Baumsorten, Schädlingsbekämpfung und Dünger

Obstbaumpflege: Tipps zum Pflanzen, Düngen, Schädlingen und zum richtigen Obstbaumschnitt

  • Franziska Irrgeher
    vonFranziska Irrgeher
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Obstbäume im Garten können zur Selbstversorgung beitragen. Mit der richtigen Pflege tragen sie viele Früchte und bleiben von Krankheiten verschont.

  • Auf kleine Gärten eignen sich für Obstbäume
  • Der Stickstoffgehalt des Bodens beeinflusst die Ernte
  • Mit dem richtigen Schnitt bleibt der Baum vital und trägt viele Früchte

Bonn – Wer einen neuen Obstbaum pflanzen möchte, steht meist unschlüssig in der Baumschule angesichts des großen Sortenangebots. Hobbybäcker kommen bei Äpfeln an der Sorte ‘Boskoop’ nicht vorbei, aber welche Sorte liefert den täglichen Apfel für den Pausensnack? Neben Apfelbäumen gibt es noch viele weitere Obstbäume, die sich für den Garten eignen. Je nach Standort, Gartengröße und Bodenbeschaffenheit, sollten Hobbygärtner aber einiges beachten.

Obstbaumpflege: Welche Baumsorte eignet sich?

Bei der Obstbaumwahl kommt es auf den Garten an. Wer nur wenig Platz im Garten hat, braucht zum Beispiel auf eigene Birnen nicht zu verzichten. Ein Halbstamm wird nur 4–6 Meter hoch (Stammhöhe von 120–160 cm), ein Buschbaum 3–4 Meter (Stammhöhe 60 cm). Für die Größe des Baumes ist vor allem die Unterlage entscheidend, also die Wurzel, auf die die Sorte veredelt wird. Beim Pflanzen eines Baums eignet sich auch ein Birnen-Spalier: Es beansprucht wenig Fußraum, weil es nur zweidimensional wächst, statt eine runde Krone zu bilden. Zugleich profitiert die Birne vom Schutz einer Süd- oder West-Wand, die die Wärme des Tages speichert und nachts wieder abgibt.

Wichtig: Achten Sie beim Kauf einer neuen Obstsorte darauf, ob sie einen Partner braucht, damit Früchte gebildet werden. Äpfel, Birnen, die meisten Süßkirschen, einige Sauerkirschen und Zwetschgen sind selbstunfruchtbar und brauchen einen passenden Pollenspender. Das heißt, es muss ein weiterer Baum der gleichen Art in der Nähe stehen, in einer Sorte, die zur selben Zeit blüht. Eine Alternative dazu ist ein Mehrsortenbaum.

Obstbaumpflege: Junge Bäume pflanzen und pflegen

Von Oktober bis Dezember, solange der Boden nicht gefroren ist, ist der optimale Pflanzzeitpunkt für Obstbäume. Der Baum hat dann genügend Zeit, Wurzeln zu bilden. Zeitpunkt verpasst? Kein Grund zur Sorge! Bis in den März kann der wurzelnackte Wunschbaum gepflanzt werden, auch dann wird er noch gut anwachsen können. Bäumen mit Ballen können bei regelmäßiger Wasserzufuhr auch im Sommer ihren Platz im Garten bekommen. Bevorzugen Sie Sorten, die in Ihrer Region gut gedeihen. Fragen Sie Nachbarn, Bekannte oder holen Sie sich zum Beispiel Rat beim örtlichen Obst- und Gartenbau-Verein.

Sobald ein neuer Obstbaum gepflanzt wurde, braucht er einen ordentlichen Schluck Wasser. Je nach Pflanzenart – kleiner Buchs oder großer Apfelbaum – dürfen es zwischen fünf und 20 Liter sein. So schwemmt das Wasser die Erde in alle Lücken und sorgt dafür, dass die Wurzeln Halt finden und nicht in Luftlöchern baumeln und vertrocknen. Man nennt diesen Vorgang auch Einschlämmen. Vor dem Gießen formt man mit Erde einen kleinen Wall weitläufig um die Pflanzstelle, damit das Wasser nicht davonfließt, sondern in den Wurzelraum sickert.

