Edelkastanie in Deutschland anbauen

Esskastanie: Wie Sie leckere Maroni auch im eigenen Garten ernten können

  • Stephanie Drewing
    vonStephanie Drewing
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Esskastanien betören mit ihrem Duft in der Herbstküche oder auf Weihnachtsmärkten: Wir verraten Ihnen, wie Sie auch im Hausgarten mit Erfolgsaussicht Maroni anbauen können.

München – Der korrekte Name der Esskastanie lautet eigentlich Edelkastanie. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Rosskastanie, obwohl der Name ähnlich klingt – verwandt sind beide nicht. Unterscheiden lassen sich beide Arten vor allem an der Form der Blätter: Edelkastanien haben lange ovale Blätter, während die Rosskastanien gefingerte Blätter von fünf bis sieben Einzelblättern hat. Rosskastanien sind erst im 16. Jahrhundert nach Deutschland gekommen, denn sie wurden wegen ihrer schönen Blüten aus dem Balkan eingeführt.

Esskastanie: Wie Sie leckere Maroni auch im eigenen Garten ernten können

Bevor Kartoffeln in Deutschland bekannter wurden, schmorten die nahrhaften Maronen in den Feuern in den südlichen Gebieten. Esskastanien wurde auch als „Brot der Armen“ bezeichnet, doch auch in den gehobeneren Kreisen fanden sie viel Beachtung: Hildegard von Bingen (81, † 1179) pries Esskastanien als „nützlich gegen jede Schwäche“, Albrecht Dürer (57, † 1528) widmete sich dem Baum mit dem Pinsel und Johann Wolfgang von Goethe (83, † 1832) mit der Feder.

Esskastanie: Alle Infos im Steckbrief

Die wichtigsten Informationen zur Esskastanie im Überblick:

  • Die Edel- oder Esskastanie ist ein Familienmitglied der Buchengewächse (Fagaceae) und somit verwandt mit Buche und Eiche, nicht aber mit der Rosskastanie (Seifengewächse).
  • Wuchs: Großbaum mit ausladender Krone; veredelte Sorten bleiben mit 6-8 Metern Höhe etwas kompakter.
  • Blüte: Einhäusig, zur ausreichenden Befruchtung sind aber zwei verschiedene Sorten notwendig.
  • Frucht: In einer stacheligen Fruchthülle entwickeln sich zwei bis drei Nussfrüchte (Maronen).
  • Standort: Sonnig, warm und geschützt; bevorzugt auf leicht sauren Böden.
  • Pflanzen: Mindestens 6 x 6 Meter Standweite einplanen; Winterschutzmaßnahmen im Jugendstadium.
  • Schneiden: Bei Bedarf zur Korrektur der Krone bzw. zur Auslichtung.
  • Ernten: Bei Vollreife fallen ab Oktober/November die Maronen aus der Hülle
  • Lagern: Kühl und trocken lagern.
  • Verwenden: Geröstet oder gekocht; vor dem Erhitzen kreuzweise einschneiden.

Esskastanie: Im Garten sind kompakte Sorten gefragt

Die stattlichen Baumgestalten der Esskastanie finden sich eher in Waldhainen oder weiten Parkanlagen als in begrenzten Hausgärten. Es gibt aber veredelte Sorten, die mit sechs bis acht Metern Höhe deutlich kompakter bleiben als die unveredelten Sorten. Außerdem tragen diese auch viel früher im Herbst die Früchte.

Viel Platz müssen Sie im Garten dennoch einkalkulieren, wenn sie Esskastanien pflanzen wollen. Esskastanien sind weitgehend selbstunfruchtbar. Männliche und weibliche Blüten sitzen zwar auf einer Pflanze, blühen aber zu unterschiedlichen Zeiten. Um in den Genuss der Maronen zu kommen, muss der Gärtner also zwei Bäume unterschiedlicher Sorte pflanzen.

