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Fliegenpilz: Was den „Pilz des Jahres 2022“ auszeichnet

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Von: Franziska Irrgeher

Der Fliegenpilz gilt als Glückssymbol und zugleich ist er giftig. Der hübsche Pilz mit rotem Hut wurde nun zum „Pilz des Jahres 2022“. Das zeichnet ihn aus.

Frankfurt am Main – An Silvester gilt er als Glückspilz, im Wald sollte man ihn aber lieber nicht sammeln, den Pilz mit dem roten Hut und weißen Punkten. Fliegenpilze gelten als giftig und sind als eine der wenigen auch direkt als Giftpilz erkennbar. Nun wurde das hübsche Glückssymbol der „Pilz des Jahres 2022“ und er ist es definitiv wert, mehr über ihn zu erfahren.

Fliegenpilz: Das zeichnet den „Pilz des Jahres 2022“ aus

Fliegenpilze kennt schon jedes Kind, sie sind oft die ersten Giftpflanzen, die der Nachwuchs beim Spaziergang kennenlernt. Im Sommer und Herbst schießen sie aus dem Boden und stehen dann recht fotogen im Wald. Amanita muscaria hat einen roten Hut mit mehr oder weniger vielen weißen Flecken darauf, die Lamellen sind auch weiß, ebenso der Stiel. Fliegenpilze kommen vor allem unter Birken und Fichten vor. Beim Pilzesammeln sollten Naturfans immer wissen, was sie da gerade vor sich haben. Denn neben dem gut erkennbaren Fliegenpilz, gibt es noch einige weitere heimische Giftpilze*.

Wie der BUND Landesverband Hessen berichtet, kommt der Name des Fliegenpilzes wohl daher, dass er als Insektizid eingesetzt werden sollte. Konkret soll kleingehackter Fliegenpilz in gezuckerter Milch eingelegt worden sein, um lästige Fliegen zu töten. Auch Mücken versuchte man so zu betäuben. Diese Art der Anwendung gegen lästige Insekten ist bei Adam Lonitzer († 1586) sogar belegt. Laut BUND hätte diese Methode die Fliegen aber lediglich betäubt, sie erholten sich wieder. Und damit kommen wir auch zu einem weit verbreiteten Irrglauben. Denn Fliegenpilze sind nicht unbedingt tödlich.

Zu sehen sind zwei Fliegenpilze in einem Wald, ein kleinerer und ein größerer (Symbolbild).
Der Fliegenpilz ist „Pilz des Jahres 2022“ geworden (Symbolbild). © Andreas Neumeier/Imago

Fliegenpilz: So giftig ist er wirklich

Natürlich sollten Fliegenpilze besser nicht gegessen werden, doch ist der Fliegenpilz laut BUND beispielsweise im Vergleich zum schnell tödlichen Knollenblätterpilz eher harmlos. Er sei früher sogar, ohne Haut des Hutes und einen Tag gewässert und anschließend gebraten, gegessen worden. Lebensgefährlich würde es laut BUND für einen Erwachsenen ab etwa einem Kilo Fliegenpilz werden. Doch was davor passiert, hat es definitiv in sich.

Frischer Fliegenpilz enthält laut BUND Ibotensäure, die wird durch Trocknen oder Zubereitung zu Muscimol und das sorgt für einen gehörigen Rauschzustand. Kein Wunder also, dass sich der Fliegenpilz auch im Buch „Die narkotischen Genussmittel und der Mensch“ aus dem Jahr 1855 findet. Auch bei Schamanen soll der Pilz zum Einsatz gekommen sein. Vorwiegend sitzen übrigens Rauschstoffe und Gift im Hut. Sammelt sich im Hut Regenwasser, wird das auch Zwergenwein genannt. Die Giftstoffe sind größtenteils wasserlöslich. Die frühere Zubereitungsart war also keineswegs so gewagt, wie sie heute erscheinen mag, und manche Länder verarbeiten und essen Fliegenpilz tatsächlich heute noch.

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Wir raten dennoch dringend von Versuchen mit Fliegenpilzen ab, gerade Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen können sonst ernsthafte gesundheitliche Schäden davontragen. Teils wird als tödliche Menge 100 Gramm Frischpilz angegeben, andere Quellen nennen zehn Pilze. Tierversuche zeigten wohl eine tödliche Menge ab etwa 45 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Fliegenpilz: „Pilz des Jahres 2022“

Ähnlich wie es auch den Vogel des Jahres, den Schmetterling oder das Tier des Jahres gibt, sogar die Giftpflanze des Jahres, wird auch jedes Jahr der „Pilz des Jahres“ gekürt. Für das Jahr 2022 wurde es diesmal der Fliegenpilz. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie kürt seit 1994 Pilze des Jahres. Laut Aussage der Gesellschaft soll der präsentierte Pilz die Bedeutung von Pilzen für das Ökosystem zeigen. Zudem sollen die Menschen auf die ökologischen Zusammenhänge hingewiesen werden.

Der Fliegenpilz ist laut der Gesellschaft ein wichtiger Symbiosepartner für viele Nadel- und Laubbäume, der Wasser und Nährstoffe über die Wurzeln liefert und dafür Zuckerverbindungen erhält. Nach dem Verzehr können beispielsweise rasender Puls und geweitete Pupillen auftreten bis hin zu zentralnervösen Störungen und Krämpfen. Der berauschende Stoff könne zu Sinnestäuschungen und Tobsuchtsanfällen führen. Wie die Gesellschaft weiter berichtet, taucht der Pilz ab 1950 auch als Glückssmbol auf.

Was also können Naturfans nun vom „Pilz des Jahres“ mitnehmen? Zunächst, wie sehr in der Natur einzelne Komponenten zusammenarbeiten, ohne dass wir es bemerken. Jede Pflanze, jedes Tier hat einen festen Platz und eine Aufgabe, ist Teil des ganzen Ökosystems und trägt zu dessen Funktionieren bei. Was wir oft „bloß“ als Pilz oder Pflanze wahrnehmen, kann also deutlich mehr als nur hübsch aussehen. Naturfans sollten daher gerade im Herbst mit offenen Augen durch den Wald, den eigenen Waldgarten oder die Natur laufen und entdecken dabei vielleicht so manche Überraschung.

Übrigens steht im Herbst 2021 auch die Wahl zum „Vogel des Jahres“ wieder an, es wird spannend, welcher Vogel das Rotkehlchen ablösen darf. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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