Obstbaumpflege: Schädlingsbekämpfung

Obstbäume sind anfällig für diverse Schädlinge. Auch Wühlmäuse gehören dazu: Vor allem frisch gepflanzte Obstbäume haben es den Nagern angetan. Deshalb lohnt es sich, neue Apfel- oder Birnbäume in einen Drahkorb zu pflanzen. Dieser lässt sich schnell selbst basteln. Besorgen Sie sich im Baumarkt unverzinkten Kaninchendraht mit einer Maschenweite von maximal 13–15 mm. Der Korb hat idealerweise einen Durchmesser von 60–80 cm und eine Tiefe von 40–50 cm. Kleiden Sie das Pflanzloch mit dem Korb aus und setzen Sie dann den Baum hinein. Der Rand sollte mit der Oberfläche abschließen oder etwas überstehen.

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Anleitung für den Bau von Wühlmauskörben Vor allem junge Bäume und Sträucher werden an den Wurzeln oft von Wühlmäusen benagt. Deshalb ist es sinnvoll, junge Gehölze mit einem Drahtkorb an den Wurzeln zu schützen. Wir verwenden ein verzinktes Sechseckdrahtgeflecht mit einer Maschenweite von 13 mm. Zunächst wird ein 1,5m langes und ein 0,5m langes Stück von der Drahtrolle abgeschnitten. Die Breite der beiden Teile sollte 0,5m betragen. Das längere Stück wird rund gebogen und durch Ineinaderbiegen und Verflechten der Drahtmaschen an der Kante zu einem Ring geschlossen. Das kürzere Drahtstück wird der Boden des Korbs. Dazu biegt man die Ecken um und hakt die Drahtenden von außen in den Wände des Korbs ein. Die Nahtstellen des Korbes sollten fest miteinander verbunden sein, sonst platzen sie später beim Pflanzen durch den Druck des Erdreichs auf. Bei Pflanzen wird der Korb ins Pflanzloch gesetzt und zu einem Drittel mit Erde befüllt. Anschließend wird der Baum in den Korb gestellt und von allen Seiten an den Wurzeln zunächst locker mit Erde bedeckt. Dann wird die Erde festgetreten. Nun schließt man den Korb indem man den Rand nach außen zusammenfaltet und die Kanten dann nach innen umbiegt. Das Pflanzloch kann weiter aufgefüllt werden, bis der Draht nicht mehr zu sehen ist. #dorfwaldgarten #neuschönau #nationalparkbayrischerwald #nationalparkgemeinde #zeitwende #waldgarten #wühlmäuse #wühlmauskorb #nachhaltigkeit #nachhaltigwirtschaften #pestizidfreigärtnern #schutzvorwühlmäusen #selbstgebaut #mitmachgarten #mitmachprojekt #zumnachmachen #permakultur #permakulturgarten #pflanzung #obstbaumpflanzen #essbarergarten

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Obstbaumpflege: Diese Arbeiten stehen im Frühjahr an

Im Frühjahr ist im Garten zwar einiges zu tun, übertreiben sollten Gartenfreunde es aber nicht. In den Beeten ist zu dieser Zeit zwar Boden lockern und düngen angesagt, doch Bäume stört Bodenbearbeitung eher. Die Gefahr, Wurzeln dabei zu verletzen, ist groß. Düngen muss man nicht unbedingt jährlich. Einerseits braucht der Baum gerade zum Austrieb ausreichend Nährstoffe, vor allem Stickstoff, um neue Blätter bilden zu können.

Doch ein Überangebot an Stickstoff wirkt kontraproduktiv. Es fördert vor allem das Triebwachstum und die Laubbildung. Große weiche Blätter sind krankheitsanfällig und beschatten die Früchte. Zu viel Stickstoff im Boden bringt besonders beim Apfel weitere Nachteile: weniger Blüten, stärkerer Juni-Fruchtfall, vermehrte Stippe-Anfälligkeit.

