Idylle vor der Tür

Streuobstwiesen: So legen Sie das kleine Paradies für Mensch und Tier richtig an

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
    schließen

Streuobstwiesen finden sich gelegentlich an Bauernhöfen oder großen Grundstücken. Neben leckerem Obst haben sie aber für Gartenfans und Tiere noch weitere Vorteile.

Regensburg – Streuobstwiesen bestehen normalerweise aus Apfelbäumen oder anderen Obstbäumen, die in regelmäßigen Abständen auf einer Wiese stehen. Ansonsten sieht man erst mal nicht viel außer Bäumen und grünem Gras. Doch für die Tierwelt steckt weit mehr dahinter. Gartenfans mit genügend Platz sollten über solch eine Wiese nachdenken.

Streuobstwiesen: Ein Paradies für Mensch und Tier

Der Bund Naturschutz (BN) definiert eine Streuobstwiese als verstreut angepflanzte, hochstämmige Obstbäume auf Äckern oder Wiesen. Das können Gruppen, Reihen oder auch flächige Bestände sein, ein Hochstamm beginne ab 1,60 Metern Höhe. Weiterhin wird dann zwischen Streuobstwiesen und Obstplantagen unterschieden, denn Streuobstwiesen werden extensiv bewirtschaftet. Der häufige Verzicht auf Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel und Co. bietet damit Lebensraum für Tiere. Das bringt gleich mehrere Vorteile für die Natur mit sich, denn Tiere und Pflanzen sind dort meist lange Zeit ungestört.

Folgende Punkte stellt der Bund Naturschutz etwa heraus:

  • Der Wurzelbereich der Bäume bietet Lebensraum für Mäuse und Igel. Zudem Fallobst als Futter für diverse Tierarten.
  • Die Bäume selbst bieten Käfern, Totholzbewohnern, Moosen und ähnlichem Lebensraum. Auch Singvögel und Fledermäuse leben und nisten in den Bäumen.
  • Der Bereich unter den Bäumen ist durch seltene Mahd und ohne Spritzmittel artenreich und bietet Blüten für Insekten.
  • Die Baumkronen sind Nistplätze für Vögel und bieten Säugetieren wie Siebenschläfern Nahrung. Auch Insekten finden sich dort.
  • Mit dem Alter wird der Baum immer wertvoller als Lebensraum.

Zusammengefasst bedeutet das: Die Streuobstwiese ist ein wichtiger Lebensraum in der Natur, der leider immer weniger wird. Denn gemessen am Ertrag lohnen sich Streuobstwiesen gegenüber Plantagen natürlich nicht. Gärtnerinnen und Gärtner mit viel Platz und wenig Lust auf Rasenmähen können solch eine Wiese aber auch selbst anlegen. Bis die Bäume alt, dick und knorrig werden, dauert es Jahrzehnte, dafür profitieren aber Mensch und Tier immens von dieser schönen Wiese.

Streuobstwiesen: So legen Sie sie an

Für die Biodiversität sind Streuobstwiesen toll. Besonders schön wären sie natürlich im eigenen Garten. Die große Anzahl an Bäumen liefert dann kontinuierlich mehr Obst, als Sie direkt essen können. Perfekt also für Selbstversorger. Planen Sie so ein Großprojekt aber nur, wenn die Bewirtschaftung über Jahrzehnte sichergestellt ist und der Grund nicht so schnell wieder verkauft wird.

So legen Sie eine Streuobstwiese an:

  • Lage: Hänge eignen sich gut. Der Boden sollte lehmig, humusreich und durchlässig sein. Bestenfalls ist die Wiese etwas windgeschützt und sonnig.
  • Zeitpunkt: Wie bei fast allem ist der Herbst die ideale Pflanzzeit.
  • Planung: So eine Wiese wird über Jahrzehnte bestehen und sollte daher gut geplant werden. Zeichnen Sie sich beispielsweise den Abstand der Bäume zueinander und die Anordnung auf. Die Bäume müssen ausgewählt und gekauft oder geliefert werden.
  • Material: Neben den Pflanzen selbst werden Pfähle und Befestigungsmaterial benötigt. Ist die Fläche frei zugänglich und nicht umzäunt (Stichwort: Fördergelder), kann Schutz vor Wildverbiss nötig sein.
  • Arten: Apfelbäume sind der Klassiker und sollten die Mehrheit des Baumbestands bilden. Zusätzlich eignen sich andere Bäume wie Birne, Zwetschge, Quitte und viele mehr. Wer möchte, setzt auf alte und seltene Arten.
  • Pflanzen: Der Abstand variiert je nach Baum und Zweck. Für Bienen sind größere Wiesenflächen sinnvoll, enger gepflanzte Bäume spenden Schatten. Achten Sie auch auf den Abstand bei Grundstücksgrenzen oder Wegen. Für die korrekte Pflanzung kann Expertenrat sinnvoll sein, zudem brauchen Sie wahrscheinlich einen Bagger zum Ausheben der Löcher.
  • Schnitt: Junge Obstbäume können Sie direkt nach dem Pflanzen ein wenig schneiden.

Wie spätestens jetzt klar wird: So eine Streuobstwiese ist ein großes Projekt. Gerade ältere Bäume brauchen unbedingt regelmäßige und richtig durchgeführte Rückschnitte, um nicht zu vergreisen. Dafür haben Gärtnerinnen und Gärtner aber viel Freude mit der Wiese. Und wer nicht per Hand oder Maschine mähen will, kann Schafe, Ponys und andere Tiere auf der Wiese halten.

Außer dem jährlichen Rückschnitt, dem Wässern am Anfang, einer Mahd im Sommer und Herbst und dem Ernten von Obst steht nicht viel Arbeit an. Allerdings bedeutet das auch, dass Sie im Vergleich zum Garten dort wenig aktiv machen können. Die Wiese wird größtenteils sich selbst und den Tieren überlassen, Sie erhalten dafür aber leckeres und pestizidfreies Obst.

Rubriklistenbild: © Gabriele Hanke / Imago

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare