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Gutes Gewissen kaufen: Biolebensmittel sind nicht immer die beste Wahl

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Von: Eva Goldschald

Wer biologische Lebensmittel kauft, tut etwas für die Umwelt und das eigene Gewissen. Aber ist Bio wirklich ausnahmslos immer die bessere Wahl?

Berlin – Alles bio oder was? Biologische Lebensmittel sind längst kein Nischenprodukt mehr. Was früher nur in Reformhäusern oder Hofläden erhältlich war, ist nun schon lange für die breite Masse zugänglich. Biolebensmittel findet man mittlerweile bei jedem Discounter und das in großen Mengen. Dort kosten diese oft weniger als die Hälfte als in kleinen Bioläden. Wie kann das sein und ist wirklich alles bio, was drin ist? Das wollte eine unabhängige Bürgerinitiative genauer wissen und forschte nach.

Gutes Gewissen kaufen: Biolebensmittel sind nicht immer die beste Wahl

Ökoreich ist eine unabhängige Bürgerinitiative zur Förderung von Ökologie & Nachhaltigkeit für den gesamten deutschsprachigen Raum. Kürzlich kritisierte diese Non-Governmental Organization (NGO), dass Gemüse und Obst häufig aus Ländern stammt, die mit Wassermangel zu kämpfen haben. So würden Bio-Gurken aus der spanischen Provinz Almeira trotz immensem Wassermangel angebaut und die Arbeiter ausgebeutet. Auch Bestandteile wie Eier und Honig würden oft unter dem Deckmantel Bio von weit her importiert, obwohl es sie auch regional ohne langen Transportweg zu kaufen gäbe. Die Produkte aus Drittländern seien oftmals viel günstiger, sodass auch Discounter Bioprodukte zu niedrigen Preisen anbieten können. Der Kunde kaufe dann mit gutem Gewissen, aber wisse oft nicht, was wirklich dahintersteckt.

Vor allem bei Aufstrichen oder Backwaren kann man nicht immer sicher sein, dass alle Bestandteile wirklich bio sind. Folgende Zutaten werden oft verwendet, obwohl sie nicht gut für die Umwelt sind und weite Transportwege hinter sich haben:

Laut Greenpeace verbrauchen biologisch angebaute Lebensmittel generell weniger Wasser als konventionelle, vorausgesetzt, sie entstehen unter den geeigneten Bedingungen. Außerdem seien weniger bis keine Pflanzenschutzmittel in biologischen Lebensmitteln enthalten, was zum einen den Boden und das Grundwasser schützt und zum anderen auch für die Verbraucher gesünder ist. Bio schneidet insgesamt also besser ab, doch es kommt auf die Feinheiten an.

Gutes Gewissen kaufen: Unterschiede machen

Stiftung Warentest untersuchte über acht Jahre lang 250 Bio-Produkte und mehr als 1000 konventionelle Produkte. Dabei kam heraus, dass sich sowohl der Geschmack, als auch die enthaltenen Keime nicht wirklich voneinander unterscheiden. Allerdings betonte Stiftung Warentest auch, dass vor allem bei der Tierhaltung viel nachhaltiger und umweltschonender gearbeitet werden würde. Und die Lebensbedingungen für die Tiere seien ausnahmslos besser.

Im Öko-Gemüse lag der mittlere Pestizidgehalt bei 0,003 Milligramm pro Kilogramm. Konventionelles Obst und Gemüse enthielt dagegen im Mittel 0,4 Milligramm Pestizide pro Kilogramm. Zu diesem Ergebnis kam das jährliche Ökomonitoring des Landes Baden-Württemberg. Allerdings wiesen auch die Forscher dieser Untersuchung darauf hin, dass es immer wieder Verdachtsfälle gäbe, die eine irreführende Ökokennzeichnung aufweisen. Das wären allerdings Einzelfälle und passiere nicht nur in südlichen Ländern, sondern auch in Deutschland und Österreich.

Gutes Gewissen kaufen: Nicht pauschalisieren, sondern Prioritäten setzen

Basierend auf den Ergebnissen lässt sich also nicht pauschal sagen, was besser oder schlechter ist. Das EU-Bio-Gütesiegel soll als sichere Richtlinie für Verbraucher gelten. Doch immer öfter tauchen schwarze Schafe auf, die vom Bio-Boom profitieren. Deshalb ist es wichtig, nicht nur darauf zu achten, ob etwas Bio ist oder nicht, sondern auch zu prüfen, woher die Lebensmittel stammen. Denn im globalen Süden wird oft nicht so streng kontrolliert wie im Westen.

Deshalb fordert die österreichische NGO Ökoreich eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln, sowohl bei verarbeiteten Produkten als auch in der Gastronomie. Nur so können Verbraucher bewusste Entscheidungen treffen und schwarze Schafe aufgedeckt werden. Zudem empfiehlt Stiftung Warentest, auf Zusatzsiegel von Demeter, Bioland und Co. zu achten, da diese unter viel strengeren Kriterien arbeiten. Übrigens: Wer bewusster konsumiert, kann damit auch langfristig das Klima schützen.

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