Andererseits gilt es natürlich einen Mangel zu verhindern, denn dann fällt die Ernte ebenfalls enttäuschend aus. Hat ein Obstbaum bereits im letzten Jahr Mangelsymptome gezeigt, muss man jetzt aktiv werden. Wer sich nicht ganz sicher ist, wie das Nährstoffangebot im Boden aussieht und ob es für die jeweilige Obstart und -sorte passt, lässt eine Bodenanalyse durchführen. Entsprechende Düngeempfehlungen werden mit dem Ergebnis mitgeliefert.

Obstbaumpflege: Düngung – Zeitpunkt und Düngerarten

Der Zeitpunkt zum Düngen ist vor dem Austrieb ideal. Gerade organische Dünger, wie Kompost, Hornspäne oder Langzeitpräparate aus dem Fachhandel verteilt man am besten im März. Denn Mikroorganismen müssen den Dünger im Boden erst noch umsetzen. Der langsame Umsetzungsprozess stellt jedoch sicher, dass die Nährstoffe nur nach und nach abgegeben werden, so wie der Baum sie braucht. Daher sind sie besser geeignet als Mineraldüngern (anorganischen Düngern). Mineralische Dünger sind nämlich wasserlöslich und werden bei hohen Niederschlägen rasch ausgewaschen. Zeigt ein Baum bereits Mangelsymptome oder ergibt die Bodenanalyse eine Unterversorgung bestimmter Nährstoffe, sind anorganische Präparate gute Erste-Hilfe-Mittel.

Egal, ob Sie Kompost ausbringen oder sich für einen anderen organischen Langzeitdünger entscheiden, verteilen Sie ihn dort, wo der Baum ihn aufnimmt. Ältere Bäume dehnen ihr Wurzelwerk unter der Erde etwa so weit aus wie die Krone oberirdisch. Dabei befinden sich die feinen Saugwurzeln hauptsächlich in den äußeren Bereichen. Ziehen Sie bei großen Bäumen daher im Kronenradius einen kleinen Graben und füllen Sie den Dünger dort ein, beziehungsweise verteilen Sie den Kompost unter den Kronenrändern.

Obstbaumpflege: Nährstoffe, Rasenschnitt und Mulch

Halten Sie in jedem Fall im Wurzelbereich eine Baumscheibe frei von Bewuchs. Rasen, der bis an den Stamm heranwächst, konkurriert um Nährstoffe. Darüber hinaus entscheiden auch Bodenfeuchtigkeit und Temperatur über die Verfügbarkeit von Nährstoffen. Eine Mulchschicht schützt den Wurzelbereich vor raschem Austrocknen und dämpft Temperaturschwankungen. Sie unterdrückt Wildkräuter und schützt den Boden vor Erosion. Da das Material nach und nach von Mikroorganismen zersetzt wird, reichert es den Boden langfristig mit Humus an.

Rasenschnitt eignet sich prima als Mulch. Die Schicht sollte aber nicht höher als 3 cm sein, damit das weiche, stickstoffreiche Grün nicht fault. Auch Heu oder gehäckselter Staudenschnitt kommen infrage. Gröberes, härteres Material, wie Stroh, Holzhäcksel oder Rindenmulch kann man 5–10 cm hoch aufbringen. Es hat aber den Nachteil, dass es viel Kohlenstoff (C) und wenig Stickstoff (N) enthält. Um es zu zersetzen, holen sich Mikroorganismen den nötigen Stickstoff zunächst aus dem Boden, wodurch er dem Obstbaum entgeht. Daher verteilt man unter diesen Stoffen Hornspäne oder andere Stickstoffdünger, um den Verlust auszugleichen oder versetzt Stroh mit Mist. Rindenmulch hat zudem einen sauren pH-Wert und empfiehlt sich nicht für alle Böden.

