Boden-, Freiland- oder Ökohaltung

Hühnereier: So wird bei den Haltungsarten von Legehennen unterschieden

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Beim Eierkauf lohnt es sich, auf die Haltungsarten der Legehennen zu achten. Denn wer Eier von glücklichen Hennen haben möchte, muss achtsam sein.

Bonn – Pro Jahr verbraucht jeder Deutsche laut Hochrechnungen etwa 235 Eier. Eine ganze schöne Menge, bei der es sich lohnt, beim Einkauf der Hühnereier genauer hinzuschauen. Denn die Verpackung und das Ei selbst verraten Gartenfreunden eine ganze Menge über ihre Herkunft. Zum Beispiel wie die Legehennen leben, während sie fleißig für den Hersteller Eier legen. Die Unterschiede zwischen Kleingruppen-, Boden-, Freiland- und Ökohaltung spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Erzeugung von Hühnereiern: So unterscheiden Sie die Haltungsarten

Hühnereier sind nicht nur zur Osterzeit überaus beliebt und ein fester Bestandteil der Küche. Kurz vor Ostern nutzen Gartenfreunde sie zum Auspusten und Anmalen, Backen vom Osterhefezopf mit Nussfüllung, dem Osterlamm oder der Möhrentorte und natürlich als Dekoration im Osternest oder auf dem selbst gezogenen Ostergras. Nicht verwunderlich, dass in der Vorosterzeit also der Eierkauf ansteigt und Gärtnerinnen und Gärtner des Öfteren im Supermarkt vor dem Eierregal stehen.

Bei dem hohen Verbrauch lohnt es sich also, beim Eierkauf auch auf den Ursprung des Eis zu achten und die Unterschiede der Haltungsarten zu kennen. So verrät der aufgedruckte Erzeugercode auf den Eierschalen Gärtnerinnen und Gärtner genau, woher das Ei stammt. Alles über das Herstellungsland, den Produzenten und sogar die Stallnummer sind dabei festgehalten. Allem voran natürlich auch die Haltungsart, in der die Legehenne lebt. In Deutschland unterscheiden Hersteller dabei zwischen Kleingruppen-, Boden-, Freiland- und Ökohaltung.

Erzeugung von Hühnereiern: Produktionsstufen bis zur Legehenne

Die Eier-Erzeugung beginnt nicht erst bei den unterschiedlichen Haltungsarten, denn schon vorher züchten Erzeuger speziell zum Eierlegen ernannte Legehennen. Dieser Prozess läuft laut dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in fünf Schritten ab:

  • 1. Basiszucht: An dieser Stelle produzieren Zuchtunternehmen die Elterntierküken, die sie dann an die Vermehrungsbetriebe weitergegeben.
  • 2. Vermehrungsbetrieb: In diesem Betrieb wachsen die Elterntierküken auf. Hersteller lassen sie sich paaren, sodass befruchtete Eier entstehen. Diese gehen dann an die Brütereien.
  • 3. Brütereien: Innerhalb von drei Wochen schlüpfen nun die Küken. In der Junghennenaufzucht bleiben die weiblichen Küken etwa fünf Monate, bis sie zum Legebetrieb kommen. Männliche Küken töten Hersteller bis heute, da diese keine Eier produzieren.
  • 4. Legebetrieb: Etwa ein Jahr brüten an dieser Stelle Legehennen so viele Eier wie möglich. Dann landen sie als Suppenhuhn im Supermarkt.

Die Legebetriebe unterscheiden zwischen Kleingruppen-, Boden-, Freiland- und Ökohaltung. Bis 2010 war es noch erlaubt, Hennen in der sogenannten Käfighaltung zu halten. Auch die Kleingruppenhaltung ist offiziell seit 2016 verboten, jedoch gibt es eine Auslauffrist bis 2025 für Betriebe. Bei der Kleingruppenhaltung kommt der Einsatz von künstlich geschaffenen Licht- und Dunkelphasen hinzu ohne tatsächliches Tageslicht. Das ist entscheidend für die Produktionsstärke der Hennen, denn je weniger Tageslicht es gibt, desto eher beginnt die sogenannte Mauser. Währenddessen legt eine Henne quasi keine Eier mehr. Das wollen Hersteller verhindern und bestrahlen die Hennen mit künstlichem Licht.

Hennen legen im Normalfall auch nur so viele Eier, bis ihr Nest voll ist. Das sind etwa zehn oder zwölf. Dann würde sie mit der Eierproduktion aufhören. Damit das im Betrieb nicht passiert, werden die gelegten Eier immer sofort wegtransportiert. Die Henne legt also immer weiter Eier, weil ihr Nest nie voll wird. Eine hochgezüchtete Legehenne legt so im Jahr etwa 320 Eier. Bei Rassen, die besonders große und schwere Eier legen sollen, kommt es manchmal auch zu Doppel-Dotter-Eiern*.

Erzeugung von Hühnereiern: Kleingruppen-, Boden-, Freiland- und Ökohaltung

Fakten, die einen auf den Boden der Tatsachen zurückholen und über den Eierkauf etwas länger nachdenken lassen. Doch Gartenfreunde können neben eigenen Hühnern im Garten auch auf den Kauf von Eiern aus Ökohaltung setzen. Denn die bietet Hennen laut BZfE einiges mehr als die anderen Haltungsarten:

  • Kleingruppenhaltung: 0,08 Quadratmeter pro Henne, keine Auslauffläche, Bestrahlung mit künstlichem Licht, je Abteilt 30 bis 60 Tiere
  • Bodenhaltung: 0,11 Quadratmeter pro Henne, keine Auslauffläche, mindestens drei Prozent der Stallgrundfläche als Lichtöffnungen, maximal 6000 Tiere
  • Freilandhaltung: 0,11 Quadratmeter, vier Quadratmeter, die bewachsen sein müssen und tagsüber uneingeschränkt zugänglich sein müssen, mindestens drei Prozent der Stallgrundfläche als Lichtöffnungen, 6000 Tiere
  • Ökohaltung: 0,17 Quadratmeter, vier Quadratmeter, die bewachsen sein müssen und tagsüber uneingeschränkt zugänglich sein müssen, mindestens drei Prozent der Stallgrundfläche als Lichtöffnungen, 3000 Tiere

Wenn es möglich ist, bekommen Hennen aus Ökohaltung Futter, das ökologisch hergestellt direkt vom selben Hof kommt. Über die unterschiedlichen Haltungsarten informiert unter anderem der Erzeugercode auf jeder Eierschale. Die erste Zahl erklärt Verbrauchern, welcher Haltungsart das Ei entstammt. Eine 0 steht dabei für Eier aus Ökohaltung. Eine 3 für Eier aus Kleingruppenhaltung. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Manngold

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