Ein Baumfäller sägt mit einer Kettensäge in einen Baumstamm (Symbolbild).
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Das Fällen von großen Bäumen sollten Gartenfreunden lieber Profis überlassen (Symbolbild).

 Sicher und richtig Bäume fällen  

Baum fällen: Mit einem Seil oder doch mit der Axt? Was Sie auf dem eigenen Grundstück beachten müssen

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Bäume fällen ist eine Wissenschaft. Auch wenn heute viele danach aussehen, braucht es mehr als einen Vollbart und ein kariertes Hemd, um ein Holzfäller zu sein.  

  • Richtiges Fällen ist kein Kinderspiel. Im Zweifelsfall sollten sich Gärtnerinnen und Gärtner professionelle Hilfe einholen
  • Vor der Fällaktion sollten Sie zeitliche und rechtliche Bestimmungen klären.
  • Schutzkleidung ist kein Luxus, sondern ein Muss.

Leipzig – Sei es nun, weil der vergangene Sturm den Baum gespalten hat, er der Terrasse die Sonne klaut oder Schädlinge ihn zerfressen haben: Unter bestimmten Umständen müssen Gärtnerinnen und Gärtner hohe Bäume im eignen Garten mit einer Motorsäge fällen. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Bäume fällen: Erst informieren und Genehmigung einholen

Wer einen Baum aus dem eigenem Garten endgültig verbannen möchte, sollte sich im Vorfeld über ein paar Dinge Gedanken machen. Zum Beispiel über die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Zeitpunkts der Fällaktion. Laut dem Bundesnaturschutzgesetz ist das Fällen von Bäumen vom 1. März bis Ende September untersagt.

Auf städtischer oder kommunaler Ebene können die Zeitvorgaben noch strenger geregelt sein, deshalb lohnt sich ein vorheriger Anruf bei der Stadt oder Gemeinde. In diesem Zuge kann auch geklärt werden, ob der hohe Baum gefällt werden darf. Laub- und Nadelbäume ab einem Stammdurchmesser von etwa 60 Zentimentern unterliegen laut t-online einem besonderen Schutz. Ausgenommen hiervon sind in aller Regel Obstbäume, denen der Baumfäller einfacher mit der Motorsäge zu Leibe rücken darf. Nichtsdestotrotz sollten Gartenfreunde lieber einmal mehr fragen, als Ärger mit der Stadt- oder Gemeindeverwaltung zu riskieren.

Baum fällen: Gut geschützt ist halb gefällt

Grundsätzlich sollten Gartenfans beim Fällen von hohen Bäumen Schutzkleidung tragen. Dazu gehören zum Beispiel Sicherheitsschuhe. Kleinere Bäume oder Sträucher können Gärtnerinnen und Gärtner im eigenen Garten natürlich mit der Axt oder Handsäge entfernen. Sobald aber eine Motorsäge ins Spiel kommt, ist folgende Schutzausrüstung Pflicht:

  • Schnittschutzhose
  • Schnittschutzstiefel
  • Handschuhe
  • Helm mit Visier und Gehörschutz

Diese Sachen gibt es schon für kleines Geld oder zum Ausleihen in einem Baumarkt. Denn eine Schnittverletzung mit einer Motorsäge kann fatale Folgen haben. Die Hobelzähne der Sägekette schneiden nicht wie ein Messer, sondern entfernen mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Meter pro Sekunde schonungslos alles auf einer Breite von einem Zentimeter, was sie zu fassen kriegen.

Bäume fällen: Im Falle des Fällens ist richtiges Fallen alles

Gut verpackt kann es losgehen. Beim Baumfällen im eigenen Garten müssen folgende Fragen klar sein: In welche Richtung hängt der Baum? Habe ich ausreichend Platz, um den hohen Baum zu fällen, ohne das Gartenhaus des Nachbarn zu gefährden? Und wie benutze ich die Motorsäge, damit der Baum genau in die gewünschte Parzelle fällt?

