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Umweltschädlich? Der Zwist um Schottergärten

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Schottergarten
Schottergärten gelten als besonders pflegeleicht. Umweltschützer warnen jedoch vor solchen Gärten. © Annette Riedl/dpa

Mit der Mischung aus Gestein und sparsamem Grün erinnern Schottergärten fast an Landschaften weit entlegener Planeten. Sie sind aber Realität in vielen deutschen Wohnsiedlungen. Umweltschützern ist das viele Grau ein Graus.

Berlin - Dort, wo man es wohl nicht unbedingt erwartet, hat der Diplom-Biologe Ulf Soltau dem Schottergarten ein Denkmal gesetzt. Dank ihm ziehen sich lange Kieselbeete durch die Hochglanz-Plattform Instagram. Sein Account heißt: „Gärten des Grauens“.

Angesprochen auf seine Motivation spricht „Gärten des Grauens“-Schöpfer Soltau von einer „Flut von Fotos moderner Schottergärten in den Hochglanzwerbebroschüren“. Den „Lügen der Werbebranche“, dass Schottergärten pflegeleicht seien, wollte er demnach „mit Mitteln der Satire begegnen“. „Ich wollte sie lächerlich und darüber gesellschaftlich unmöglich machen“, sagt der Buchautor.

Versiegelung des Bodens verhindert Artenvielfalt

Wie viele Hektar Schottergarten es in Deutschland gibt, dazu hat das Bundesumweltministerium nach eigenen Angaben „keine gesicherten Informationen“. Eine Sprecherin des Ressorts von Bundesministerin Svenja Schulze (SPD) betont, dass in Schottergärten wegen der „Versieglung des Bodens“ oft „wenige bis keine Pflanzenarten“ zu finden seien und sie auch „keine Lebens- und Nahrungsgrundlage für Tiere“ böten. Ein Verbot dieser Form des Gartenbaus falle aber in die Zuständigkeit der Länder.

Etwa in Baden-Württemberg sind Schottergärten demzufolge nach Naturschutzgesetz und in Bremen und Hamburg nach Bauordnung verboten. Im Rest der Republik gebe es zudem einige Kommunen, die diese Form des Gartenbaus beispielsweise mittels Bebauungsplänen untersagen würden.

„Schottergärten widersprechen jedem Gedanken zur Verbundenheit mit der Natur“, heißt es vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf dpa-Anfrage. Nach Einschätzung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) braucht es in deutschen Gärten vor allem mehr Blühpflanzen, Sträucher und Bäume. Diese böten Nahrung für Insekten und Lebensraum für andere Organismen. Und mehr noch: „Durch Verdunstungskälte und Schatten können Städte mit der entsprechenden Bepflanzung in Gärten für Abkühlung sorgen“, sagt BUND-Sprecherin Corinna Hölzel. Schottergärten demgegenüber heizen sich vor allem im Sommer stark auf.

„Gärten des Grauens“ auf Instagram

In der hell- bis dunkelgrauen Welt von „Gärten des Grauens“ hat das Grün von Pflanzen augenscheinlich höchstens eine dekorative Funktion. Auf einem der von Soltau gesammelten Bilder steht eine rosa Gießkanne in einem dunkelgrauen Meer aus groben Steinen. An der Seite ist die Gießkanne aufgeschnitten, obendrauf ein bisschen Grün - in ihrem Inneren: noch mehr Steine.

Zu dem Bild schreibt der Diplom-Biologe: „Kunstvoll sezierte Plastikgießkannen“ brächten „ein wenig Freude und Farbe ins Vorgarten-Leichenschauhaus“. Auf Instagram folgen seinem Account mehr als 83.000 Menschen. Monatlich bekomme er gut 1500 Bilder von Schottergärten zugesendet. „Beschämung ist ein mächtiges gesellschaftspolitisches Schwert“, sagt Soltau.

Demgegenüber ist die Rechtslage bei Schottergärten mancherorts schwammig: So gilt in Baden-Württemberg das Schottergarten-Verbot nach Auffassung des dortigen Umweltministeriums eigentlich bereits seit 1995. Damit einher gehe „grundsätzlich eine Rückbaupflicht“ für alle Schottergärten, die seit damals angelegt worden seien, heißt es von einem Sprecher des Ministeriums. Mit der „zusätzlichen Aufnahme“ ins Naturschutzgesetz im Sommer 2020 sei somit lediglich erneut „das Ziel unterstrichen“ worden.

Ältere Schottergärten bleiben zulässig

Anders sieht man das im Ländle beim Wirtschaftsministerium: Die „neue Regelung im Naturschutzgesetz“ betreffe nämlich nur das Anlegen von Schottergärten seit dem Inkrafttreten. „Nach unserer Auffassung bleiben daher bereits vor dem 31. Juli 2020 bestehende Schottergärten zulässig“, so eine Sprecherin. „Rechtmäßig angelegte Schottergärten genießen baurechtlichen Bestandsschutz.“

Hohe Geldbußen müssen Schottergärtner im Südwesten nach Angaben des Umweltministeriums ohnehin nicht fürchten. Bisher habe man davon abgesehen, einen Bußgeldtatbestand für Verstöße gegen den entsprechenden Paragrafen des Naturschutzgesetzes zu schaffen, „da wir primär auf Verständnis und nicht auf Zwang setzen wollen“, so der Sprecher.

Die Stadt Bremen geht einen anderen Weg: „Eher im dreistelligen Bereich“ bewege sich dort die Geldbuße für das Anlegen von Schottergärten, so ein Sprecher der Umweltbehörde. Die Höhe des Ordnungsgeldes hängt demnach zum Beispiel von der Größe des Schottergartens ab. In Hamburg müssen nach Behördenangaben diejenigen mit einem Zwangsgeld rechnen, die einer Rückbauaufforderung nicht nachkommen.

Auch naturnahe Gärten brauchen wenig Pflege

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg hat „Gärten des Grauens“-Schöpfer Soltau seinen eigenen „naturnahen Garten“. Die Pflanzen, die er bei sich angebaut hat, bedürfen „keiner besonderen Pflege“, wie er betont.

Dass Schottergärten im Vergleich als pflegeleicht gelten, verstehe er nicht. „Hin und wieder gehe ich durch die Rabatten und muss etwas ausputzen“, sagt Soltau. „Und selbst das empfinde ich nicht als Arbeit.“ dpa

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