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Heirloom, Hybride oder Open-Source-Saatgut: Was steckt hinter den Begriffen?

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Von: Mattias Nemeth

F1-Hybride, samenfest, Open-Source, Erbstücksorte – manchmal ist es nur schwer zu überblicken, was die ganzen Begriffe auf den Saatgut-Verpackungen bedeuten.

München – Die Pflanzanweisungen auf den Saatgut-Verpackungen verstehen wir alle, doch es gibt auch Begrifflichkeiten, die eher Fragen in uns auslösen. So finden sich beispielsweise auf manchen Tomatensaatgut-Tüten der Hinweis, dass es sich lediglich um eine Zierpflanze oder ein Sammelobjekt handelt, oft in Verbindung mit dem Hinweis auf das EU-Saatgutverkehrsgesetz. Dies ist dann meist nur eine rechtliche Absicherung des Saatgut-Herstellers, da die Sorten nicht vom Bundessortenamt zugelassen sind. Aber stattdessen kann auch Open-Source darauf stehen, was bedeutet dann das?

Heirloom, Hybride oder Open-Source-Saatgut: Das steckt hinter den Begriffen

In Gartencentern und Baumärkten finden sich immer mehr F1-Hybride-Sorten wieder. Diese und andere Sorten werden auch immer öfter von großen Saatgut-Herstellern patentiert. Das verhindert die Weiterzucht oder die eigene kommerzielle Nutzung dieser Sorten*. Das betrifft aber durch die verwendeten Sorten auch Tomatenzüchter, die alte Sorten weiterzüchten oder ihre eigenen Kreuzungen auf den Markt beziehungsweise in die Gärten zu bringen. Eine Eintragung einer neuen Sorte beim Bundessortenamt und der Schutz dieser Sorte kostet Unmengen an Geld und mehrere Jahre Geduld. Beides lässt sich mit dem schnelllebigen Saatgutmarkt und der oft nicht sehr gewinnbringenden Sortenzucht nicht vereinbaren. Eine Alternative ist die Eintragung als Open-Source-Sorte. Dies verhindert, dass irgendjemand die Rechte am Saatgut oder dessen Weiterzucht privatisieren darf. Stattdessen darf jeder die Sorte anbauen, weiterzüchten und sogar verkaufen. Nutzpflanzen sind viel zu wertvoll, um von wenigen Konzernen verwaltet zu werden. Saatgut sichert unsere Lebensgrundlage über Generationen hinweg, wie kraut&rüben berichtet. Wichtig ist nur, dass die Sorte eine sortenechte Pflanze ist und kein F1-Hybride.

Ein Regal mit Saattüten an einem Floristengeschäft. (Symbolbild)
Nicht immer ist ganz klar, um was für Saatgut es sich handelt. (Symbolbild) © Christoph Hardt/Imago

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Eine F1-Hybride kann nämlich nicht einfach über Samen vermehrt werden. Denn was aus dem von der F1-Pflanze entnommenen Saatgut erwächst meist nicht die Hybride-Sorte, sondern etwas anderes. So kann aus den Samen einer roten Supermarkt-Cocktailtomate, gelbe, rote oder sogar Salat- oder Johanisbeertomaten erwachsen. Durch das spezielle Kreuzungsverfahren der F1-Hybriden bildet sich kein stabiles Gengut einer neuen Sorte. Viel mehr schlummern die Gene der Elternpflanzen in ihr.

Das Gegenteil davon ist eine Heirloom-Sorte oder auch Erbstück-Sorte. Bei diesen Sorten handelt es sich um alte Sorten, die von Familien- oder Züchtern über Jahrzehnte hinweg immer wieder angebaut und selbst vermehrt wurden. Mit den Jahrzehnten hat sich die Sorten an ihre Umgebung angepasst, ihre Resistenzen und teilweise auch Geschmack, Größe oder Form leicht verändert. Leider wird aus Marketing-Gründen der Begriff Heirloom als generelles Synonym für alte oder samenfeste Sorten verwendet. Möglichkeiten, an echte Heirloom-Sorten zu kommen sind:

Auch der Begriff des samenfesten Saatguts vermischt sich mit Heilroom. Samenfest bedeutet allerdings nur, dass aus den Samen der Pflanze genau wieder diese Sorte nachgezogen werden kann. Wenn Sie also das nächste Mal irgendwo Heilroom-Sorte lesen, fragen Sie doch mal genauer nach, vielleicht haben Sie ja Glück und haben eine echte Erbstück-Sorte gefunden. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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