Kontrolliertes Fällen ist unabdingbar. Zunächst legen Gartenfans einen Fallkerb mit der Motorsäge an. Darunter können sich Interessierte einen von Hand eingeschlagenen Keil im Baumstamm vorstellen, der die Fällrichtung vorgibt. Er beträgt zwischen 1/5 und 1/3 des Stammdurchmessers (in Brusthöhe gemessen). Ist dieser angelegt, sollte spätestens jetzt zur Sicherheit ein entsprechendes Seil möglichst hoch am Baum angebracht sein. Eine Leiter oder spezielle Schubstangen helfen. Ebenso wichtig ist die Zugmaschine. Ein Kubikmeter Holz wiegt rund eine Tonne. Damit der Baum auch wirklich fällt, braucht er meist etwas Unterstützung. Eine Zugmaschine zieht an dem befestigten Seil und leitet den Fall ein. Ebenso können Profis mit der Zugmaschine wie PS-starken Traktoren den Baumstamm abtransportieren.

Bäume fällen: Der Fällschnitt will gut geplant sein

Nach dem Setzen des Fallkerbs und der Befestigung des Seils erfolgt der Fällschnitt. Er ist, wieder gemessen am Stammdurchmesser, 1/10 höher als die Sohle des Fallkerbs. Nun schneiden Baumfäller nur soweit mit der Motorsäge vor, bis wiederum 1/10 Holz zum Fallkerb stehen bleiben.

Ein Praxisbeispiel an einem typischen Baum aus dem eigenen Garten mit einem Stammdurchmesser von 30 Zentimetern: Der Fallkerb wird mit der Motorsäge an der Seite des Baumes angelegt, zu der er fallen soll. Er entsteht, indem Gärtnerinnen und Gärtner zuerst ein waagerechter Sohlenschnitt, in diesem Beispiel mit einer Länge von 6 - 10 Zentimetern, setzen. Dann erfolgt mit einem Winkel von 45-60° ein Dachschnitt bis an das Ende des Sohlenschnitts. Auf der entgegengesetzten Seite des hohen Baumes erfolgt der Fällschnitt. Dieser liegt 3 Zentimeter über dem Sohlenschnitt und endet ebenfalls 3 Zentimeter vor dem gesamten Fallkerb. Dieser verbleibende Bereich wird Bruchleiste genannt.

Bäume fällen: Beim Baumfällen Bruchleiste nicht beschädigen

Die Bruchleiste ist die Lebensversicherung des Holzfällers und bestimmt über den Erfolg der Baumfällaktion. Wird sie versehentlich mit der Motorsäge verletzt oder gar durchtrennt, spricht der Forstwirt vom „Totschneiden“. Ein Ausdruck, der es zu Recht in sich hat, denn die vorher sorgsam festgelegte Fällrichtung ist damit im wahrsten Sinne des Wortes hinfällig. Der hohe Baum ist führungslos und macht (trotz Seil), was er will. In diesem Zusammenhang sei eine alte Forstwirtregel erwähnt. Sie besagt, dass Fällarbeiten sowohl im Wald wie auch im eigenen Garten verboten sind, sobald sich armdicke Äste im Wind bewegen.

Sind nun alle Schnitte mit der Motorsäge korrekt durchgeführt, der hohe Baum aber immer noch nicht gefallen, ist es Zeit für den Fällkeil. Es erfolgt noch nicht das Kommando an die Zugmaschine. Diesen Keil aus Aluminium setzen Gärtnerinnen und Gärtner mit leichten Axtschlägen in den Fällschnitt ein und bringen ihn auf Spannung. Damit verhindern sie das Fallen in die entgegengesetzte Richtung.

Erst nach einem Warnruf dürfen Gartenfans den Baum dem Erdboden gleichmachen. Zu diesem Zeitpunkt sollten sich die Baumfäller auf ihrer sogenannten Rückweiche, einem schmalen, stolperfallen-freien Pfad in Sicherheit gebracht haben, um das Spektakel aus zerberstenden Ästen und krachendem Holz beobachten zu können.

Wie aber auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) erwähnt, sollten Gartenfreunde besonders das Fällen von großen Bäumen Profis überlassen. Die Kosten sind sehr variabel und hängen von der Größe des Baumes und dem damit verbundenen Aufwand ab. Eine tote Kiefer in einem gut zugänglichen Vorgarten zu entfernen ist deutlich günstiger, als eine morsche Eiche im verwinkelten und beengten Innenhof zu fällen.

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