Zu sehen ist eine Nahaufnahme eines Fadenwurms (Symbolbild).
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Nematoden sind Fadenwürmer, die meist 1,5 Millimeter groß sind (Symbolbild).

Unsichtbarer Gartenbewohner

Nematoden bekämpfen: Wie Sie Möhren und andere Pflanzen vor den Würmern schützen können

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Nematoden können sowohl Schädlinge als auch Nützlinge sein. Die Fadenwürmer nisten sich beispielsweise in den Wurzeln von Gemüsepflanzen ein und lasse die Pflanzen verkümmern.

  • Es gibt über 20.000 verschiedene Nematodenarten.
  • Die Fadenwürmer sind sehr klein und nur schwer erkennbar.
  • Nematoden entnehmen Pflanzen das Wasser aus den Wurzeln.

Bonn – Die Nematoden sind wurmartige Lebewesen, die sich mit Vorliebe unter der Erde aufhalten. Sie zapfen das Wasser in den Wurzeln an, wodurch Pflanzen bei einem Befall häufig vertrocknen. Nach Entdeckung des Befalls ist es meistens schon zu spät für die Pflanze. Die richtigen Arten von Nematoden können jedoch die Anzahl anderer Schädlinge, wie Trauermücken oder Dickmaulrüssler, dezimieren und so sogar Pflanzen retten. Diese Tiere sind nicht zu unterschätzen, gefährlich für den Menschen sind die jedoch nicht.

Nematoden: Das verstehen Gartenfans unter Nematoden

Unter den Begriff Nematoden fallen diverse Arten von Fadenwürmern. Die kleinen Tiere lassen sich auf den ersten Blick kaum der richtigen Art zuordnen, da es insgesamt über 20.000 verschiedene Arten gibt. Häufig fällt ihr Name in Fachliteratur über Gärten und deren Schädlinge. Doch Nematoden übernehmen auch oft nützliche Rollen im Garten, indem sie Dickmaulrüssler und Trauermücken bekämpfen. Die Würmer sind meist farblos oder weiß und haben eine Größe von maximal 1,5 Millimetern. Sie ernähren sich von Algen, Bakterien und Pilzen.

Pflanzenparasitäre Nematoden graben sich gerne in die Wurzeln einer Pflanze ein. Dort können sie sich verstecken und sind nur schwer von außen zu erreichen. Die Larven der Nematodengattung Ditylenchus können laut der Landwirtschaftskammer NRW sogar bis zu 20 Jahre in einem Samen überdauern, bevor sie sich zur ausgewachsenen Nematode entwickeln. Den kompletten Lebenszyklus verbringen Nematoden im Boden oder in der Wurzel einer Pflanze. Das macht sie neben ihrer geringen Größe noch anspruchsvoller zu entdecken.

Nematoden: Die wichtigsten Nematodengattungen im Überblick

Nematoden können Pflanzen sowohl nutzen als auch schaden. Grundsätzlich lassen sich pflanzenparasitäre Nematoden in oberirdisch schädigende Nematoden und Wurzelnematoden unterteilen. Letztere wiederum unterscheiden sich in festsitzende und wandernde Nematoden. Festsitzende Nematoden dringen in eine Wurzel ein und bleiben an ihrem Standort. Wandernde Fadenwürmer hingegen können die Wurzel auch wieder verlassen. Die verbreitetsten Nematoden-Gattungen sind unter anderem:

  • Wandernde Wurzelnematoden: Pratylenchus, Paratylenchus, Trichodorus, Longidorus maximus
  • Gallenbildende Nematoden: Meloidogyne
  • Zystenbildende Nematoden: Heterodera, Globodera rostochiensis
  • Stock- und Stängelnematoden: Ditylenchus dipsachi, Ditylenchus destructor
  • Blattnematoden: Aphelenchoides

Blattnematoden greifen besonders Zierpflanzen und Erdbeeren an und lassen diese verkümmern. Beim Gemüseanbau sollten Gartenfans vor allem die Entwicklung der Gattungen Pratylenchus, Paratylenchus, Meloidogyne und Ditylenchus im Auge behalten.