Esskastanien sind schnellwüchsig. Achten Sie anfangs darauf, dass neben dem Mitteltrieb drei bis vier Leitäste ein starkes Gerüst bilden. Dann kann man der Krone freien Lauf lassen. Sorgen Sie lediglich dafür, dass sie über die Jahre nicht zu dicht wird, daher sollten Sie den Baumschnitt nicht vergessen. Zur Reife brauchen die Früchte ausreichend Licht.

Esskastanie: So finden Sie den richtigen Standort

Die Esskastanie liebt es sonnig, warm und vergleichsweise trocken. Wenn Gärtner sie außerhalb der Weinbauregionen erfolgreich kultivieren möchte, sind Kaltluftsenken oder Windschneisen tabu. Am ehesten gelingt der Anbau an geschützten, sonnigen Plätzen in Hausnähe. Der Untergrund sollte keinesfalls verdichtet oder gar staunass sein, sondern eher sandig-lehmig, tiefgründig und durchlässig. Ihr Wurzelwerk streckt die Edelkastanie am liebsten in schwach saures Milieu, sie kommt aber auch in neutralem Untergrund gut zurecht.

Während ausgewachsene Bäume Temperaturen bis -18 Grad Celsius problemlos durchstehen, sind Jungbäume noch etwas kälteempfindlicher und im Winter dankbar für einen Frostschutz, der Stamm und die Krone schützt. Aber auch wenn man die Bäume gut durch den Winter bringt, ist ein regelmäßiger Erntesegen nicht sicher. Nicht die tiefen Temperaturen im Winter, sondern ein zu feucht-kühler Frühling, Sommer oder Herbst machen manchmal einen Strich durch die Rechnung: Die Befruchtung wird gehemmt oder die Kastanien reifen schlichtweg nicht aus.

Esskastanie: Ein warmer Sommer sorgt für eine reiche Ernte

Veredelte Sorten der Esskastanie liefern bei passablen Bedingungen oft schon nach drei Standjahren die ersten Kastanien. Bis zur Reife zählt jeder Sonnentag. Wenn der Baum ausreichend Licht und Wärme tanken konnte, springen im Oktober oder November die weichstacheligen Fruchthüllen auf und geben je Frucht zwei bis drei braun glänzende Nüsse frei, die begehrten Maronen.

Esskastanien werden hin und wieder von Würmern befallen, deshalb sollten Sie ihr Erntegut zunächst in eine Schüssel mit Wasser legen. Befallene Nüsse schwimmen oben und werden aussortiert.

Bei Raumtemperatur bleiben Maronen nur etwa eine Woche lang frisch. Um sich einen Vorrat für den Winter anzulegen, breitet man sie in einem kühlen, luftig-trockenen Keller flächig aus. Kleinere Mengen sind im Kühlschrank gut aufgehoben oder geschält und kurz vorgekocht im Gefrierfach, wo sie sich mehrere Monate aufbewahren lassen.

Esskastanie: Viele Möglichkeiten in der Küche

Wer die Maronen zu Suppe, Püree, einer Beilage zu Wild oder einer Füllung von Geflügel weiterverarbeiten möchte, lässt sie zunächst für paar Minuten im Kochtopf garen. Äußerst delikat ist das süßlich-würzige Duett aus glasierten Maronen und Rosenkohl – eine wunderbare Beilage zum Weihnachtsbraten! Bedenken Sie aber, dass manche Menschen auf Maronen auch allergisch reagieren können, da diese zu den Nüssen gehören, wie 24vita.de* berichtet.

Meist landen die Esskastanien aber samt Schale in der zugedeckten Pfanne oder für 15 bis 20 Minuten im Backofen bei etwa 180 Grad Celsius, wo sie ihr fabelhaftes Röstroma entfalten. So lassen sie sich pur knabbern oder auch in Kuchen und Desserts unterbringen. Tipp: Die Maronen lassen sich leichter schälen und bleiben saftiger, wenn Sie sie vorher eine Stunde in Wasser einweichen oder eine feuerfeste Schale Wasser mit in den Backofen stellen. Leckere Maroni-Rezepte aus Südtirol finden Sie beispielsweise bei „Kraut und Rüben“. *24vita.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © imago images / Westend61

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