. Familien basteln bunte Osterdekoration und auch Frühlingsblumen wie Tulpen und Narzissen stehen im Haus in Vasen.

Zunächst möchten wir auf ein paar traditionelle Osterbräuche und ihre Bedeutung eingehen:

  • Das Osterfeuer: In vielen Orten ist es Tradition, in der Osternacht ein großes Feuer zu entzünden. Zwar wird es oft mit dem Gottesdienst verbunden und findet davor oder danach statt als geselliges Beisammensein, doch der Ursprung ist heidnisch. Ursprünglich sollten mit dem Osterfeuer böse Geister vertrieben werden und man begrüßte den Frühling. Denn wie auch die Bauernregeln zeigen, hofften die Menschen auf einen kurzen Winter. Eine Bedeutung des Osterfeuers kann auch das Judasverbrennen oder Judasbrennen sein, bei dem symbolisch Judas Iskariot verbrannt wird.
  • Die Ostereier: Der Osterhase bringt die bunten Ostereier? Bei diesem Bild werden genaugenommen zwei Symbole vermischt, Hase und Ei. Dabei sollten wir eigentlich beides getrennt betrachten. Schon vor dem Christentum stand das Ei für Wiedergeburt und Leben. Die christliche Kirche hat das Ganze dann mit Jesu Auferstehung verknüpft, dementsprechend durften auch in der Karwoche (oder der gesamten Fastenzeit) keine Eier gegessen werden, bis der Ostersonntag anbrach. Traditionell werden die Eier (und andere Speisen) dann in der Kirche geweiht und später gemeinsam verzehrt. Wo früher die Eier für den Gottesdienst verziert wurden, bemalen wir sie heute auch einfach als Symbol der nahenden Feiertage und der Frühlingsstimmung.
  • Der Osterhase: Auch der Hase geht als Symbol auf die vorchristliche Zeit zurück und steht für Fruchtbarkeit. In einem Jahr kann ein weibliches Tier 20 Junge zur Welt bringen, wenn alles gut läuft. Dass es gerade der Hase und nicht etwa die Ratte oder Maus geworden ist, dürfte ebenfalls mit dem Ruf der einzelnen Tiere zusammenhängen. Im Jahr 1682 wurde der Osterhase übrigens erstmals in Zusammenhang mit Ostereiern erwähnt, warum aber genau der Hase sich gegen Mitstreiter wie Fuchs oder Kuckuck durchsetzen konnte für Ostern, ist unklar.

Und dann gibt es da natürlich noch das traditionelle Osterlamm*, das viele am Ostersonntag verspeisen. Das Lamm stet im Christentum für Jesus, der sich opfert, aufersteht und die Menschen so erlöst. Außerdem ist es mit dem Pessachfest verknüpft, zu dem traditionell ein Lamm geschlachtet wird. Aber auch weit vorher galt das Lamm als Lieferant für Wolle, Milch und Fleisch, also als wichtiges Tier und war ein beliebtes Opfertier. Heutzutage backen viele Osterfans ein Osterlamm aus Teig, auch dieser Brauch ist nicht neu. Gerade für Vegetarier und Veganer ist diese Art des Osterlammes die ideale Option, Fleischfans dagegen können auch einen Lammbraten zubereiten, wobei meist die Keule verwendet wird.

Osterbräuche: Die bekanntesten deutschen Bräuche

Neben den traditionellen Bräuchen, die viele Osterfans und Familien wahrscheinlich mehr oder weniger auch zelebrieren, gibt es noch Bräuche an Ostern, die sich je nach Region unterscheiden können.

