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Obstbäume veredeln: Was das richtige Werkzeug ist – und wann es optimal gelingt

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Von: Jasmin Pospiech

Ein Apfelbaum.
Beim Veredeln von Obstbäumen ist eine saubere und scharfe Technik wichtig. © Karolin Krämer/dpa

Bäume zu veredeln, ist eine uralte gärtnerische Technik. Doch mit ein wenig Geschick können Sie es im eigenen Garten auch selbst machen. So geht es. 

München – Bäume lassen sich durch eine Veredelung schneller vermehren und sortenrein aufziehen. Bei einer Veredelung handelt es sich um Gartentechnik, bei der am Ende zwei unterschiedliche Pflanzen, vorrangig Obst- und Rosengewächse, zusammenwachsen

Darum lohnt es sich, (Obst-)Bäume zu veredeln

Dabei dient meist die eine als Unterlage, die mit ihren Wurzeln und dem Stamm die Basis der veredelten Pflanze bildet und die andere ist die Zuchtsorte, also jene Pflanze, die von der Veredelung profitieren soll. 

Das ist nicht nur bei jungen, sondern sogar auch noch bei älteren Bäumen möglich. Diese lassen sich umveredeln, indem die Krone soweit wie möglich abgenommen und eine neue aufgepfropft wird.

Der Grund, warum eine Veredelung von Bäumen angebracht ist, ist simpel. Steckt man einen Kirschkern in den Boden, könnte die Kirschblüte mit dem Pollen einer anderen Sorte bestäubt werden. Damit dies nicht geschieht, müssen Bäume veredelt werden. Übrigens ist die Kirschblüte immer wieder zentrales Thema in vielen Gedichten, darunter auch beim bekannten deutschen Dichter Barthold Heinrich Brockes (66, † 1747) in „Kirschblüte bei der Nacht“ aus dem Jahre 1727.

Wer also einen Kirsch- oder Pflaumenbaum im Handel kauft, erhält eigentlich zwei Bäume in einem: Die Wurzeln stammen von der Unterlage, also einem Obstbaum, der veredelt wurde. Der Rest des Baumes – Stamm, Krone und Früchte - gehört zu einer anderen Sorte als die Unterlage: der gewünschten Obstsorte.

Das ist der beste Zeitpunkt, um einen Baum zu veredeln

Die beste Zeit, um einen Baum zu veredeln, ist während der Vegetationsruhe. Das einfachste Verfahren ist die Kopulation oder das Aufpropfen, das traditionell im Spätwinter, meist im Januar, durchgeführt wird. Hierzu benötigen Sie eine wurzelnackte Unterlage sowie ein gleich dickes Edelreis.

Bei einem Edelreis handelt es sich um ein wenige Zentimeter langes Teilstück der Rute einer Edelsorte, aus dem schließlich Stamm und Krone entstehen. Allerdings können Edelreiser nur auf Unterlagen der gleichen Pflanzenart veredelt werden, etwa eine Apfelsorte auf einen Apfelsämling. Das bedeutet, dass Sie zum Beispiel keine Kirschreiser auf einen Zwetschgenbaum veredeln können.

Bäume veredeln: Das versteht man unter Kopulation und Okulation

Schneiden Sie zuerst die Unterlage etwa zehn Zentimeter über dem Wurzelhals und gegenüber von einer Knospe zu. Der Schnitt sollte etwa drei Zentimeter lang sein und senkrecht verlaufen. Den gleichen Schnitt führen Sie beim Edelreis durch. Nun legen Sie die Schnittflächen aufeinander. Wenn Sie genau passen, umwickeln Sie die Reiser mit einem Bastband. Abschließend verstreichen Sie die Veredlungsstelle mit Baumwachs.

Im Frühjahr bzw. Sommer wird hingegen okuliert. Hierbei wird eine ruhende Knospe, auch Edelauge genannt, der gewünschten Obstsorte unter die Rinde eines Baums eingesetzt. Diese Veredelungstechnik hat sich besonders bei dickeren Ästen ab drei Zentimeter Durchmesser bewährt.

Zuerst wird auf der jeweiligen Veredelungshöhe ein wenig die Rinde abgelöst. Nun schieben Sie das abgeschrägte Ende, auch Propfkopf genannt, zwischen die Rindenlappen und umwickeln die Stelle mit Bastband. Das Edelauge muss aber frei bleiben. Abschließend werden der Propfkopf und die Schnittstellen am Edelreis mit Baumwachs versehen.

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