Obstbaumpflege: Der richtige Schnitt

Obstbäume brauchen Pflege. Ein Apfelbaum kann damit 50 bis 100 Jahre alt werden und dabei stets Früchte tragen. Ohne Schnitt vergreist er aber schon nach sechs bis zehn Jahren. Dabei muss nicht unbedingt jedes Jahr geschnitten werden, aber doch wenigstens jedes zweite oder dritte – je nach Sorte. Der Schnitt regt den Baum an, laufend neues Blütenholz zu bilden und hält ihn auf diese Weise jung und vital.

Die beste Zeit für den Obstbaumschnitt liegt im Spätwinter (Februar, März) vor dem neuen Austrieb. Der Baum befindet sich jetzt noch in der Wachstumsruhe. Wählen Sie einen frostfreien, trockenen Tag, damit die Schnittstellen schnell und gesund abheilen, ohne Infektionen. Schnittanleitungen gibt es viele, Informationen findet man zum Beispiel in den Videos des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL).

Bei älteren, vergreisten Kronen ist der Schnitt ein wenig anders. Aber auch wenn jede etwas anders aussieht, ein paar grundlegende Schnittregeln gelten immer. Wer die beachtet, bringt seinen Baum wieder zum Blühen.

  • Grundgerüst definieren: Ein Apfelbaum mit Rundkrone weist im Idealfall ein Grundgerüst aus Stammverlängerung mit Spitze und drei bis vier Leitästen auf. Diese verteilen sich in verschiedene Richtungen um den Stamm herum und zweigen in einem Winkel von 45 Grad oder flacher ab. Versuchen Sie, Ihren Baum diesem Ideal anzunähern. Wählen Sie die besten Leitäste aus und entfernen Sie überflüssige auf Astring. Schneiden Sie außerdem Triebe weg, die ins Innere der Krone ragen sowie kranke und verletzte. Verästelte Triebenden auf einen Seitentrieb ableiten.
  • Wasserschosser entfernen: Entfernen Sie Wasserschosser am Ansatz. Wenn sehr viele dicht beieinander stehen, reduzieren Sie diese in einem ersten Schritt nur und lassen einige stehen oder binden sie herunter. Neu gewachsene reißt man am besten gleich im Sommer im unverholzten Zustand ab, so entfernt man gleichzeitig Beiknospen, die sonst erneut austreiben. Bei stark verdichteten Bäumen werden im nächsten Winter die Steiltriebe weiter reduziert.
  • Fruchtholz verjüngen: Blütenknospen, aus denen sich Äpfel entwickeln, sitzen an kleinen Fruchtspießen und an Kurztrieben (maximal 20 Zentimeter lang), die von den Leit- und deren Seitenästen abzweigen. In jeder Saison verzweigt sich dieses Fruchtholz weiter. Nach drei bis fünf Jahren hat es sich stark verästelt und hängt durch die Last der Früchte nach unten. Dieses alte Fruchtholz entfernt man, indem man auf einen jüngeren Trieb ableitet. Die Schere setzt an der Verzweigungsstelle an. So werden die Triebenden schlanker und gleichzeitig jünger.
  • Wassertriebe herunterbinden: Mitunter bewirken Gewichte oder Schnüre mehr als die Schere. Wasserschosser sind auf Längenwachstum programmiert. Stehen sie in günstiger Position am Baum und sind noch unverholzt, lassen sie sich zur Blütenbildung umstimmen, indem man sie in eine mehr waagerechte Stellung bringt. Es darf kein Bogen nach unten entstehen. Das geht durch Beschweren der noch biegsamen Zweige mit Gewichten oder durch Herunterbinden mit einer Schnur, die man am Boden befestigt.

Bis zu acht Jahre dauert es, bis ein Obstbaum eine erzogene Krone besitzt. Obstgärtner investieren diese Zeit aber gerne, denn die Erziehung hat zwei entscheidende Vorteile: Gut aufgebaute Kronen lassen Licht und Luft ins Innere. Sie liefern deshalb regelmäßige Ernten mit ausgereiften Früchten. Geschnittene Kronen wappnen sich außerdem besser gegen Krankheiten. Die Blätter trocknen nach Regen schneller ab und entziehen damit vor allem Pilzkrankheiten die Lebensgrundlage: feucht-warmes Klima im Bauminneren. 

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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