Nematoden: Aktive Schädlinge im Garten

Typische Anzeichen für einen Befall von pflanzenpathogene, schädliche Nematoden an der Pflanze sind folgende:

  • Verkümmerung der Pflanze
  • Welken der Blätter
  • unregelmäßiger Pflanzenwuchs
  • mangelnde Wasserversorgung
  • Bildung von Zysten

Wandernde Nematoden dringen in die Wurzeln der Pflanzen ein und wandern in ihnen mithilfe ihres Mundstachels durch das Gewebe der Wurzeln. Festsitzende Nematoden hingegen erzeugen in der Wurzel bestimmte Stoffe, von denen sie sich während ihrer Entwicklung ernähren. Die Wurzelgallennematode löst mit der Bildung dieser Stoffe bei Pflanzen beispielsweise sogar ein Anschwellen des Wurzelgewebes an.

Bestimmte Arten greifen auch Obst- und Gemüsesorten wie Erdbeeren und Äpfel an. Besonders Landwirte bekommen die Auswirkungen der Fadenwürmer zu spüren. Ihre Ernte liegt bis zu 20 Prozent niedriger als ohne Nematoden. Aber auch Zimmerpflanzen können sich nicht vor einem Befall schützen. Aufgrund der sehr kleinen Tierchen und dem schleichenden Befall der Pflanzen erfolgt die Diagnose meist sehr spät.

Hobbygärtner haben keine Chance, alle Nematoden Pflanzenschädlinge abzutöten. Aufgrund der großen Anzahl pro Quadratmeter ist es nur möglich, die Anzahl zu verringern. Die regelmäßige Bekämpfung sorgt für eine dauerhaft niedrige Population. Diese erzeugt kaum relevante Schäden für Pflanzen.

Nematoden: Bekämpfung einer zu hohen Nematoden-Population

Zur Bekämpfung von Nematoden sind chemische Mittel seit ein paar Jahren nicht mehr erlaubt. Die Chemiekeulen haben zu große Auswirkungen auf umliegende Pflanzen. Seitdem sind biologische Lösungen eine beliebte Wahl. Eine Methode zur Bekämpfung können bestimmte Pflanzen gegen Nematoden darstellen. Das Säen von Studentenblumen auf einer großen Fläche verdrängt die Schädlinge. In bestimmten Zellen in den Wurzeln der Tagetes befinden sich Substanzen, die Nematoden abtöten. Die Fadenwürmer dringen in die Wurzeln der Tagetes ein und kommen so in Kontakt mit diesen Substanzen und sterben ab. Dies gilt allerdings hauptsächlich für Nematoden der Gattung Pratylenchus.

Da Nematoden hitzeempfindlich sind, ist die Verwendung eines Dampfgeräts hilfreich. Für Hobbygärtner ist der Aufwand allerdings recht hoch. Ein effektiver, aber auch aufwendiger Weg stellen Anbaupausen und Fruchtwechsel dar. Beim Fruchtwechsel wechselt der Hobbygärtner jede Saison das anzubauende Obst oder Gemüse, während bei Anbaupausen auf der gesamten Fläche ein paar Monate lang nichts angebaut sein darf. Auf diese Weise erholt sich die Erde und die Nematoden verschwinden. Ist der Befall durch Nematoden noch nicht stark ausgebreitet, kann eine gute Bodenpflege weiterhelfen.

Nematoden: Nützliche Helfer im Kampf gegen Schädlinge

Nematoden kommen im Pflanzenschutz vor allem als Helfer gegen Schädlinge zum Einsatz. Am meisten ist die Verwendung von Nematoden gegen Dickmaulrüssler und Engerlingen verbreitet. Aber auch bei Trauermücken helfen Nematoden neben fleischfressenden Pflanzen.

Die Nematoden sind allerdings nur gegen die Larven der jeweiligen Schädlinge nützlich. Sie nisten sich bei den Wurzeln der befallenen Pflanzen an. Anschließend verschaffen sie sich Zugang zu den Larveneiern und töten die eigentlichen Bewohner ab. Einen Kampf mit bereits ausgewachsenen Käfern und Schädlingen nehmen sie nicht auf.

Experten empfehlen, pro Quadratmeter 500.000 Nematoden einzusetzen. Diese lassen sich in Gartenmärkten oder im Internet leicht und günstig erwerben. Bei der Lieferung sind die Wurmtiere deaktiviert und laut dem Informationsportal Ökolandbau der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung meist in Ton vergraben. Durch die Zugabe von Wasser löst sich dieser auf und die Nematoden erwachen zum Leben. Wenn Hobbygärtner die Tierchen nicht sofort einsetzen können, sind sie an einem kühlen Ort zu lagern.

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