Das sind bekannte deutsche Osterbräuche:

  • Ostereier suchen: Soweit, so traditionell. Am Ostersonntag sind viele begeisterte Kinder (und Erwachsene) in den Gärten und Wohnungen unterwegs, auf der Suche nach dem Osternest. Darin finden sich mit etwas Glück Osterhase, bunte Eier und Schokolade.
  • Osterspaziergang: Auch der hat bei vielen Tradition. An den Feiertagen pilgern ganze Familien durch die Orte und Städte, in schickem Festtagsgewand. Der Osterspaziergang kommt nicht nur bei Goethe vor, sondern symbolisiert in gewisser Weise auch den Weg der Glaubensfindung der Jünger Jesu, die seine Auferstehung selbst sehen wollten. Zudem ist er ein guter Verdauungsspaziergang nach dem meist üppigen Essen.
  • Osterrad: Davon haben Sie vielleicht noch nie gehört, die Tradition soll vor allem den ländlichen Raum betreffen. Es handelt sich dabei um ein Holzrad mit Stroh, das entzündet und dann einen Hügel hinunter gerollt wird. Wenn es umfällt, soll das eine schlechte Ernte vorhersagen, rollt es ganz hinunter, wird die Ernte gut.
  • Osterreiten: Auch das ist einer der bekannteren Bräuche, bei dem es darum geht oder ging, von der Wiederauferstehung Christi zu berichten. Dabei werden Pferde und Reiter gesegnet.
  • Eierwerfen: Hierbei wird das Ei in ein Säckchen gesteckt und so lange geworfen, bis ein Teilnehmer mit heilem Ei übrig bleibt, beziehungsweise der Teilnehmer mit den meisten Würfen gewinnt. Eine andere Version dieser Tradition ist es, Ostereier übers Hausdach zu werfen, wobei sie oft von einer anderen Person aufgefangen werden, das soll das Haus vor Blitzeinschlag schützen.
  • Eierlauf: Dieser Brauch ist zwar nicht weit verbreitet, klingt aber definitiv nach Spaß. Ein Sammler sammelt dabei Ostereier an einer bestimmten Strecke ein, während sein Partner gleichzeitig zu einem Punkt und wieder zurück läuft. Dabei treten verschiedene Teams gegeneinander an.
  • Ostereierschieben: Hiervon gibt es verschiedene Versionen unter diesem Oberbegriff. In Sachsen beispielsweise rollt man Süßigkeiten und Eier einen Hang hinab, Kinder fangen sie unten auf. Teils sind es auch Bälle statt echten Lebensmitteln, die später gegen Geschenke getauscht werden. In Bayern gibt es das sogenannte „Oascheim“, bei dem gefärbte und gekochte Eier zwei Stangen hinabgerollt werden. Die Spieler treten gegeneinander an und Ziel ist es, die Eier der Gegner zu treffen.
  • Osterpostamt: Nicht nur der Weihnachtsmann und das Christkind bekommen Briefe, sondern auch der Osterhase. Tatsächlich gibt es zwei Osterpostämter, eines in Osterhausen, das andere in Ostereistedt. Die Adressen finden Sie leicht im Internet und vor allem für Kinder kann der Brief an den Osterhasen eine schöne Idee sein.
  • Eiertitschen: Das ist eigentlich ein Brauch aus Griechenland, der aber auch hierzulande beliebt ist. Dabei nehmen zwei Personen je ein gekochtes Ei und schlagen die Eier zusammen, wobei eines kaputt geht. Derjenige mit dem heilen Ei ist der Sieger.

Daneben gibt es natürlich auch noch eng mit der Kirche verbundene Bräuche wie die Osterkerze oder das Osterwasser. Gerade Osterkerzen, die dabei keinen religiösen Hintergrund haben müssen, sind eine tolle Bastelmöglichkeit vor Ostern. Auch Kinder können einfach aus Wachs Figuren oder Buchstaben ausschneiden und auf eine einfarbige Kerze kleben, so bekommt Ihr Osterfest noch eine individuelle Note.

Wer noch keine richtige Ostertradition hat, kann ja verschiedene der teils sehr spaßigen Bräuche testen. Schließlich geht es an Ostern vor allem um die Familie, Kinder, den Frühling und nicht zuletzt Spaß und gutes Essen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / CHROMORANGE

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