Vor- und Nachteile

Urgetreide erkennen: Deshalb ist ein gesunder Mix aus alten und neuen Sorten so wichtig

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Gesünder lebt, wer sich nicht ausschließlich von Backwaren aus Weizenmehl ernährt. Auch alte Getreidesorten haben einiges zu bieten.

Bonn – Urgetreide ist wieder im Trend, denn ernährungsbewusste Gartenfreunde haben die Vorteile der alten Getreideformen wiederentdeckt. Auch für Veganer und Vegetarier ist eine Umstellung auf alte Getreidesorten interessant, denn viele Sorten enthalten deutlich mehr Eiweiß als normaler Weizen. Ein Überblick über das Urgetreide hilft also bei der Kaufentscheidung allemal.

Urgetreide erkennen: Diese alten Sorten müssen Sie kennen

Im Winter steht nicht viel Gartenarbeit an, sodass sich Pflanzenfreunde auch in ihrer Küche mit Backen und Kochen beschäftigen können. Besonders Brotbacken ist momentan sehr beliebt. Veganer und Vegetarier aber auch probierfreudige Bäckerinnen und Bäcker können sich beim nächsten Vorhaben auch Mehl aus Urgetreide kaufen. Weizen kann mit einem hohen Gehalt an Folsäure punkten, doch das Urgetreide liefert folgende Vorteile:

  • hoher Eiweißgehalt
  • hoher Mineralstoffgehalt wie beispielsweise Zink, Kalium und Magnesium
  • hoher Eisenwert
  • hoher Gehalt an Vitamin E

Je nach Urgetreide gibt es natürlich Unterschiede in den Zusammensetzungen. Eine gute Mischung aus allen Getreidesorten ist daher ein Muss und sichert eine ausgewogene Ernährung. Glutenfrei sind die Urgetreidesorten übrigens nicht, auch in ihnen ist das Klebereiweiß enthalten.

Urgetreide erkennen: Diese Auswahl haben Sie

Die Auswahl bei Urgetreide ist groß. Laut dem Bundeszentrum für Ernährung sind folgende Sorten die wichtigsten:

  • Hirse: Hirse müssen Gartenfreunde vor dem Verzehr in Wasser einweichen und kochen. Besonders spannend ist Hirse für Vegetarier und Veganer, da der enthaltene Eisengehalt sehr hoch ist. Hingegen bringt es wenige Ballaststoffe und Mineralstoffe mit. Besonders gut schmeckt es beispielsweise als Reisersatz oder zu Mehl verarbeitet in Fladenbrot. Auch als Granola-Ersatz bietet es sich mit Äpfeln, Zimt und Honig in einer Pfanne angebraten als leckere Frühstücksvariante an. Roh sollten Gartenfreunde die Körner jedoch nicht essen. Die enthaltenen Tannine bremsen bei zu hoher Konzentration unsere Stärkeverdauung im Körper. Als einziges Urgetreide ist Hirse glutenfrei.
  • Einkorn: Einkorn-Getreide hat einen hohen Anteil an Carotinoiden. Die sind für seine schöne, gelbliche, satte Färbung verantwortlich, die die Körner beim Backen und Kochen auch an Brot, Nudeln und andere teigbasierte Lebensmittel weitergeben. Zudem bringt es eine Menge Mineralstoffe und Ballaststoffe mit sich, die gesund für uns sind. Den Namen Urgetreide trägt es mit Recht, denn bereits der in der Steinzeit lebende Ötzi ernährte sich laut wissenschaftlicher Studien von diesem Getreide.
  • Emmer: Das Emmer-Korn findet nicht nur im Essen seine Bestimmung, sondern auch als Bier. Es schmeckt kräftig würzig und überzeugt mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen und Mineralstoffen. Seinen Ursprung hat Emmer schon vor über 10.000 Jahren im vorderen Orient. Die harten Körner sind vor allem beim Bioanbau beliebt, denn sie schützen den Inhalt des Korns beispielsweise auch gegen starke UV-Strahlung. So ist Emmer auch gegen Hitzeperioden gewappnet.
  • Kamut: Kamut hat sich aus Emmer-Getreide entwickelt. Es trägt auch den Namen Khorasan-Weizen. Ursprünglich kommt es aus dem Chorasan-Gebiet im Nordosten des Irans. Im Gegensatz zu herkömmlichem Weizen enthält Kamut einen hohen Anteil an Eiweiß und deutlich mehr Mineralstoffe und Vitamine. Am beliebtesten ist das Mehl aus Kamut zum Backen von Teigwaren.
  • Ur-Roggen: Die ursprünglichste Form des Roggens bringt einen süßlichen Geschmack mit sich. Das Ur-Roggen-Mehl ist dunkel und wer einen besonders geschmacklich intensiven Teig für sein Brot oder sein Gebäck haben möchte, sollte es mit diesem Urgetreide probieren. Wichtig ist jedoch, dass Pflanzenfans nicht ausschließlich mit Ur-Roggen backen, sondern immer nur beimischen. Denn die Backeigenschaften des Ur-Roggens sind nicht optimal.
  • Dinkel: Dinkel dürfte den meisten wohl bekannt sein, denn es findet bereits in vielen Backwaren wie Dinkelbaguette und anderen Teigwaren Verwendung. Es bringt viele Nährstoffe mit sich und unterstützt unsere Verdauung. Vielen dient Dinkel als Weizenersatz beim Backen und Kochen*. Außerdem zählt es zum Happy food, denn es enthält viel Tryptophan, das unser Körper in das Glückshormon Serotonin umwandelt. Auch Dinkel hat seinen Ursprung im Emmer.
  • Grünkern: Grünkern ist eine besondere Form des Dinkels. Dabei ernten Hersteller Dinkel einfach eher, bevor sich die Stärke in den Körner bildet. Dann dreschen und dörren sie die Körner und fertig ist das Grünkern-Getreide. Dadurch bleibt es beispielsweise auch besonders lange haltbar. Zum Backen eignet es sich nicht so gut, schmeckt aber lecker als Risotto oder Müsli. Das Getreide zeichnet sich durch einen hohen Eiweißgehalt und viele Mineralstoffe aus.

Die Auswahl an Urgetreide ist ausreichend, um sich mit einem guten Mix gesund zu ernähren. Besonders der Wechsel zwischen den einzelnen Getreidesorten, alten wie neuen, ist wichtig. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © IMAGO / Westend61

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